Der Gabelstaplerhersteller Kion bekommt erstmals in seiner Geschichte ein Investment-Grade-Rating.

Kion

04.01.17
Finanzierungen

Kion bekommt Investment Grade

Nach vielen Jahren der Entschuldung hat Kion jetzt erstmals ein Investment-Grade-Rating erhalten – und das, obwohl der Gabelstaplerhersteller gerade den teuersten M&A-Deal seiner Geschichte gestemmt hat.

Zwei Monate nachdem der Gabelstaplerhersteller Kion die Milliardenübernahme des US-Konzerns Dematic gestemmt hat, steigen die Wiesbadener erstmals in den Investment-Grade-Bereich auf. Die Ratingagentur Fitch hat das Emittentenrating auf BBB- mit stabilem Ausblick erhöht.

Als Begründung nannte Fitch, das Finanzprofil von Kion entspreche „in vielerlei Hinsicht den Anforderungen für ein Investment-Grade-Rating eines Investitionsgüter- oder diversifizieren Industrieunternehmens“. Die Margen seien stark, und trotz erheblicher Investitionen erwarte Fitch einen hohen Free Cashflow.

Das Upgrade hängt auch mit dem Kauf von Dematic zusammen, einem Anbieter für Lösungen im Bereich Automatisierung und Lieferketten-Optimierung, mit dem Kion sich bei dem Thema Industrie 4.0 positionieren will. Dematic sei eine Ergänzung zum bisherigen Geschäft, da die Akquisition die potenzielle Kundenbasis vergrößere, die Präsenz im US-Markt stärke und den Konzern diversifizierter aufstelle, so Fitch. 

Kion-CFO Thomas Toepfer hat die Verschuldung stark reduziert

Dabei zeigten sich die Aktionäre am Anfang durchaus kritisch, was den Deal anging, für den Kion inklusive Schulden 3,25 Milliarden US-Dollar zahlte. Die Bewertung lag auf Basis des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 20x. Nach der Ankündigung war der Aktienkurs von Kion zunächst um rund 5 Prozent gefallen. Inzwischen hat sich der Kurs aber erholt und bewegte sich zwischenzeitlich sogar auf einem Rekordhoch von fast 58 Euro.

„Wir sind sehr erfreut über die Anerkennung durch Fitch, die die harte Arbeit im Konzern über die vergangenen Jahre bestätigt“, kommentiert Kion-CFO Thomas Toepfer das Rating-Upgrade. Die positive Entwicklung von Kion ist maßgeblich ihm zu verdanken. Toepfer kam 2012 als Finanzchef zu der ehemaligen Linde-Tochter, die einen hohen Schuldenberg vor sich herschob. Wegen des Buy-outs durch die Finanzinvestoren KKR und Goldman Sachs, aber auch in Folge der Weltwirtschaftskrise summierten sich die Netto-Finanzschulden seinerzeit auf 2,6 Milliarden Euro.

Toepfer reduzierte die Verschuldung drastisch und begleitete den IPO von Kion im Sommer 2013, wodurch das Unternehmen weitere Schulden zurückzahlen konnte. Vor rund einem Jahr gelang es Toepfer schließlich, einen neuen Konsortialkredit über 1,5 Milliarden Euro einzufädeln, mit dem der MDax-Konzern eine teure Hochzinsanleihe ablösen konnte. 

Trotz Milliardendeal: Kion hält die Schulden niedrig

Um die Verschuldung durch den Kauf von Dematic möglichst gering zu halten, hat Kion im Juli außerdem knapp 460 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung eingesammelt. Diese konservative Vorgehensweise scheint sich für Kion jetzt auszuzahlen. Die anderen Ratingagenturen haben allerdings noch nicht nachgezogen. Moody’s  bewertete Kion zum November 2016 mit Ba1, Standard & Poor’s zum Juni 2016 mit BB+, jeweils mit negativem Ausblick.  

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Durch die massive Entschuldung der vergangenen Jahre konnte Kion die Dematic-Übernahme einfädeln. Für diese Leistung haben wir Thomas Toepfer zum CFO des Monats Juni 2016 gekürt.

Weitere Karriere-Highlights von Thomas Toepfer können Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe nachlesen.