Der US-Finanzinvestor KKR ist bei ProSiebenSat.1 mit 5,21 Prozent eingestiegen.

ProSiebenSat.1

12.05.20
Finanzierungen

KKR steigt wieder bei ProSiebenSat.1 ein

KKR beteiligt sich mit rund 5 Prozent an ProSiebenSat.1. Auch Mediaset und Daniel Kretinsky erhöhen stetig ihre Anteile. Vorstandssprecher und CFO Rainer Beaujean muss sich nun mit drei Großaktionären auseinandersetzen.

Wiedereinstieg mitten in der Coronakrise: Der US-Finanzinvestor KKR hat die aktuell niedrige Bewertung von ProSiebenSat.1 genutzt und sich bei den Münchenern eingekauft. Wie aus einer Stimmrechtsmitteilung des Medienunternehmens hervorgeht, kontrolliert der Private-Equity-Investor derzeit 5,21 Prozent der Anteile. Davon sind 3,21 Prozent Anteile mit Stimmberechtigung, weitere 2 Prozent hält KKR indirekt über diverse Finanzinstrumente. Der Wert des Aktienpakets beläuft sich damit auf etwas mehr als 110 Millionen Euro.

Bei der Beteiligung handele es sich um ein rein finanzielles Investment, betont KKR gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir sind davon überzeugt, dass das Unternehmen derzeit am Kapitalmarkt unterbewertet ist“, lautet die Begründung für den Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt. ProSiebenSat.1 begrüßt den Einstieg von KKR: „Wir sehen das Investment von KKR als Bestätigung unserer Strategie und heißen das Investment willkommen”, so eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur.

Es ist nicht das erste Investment in ProSieben für den Finanzinvestor: Bereits von 2006 bis 2014 war KKR an ProSiebenSat.1 beteiligt. Die Beteiligung damals war eine Achterbahnfahrt, da das Papier in der Finanzkrise drastisch an Wert verlor. KKRs Exit erfolgte 2014 dann aber doch im Plus.

Auch Mediaset spielt bei ProSiebenSat.1 mit

KKR ist nicht der einzige Investor, der sich aktuell für ProSiebenSat.1 interessiert. Auch die italienische Mediaset, das Medienunternehmen von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, hatte in den vergangenen Monaten seinen Zugriff auf die Münchener verstärkt. Eingestiegen war Mediaset vor knapp einem Jahr mit knapp 10 Prozent. Mittlerweile kontrollieren die Italiener mehr als 24 Prozent der Anteile und erreichen damit fast eine Sperrminorität.

Über den konkreten Plan, den Mediaset mit dem Investment verfolgt, wird derzeit spekuliert. Gerüchten zufolge würden die Italiener über eine Fusion mit ProSiebenSat.1 nachdenken, um zu einem europäischen Fernsehkonzern aufzusteigen. Rainer BeaujeanCFO und seit kurzem auch Vorstandssprecher bei ProSiebenSat.1, gab sich zuletzt noch bedeckt: „Zuerst muss ich wissen, was genau geplant ist. Dann schauen wir uns das an, werten das aus und sagen entweder Ja oder Nein zu einem vernünftigen Vorschlag”, zitiert ihn Reuters. Strategische Gespräche zwischen beiden Parteien gebe es noch nicht.

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Rainer Beaujean, ProSiebenSat.1 Media SE

1995 beginnt Rainer Beaujean seine Karriere bei der Deutschen Telekom und durchläuft verschiedene Stationen, unter anderem als Leiter des Vorstandsstabs Finanzen und Leiter Controlling für alle Auslandsbeteiligungen. Von 2000 bis 2004 ist er als CFO bei T-Online verantwortlich für die Ressorts Finanzen und Controlling. Ab 2004 bis zur Verschmelzung mit der Deutschen Telekom im Jahr 2006 ist er CEO von T-Online. Während seiner Zeit bei T-Online treibt Beaujean die Internationalisierung des Internetunternehmens und umfangreiche M&A-Aktivitäten sowie den Ausbau des Content-Geschäfts voran. T-Online ist in dieser Zeit der mit Abstand größte Wert im TecDax.

Im Juni 2007 wechselt Beaujean zum Kranhersteller Demag Cranes und verantwortet dort bis Ende 2011 als Vorstandsmitglied das Finanzressort. Zudem ist er für den weltweiten Einkauf verantwortlich. In dieser Zeit steigt Demag Cranes vom SDax in den MDax auf und wird umfangreich neu finanziert. Nach der Übernahme durch den US-Konzern Terex verlässt Beaujean das Unternehmen. Er wechselt zu einem der weltweit größten Mess- und Regeltechnikhersteller der Welt, der an der NYSE notierten Elster Group, wo er von Februar 2012 bis August des gleichen Jahres Managing Director und Finanzchef ist. Nachdem Elster vom börsennotierten britischen Unternehmen Melrose übernommen wird, verlässt er das Unternehmen.

