Wirecard

18.02.19
Finanzierungen

Bafin verbietet neue Short-Positionen bei Wirecard

Geht von den Vorgängen bei Wirecard eine Gefahr für das Finanzsystem aus? Die Bafin befürchtet das und verhängt ein zweimonatiges Verbot für neue Leerverkäufe von Wirecard-Aktien – eine historische Maßnahme.

Historische Entscheidung der Bafin: Zum ersten Mal in der Geschichte verhängt die Finanzaufsicht ein Leerverkaufsverbot für die Aktie einer einzelnen Firma. Nutznießer dieser nie dagewesenen Maßnahme ist Wirecard. Während der Finanzkrise im September 2008 hatte die Behörde schon einmal Leerverkäufe für eine Gruppe von Bank- und Finanztiteln verboten.

Jetzt glaubt die Bafin auch in der Volatilität von Wirecard systemische Risiken zu erkennen. Die aktuellen Entwicklungen seien eine „ernstzunehmende Bedrohung für das Marktvertrauen“, begründete die Bonner Behörde ihr Vorgehen. „In der derzeitigen Situation besteht das Risiko, dass die Verunsicherung des Marktes zunimmt und sich zu einer generellen Marktverunsicherung ausweitet“, so die Bafin weiter.

Unterstützung findet die Bafin-Entscheidung von der europäischen Wertpapieraufsicht Esma: Die gegenwärtigen Ereignisse rund um Wirecard seien eine ernste Bedrohung des Marktvertrauens in Deutschland, meint die Esma. Die ergriffene Maßnahme sei angemessen und verhältnismäßig. Das Verbot für sogenannte „Shortseller“ aus dem In- und Ausland gilt bis zum 18. April.

Wirecard kämpft mit Betrugsvorwürfen

Die extremen Kursschwankungen bei Wirecard begannen mit mehreren Berichten der „Financial Times“. Das Blatt schrieb im Januar über mögliche Betrugsvorfälle bei der Wirecard-Tochter in Singapur. Whistleblower-Informationen zufolge soll ein ranghoher Mitarbeiter Bilanzen gefälscht haben. Wirecard hat diese Vorwürfe zurückgewiesen und sie als „falsch, ungenau, irreführend und diffamierend” bezeichnet.

Trotzdem stürzte die Aktie in mehreren Schüben in nur zwei Wochen von 170 auf unter 100 Euro ab. Zwischendurch gab es mehrere Erholungsversuche mit hoch einstelligen prozentualen Tagesgewinnen. Diese extreme Volatilität macht die Aktie für große Institutionelle derzeit nicht investierbar, da die Prämien für Absicherungen von Wirecard-Positionen explodiert sind.

Wirecard-Aktie erholt sich nach Bafin-Entscheidung

Wirecard Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Wirecard war bereits mehrfach Shortseller-Opfer

Die Lage ist auch deshalb so gefährlich, weil der Dax-Neuling aus Aschheim bei München schon mehrfach Ziel von Shortseller-Attacken war. Wirecards Geschäftsmodell und Rechnungslegung gelten als schwer durchschaubar. Der aufsehenerregendste Fall fand 2016 statt, als das Research-Haus Zatarra Research & Investigations schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhob. Der Zahlungsdienstleister leitete daraufhin rechtliche Schritte ein, die Staatsanwaltschaft München stellte im Dezember fest, dass es sich wohl um Marktmanipulation gehandelt habe.

Wie heute bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft München I nun auch ein Ermittlungsverfahren gegen einen Journalisten der „Financial Times“ eingeleitet. Das berichtet die FAZ unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde. „Uns liegt eine konkrete Strafanzeige eines Anlegers vor“, wird die Sprecherin zitiert. Zudem habe ein Shortseller ausgesagt, dass er bereits vor der Veröffentlichung der kritischen Wirecard-Berichte von dem Journalisten informiert worden sei, wann diese erscheinen werden.

Die Investoren reagieren positiv auf die Maßnahme der Bafin. Die Wirecard-Aktie legt am heutigen Vormittag um rund 10 Prozent auf Kurse um 110 Euro zu.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de