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Die M&A-Welle der Spacs hat erst begonnen

Haie am M&A-Markt: Die Spacs haben enormen Druck, fast 1 Billion Dollar in Deals zu investieren. Welche Targets haben sie Visier?
fergregory/stock.adobe.com

Was haben Serena Williams, Jay-Z und Shaquille O’Neal gemeinsam? Es sind Spacs („Special Purpose Acquisition Companies“), börsennotierte Akquisitionsvehikel, die allein bis Mitte Juli 2021 weltweit im Zuge von 371 Börsengängen rund 114 Milliarden US-Dollar eingesammelt haben. Damit wurden die Gesamtjahreswerte von 2020 bereits zur Jahresmitte übertroffen. Ein Spac wird gegründet, um durch einen Börsengang Geld einzusammeln und danach mit einem anderen Unternehmen, dem „Target“, zu fusionieren, das auf diesem Weg mit seinem operativen Geschäft in den Börsenmantel schlüpft.

In jüngster Zeit war die Börsenperformance ausgewählter Spacs jedoch düster: Bedenken über unreife Geschäftspläne, zu große Versprechungen sowie eine sich verschärfende regulatorische Kontrolle haben den Appetit der Investoren auf Spacs gedämpft. Außerhalb der USA haben sich Spacs bislang noch in keiner Kapitalmarktregion nennenswert etablieren können. So gab es in Europa 2020 und 2021 zusammen lediglich zehn Spac-IPOs, die ein Volumen von 1,3 Milliarden Dollar einbrachten. Einer davon bringt die deutsche Ferienhausplattform Hometogo in Kürze an die Börse.

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Spacs-Milliarden fließen in Auto- und Tech-Branche

Trotzdem sind Spacs zur treibenden Kraft des M&A- und IPO-Geschäfts geworden, insbesondere in Trendsektoren wie Technologie, Fintechs, E-Mobilität und Gesundheit. So waren Spacs im ersten Quartal 2021 in den USA für ein Viertel der gesamten M&A-Aktivität verantwortlich.

Und der richtige Schub wird erst noch kommen: Bei einem durchschnittlichen Verhältnis von Spac-Eigenkapital zum Unternehmenswert des M&A-Targets von etwa 5x im Jahr 2020 ergibt sich aus der bestehenden Firepower ein theoretisches Dealvolumen von fast 1 Billion US-Dollar. Somit ist mit einer erheblichen Investitionstätigkeit der bereits initiierten Spacs zu rechnen. Im ersten Quartal 2021 konzentrierte sich die Dealaktivität stark auf die Sektoren Automotive (insbesondere E-Mobilität) und Software.

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Warum der Nachschub an Spacs stockt

Doch jetzt ist der Nachschub an neuen Spacs ins Stocken geraten: Die Zahl neuer Börsengänge ist im zweiten Quartal dieses Jahres auf 60 gesunken – von fast 300 im ersten Quartal. Am Kapitalmarkt machen sich Bedenken breit, und zwar zu vielfältigsten Themen.

Ein Beispiel: Wenn der Spac eine Transaktion nicht innerhalb von zwei Jahren durchführt, wird das Geld an die Investoren zurückgegeben. Dies könnte dazu führen, dass auf die Schnelle möglicherweise weniger attraktive Deals gemacht werden. Darüber hinaus gibt es für die Initiatoren und Manager hinter den Spacs typischerweise nicht die gleichen Hurdle Rates wie bei Private Equity und Venture Capital.

Auch die Regulierung ist betroffen: Finanzprognosen der Spac-Targets entpuppen sich in den Augen der Investoren später manchmal als zu optimistisch. Darüber hinaus ist manche angekündigte Partnerschaft am Ende auch nicht zustande gekommen. Dies hat in einigen Fällen sogar zu Sammelklagen geführt, so etwa bei den US-Transaktionen Nikola, Canoo und Lordstown Motors.

Verschärfend kommt hinzu, dass der „Reverse Takeover“ zwischen Spac und Target sowie das Zielunternehmen selbst nicht den gleichen Regeln wie bei einem traditionellen Börsengang unterliegen. Dies wird manchmal als „Arbitrage bei der Regulierung“ bezeichnet. Sind die wachsenden Zweifel der Investoren und die nachlassende Emissionstätigkeit klare Hinweise darauf, dass der Spac-Boom nun vor seinem Ende steht?

Spacs werden noch bis 2022 viele M&A-Deals machen

Wir glauben, dass zunächst einmal noch eine Spac-induzierte M&A-Welle durch die Märkte rollen wird. Die Firepower von nahezu 1 Billion Dollar in Verbindung mit der sehr engen Zeitgrenze von maximal zwei Jahren bis zum Deal werden dafür sorgen, dass Spacs bis mindestens 2022 eine sehr prominente Rolle im M&A-Markt spielen werden. Zu den begehrtesten Targets dürften Unternehmen aus den Sektoren Software, Fintechs und E-Mobilität zählen. Und obwohl der größte Teil der Spacs in den USA emittiert worden ist, wird diese Welle auch nach Europa hinüber schwappen, denn die Spacs suchen ihre Targets zunehmend auch im Ausland.

Was nach dieser ersten großen Welle folgen wird, dürfte in hohem Maße auch von der regulatorischen Behandlung der Spacs und dem Ausgang von Rechtsstreitigkeiten rund um viele dieser Vehikel abhängen. Da es unterschiedliche regulatorische Bestrebungen in Europa und den USA gibt, könnte es vor dem Hintergrund der Verschärfungen in den USA zu einer Verlagerung von Spac-IPOs nach Europa kommen. Zudem könnten die Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC und die Sammelklagen dazu führen, dass Targets sich generell vorsichtiger bei Prognosen zur Geschäftsentwicklung zeigen werden.

Last but not least ist auch noch zu erwarten, dass sich die Anreizmechanismen der Spacs wie etwa Hurdle Rates und Investitionsdruck weiterentwickeln werden. Anzeichen dafür, dass die zunehmende Regulierung dazu führt, dass bereits eingesammelte Gelder nicht investiert, sondern an die Investoren zurückgegeben werden, sind bislang freilich nicht zu sehen. Der Boden für die M&A-Welle ist bereitet.

redaktion[at]finance-magazin.de

Stefan Ohl, und Michael Wabnitz sind Managing Directors, Florian Stellner und Sven Vögele Senior Vice Presidents bei der Unternehmensberatung Alix Partners. Email: mwabnitz[at]alixpartners.com

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