Seit Dezember 2012 ist Rainer Beaujean Mitglied des Vorstands bei Gerresheimer und seit Februar 2013 für das Finanzressort verantwortlich. Ab Dezember 2013 übernimmt Rainer Beaujean zusätzlich zu seiner Funktion als CFO den Geschäftsbereich Life Science Research, bis dieser 2016 verkauft wird. Im Februar 2018 wird Beaujean Interimschef des Gerresheimer-Konzerns, nachdem sich CEO Christian Fischer überraschend zurückgezogen hat.

Im September 2018 wird bekannt, dass Beaujean seinen Vertrag nicht über den 30. April 2019 hinaus verlängern wird. Im Februar 2019 bestätigt ProSiebenSat.1, dass Beaujean zum 1. Juli 2019 neuer CFO der ProSiebenSat.1 Holding wird. Nicht einmal ein Jahr nach seinem Amtsantritt, Ende März 2020, steigt Beaujean zusätzlich zum Vorstandssprecher von ProSiebenSat.1 auf.

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Daniel Kretinsky will bei Organbesetzung mitreden

Der dritte Investor im Bunde ist der Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky. Der Tscheche war im Herbst vergangenen Jahres mit seinem Geschäftspartner Patric Tkac bei ProSiebenSat.1 eingestiegen. Aktuell beläuft sich der Anteil der beiden Investoren auf 10 Prozent. Medienberichten zufolge machen Kretinsky und Mediaset aber keine gemeinsame Sache.

„Wir treffen keine gemeinsamen Absprachen“, sagte Kretinsky noch Anfang April gegenüber Reuters. Der Investor äußerte sich damals auch kritisch gegenüber seinem Mitaktionär: Er könne zwar nicht sagen, dass eine von Mediaset betriebene Übernahme von ProSiebenSat.1 „mehr Vorteile als Kosten und Komplexität schafft”, doch eine „technische Kooperation“ sei sehr wünschenswert. Er selbst beabsichtige, „Einfluss auf die Besetzung von Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorganen von ProSiebenSat.1 zu nehmen”.

ProSiebenSat.1 fährt neue Entertainment-Strategie

Nun müssen sich Mediaset und Daniel Kretinsky mit einem weiteren Aktionär abstimmen, während Rainer Beaujean es nun mit drei Großaktionären zu tun hat. Zudem muss sich das Investorentrio mit der neuen Strategie von ProSiebenSat.1 auseinandersetzen, die der Konzern Ende März bekanntgab. ProSieben will sich wieder stärker auf das Entertainmentgeschäft in der DACH-Region fokussieren und setzt dafür auf lokale und Live-Formate, sowie auf die Streaming-Plattform Joyn.

Damit rückt der Konzern von der Strategie ab, die der ehemalige CEO Max Conze vorangetrieben hatte: Unter seiner Führung sollte ProSiebenSat.1 ein umfassender Medien- und Digitalkonzern werden. Mit der Umsetzung der Strategie ist nun Rainer Beaujean betraut.

CFO Beaujean: ProSiebenSat.1 hat mehr Potential

In diesem Zuge wollen die Münchener auch ihre bestehenden Beteiligungen auf den Prüfstand stellen und „zu gegebener Zeit veräußern“, so ProSiebenSat.1 Ende März. Veräußerungen würden Platz im Portfolio für Zukäufe schaffen – ein möglicher Weg, um der „Unterbewertung am Kapitalmarkt“, die offenbar nicht nur KKR sieht, entgegenzuwirken. Auch Finanzchef Beaujean sagte Ende März, der Konzern habe weit mehr Potential, als ihm derzeit „extern beigemessen“ werde.

ProSiebenSat.1-Aktionäre begrüßen Einstieg von KKR

Der seit geraumer Zeit gebeutelte Aktienkurs machte angesichts des KKR-Investments einen Sprung nach oben: Am heutigen Dienstagvormittag notiert das Papier bei über 11 Euro und damit fast 16 Prozent im Plus. Seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland büßte das Papier einige Prozentpunkte ein – noch zu Beginn des Jahres war die Aktie zeitweise 14 Euro wert. Damit ist der Wert des Papiers aber immer noch meilenweit von dem Allzeithoch im Jahr 2016 entfernt. Damals war die Aktie rund 50 Euro wert.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über den CFO und Vorstandssprecher von ProSiebenSat.1 erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Rainer Beaujean.