Linde Group

11.08.16
Finanzierungen

Linde-Rating: Scope knackt das Dax-Oligopol

Die deutsche Ratingagentur Scope hat ihr erstes Dax-Mandat ergattert: Linde erhält die Bonitätseinschätzung A+. Scope-Chef Torsten Hinrichs verspricht: Das ist nur der Anfang.

Das Oligopol der US-Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch in der ersten deutschen Börsenliga ist gebrochen: Mit dem Industriegasekonzern Linde konnte die Berliner Ratingagentur Scope ihr erstes Dax-Mandat gewinnen. Scope erteilte den Münchenern im langfristigen Bereich ein erstklassiges A+-Rating. Kurzfristig liegt die Bonitätseinschätzung bei S-1+, es ist die höchste Stufe für Fremdkapitalinstrumente mit einer Laufzeit bis zu 13 Monaten.

Die Ratingagentur feiert ihr erstes Dax-Mandat selbst als „Meilenstein“ für die eigenen Wachstumsambitionen. „Es ist unser klares Ziel, über alle Asset-Klassen hinweg die europäische Alternative in der bislang angelsächsisch dominierten Rating-Welt zu sein“, sagt Scope-Chef Torsten Hinrichs, der bis zu einem Wechsel vor zwei Jahren selbst 15 Jahre Deutschlandchef von S&P war. „Mit dem Erstrating für Linde sind wir einen wesentlichen Schritt vorangekommen.“

Scope kündigt nächste Dax-Mandate an

Bei diesem einen Mandat soll es nicht bleiben. Scope stehe mit „einem halben Dutzend“ weiteren Dax-Konzernen in „fortgeschrittenen Gesprächen“, zitiert die Süddeutsche Zeitung CEO Hinrichs. „Ich erwarte darum, dass wir nach der Sommerpause die nächsten Mandate verkünden können.“ Auch in Spanien und Frankreich will die Ratingagentur Fuß fassen.

Mit dem Vordringen in den Dax dürfte sich Scope endgültig als ernstzunehmender Wettbewerber für S&P, Moody’s und Fitch etabliert haben. Die Berliner verfolgen bereits seit einigen Jahren eine ehrgeizige Wachstumsstrategie in Deutschland, die aber nicht jeder besonders ernst nahm: Nachdem Scope Hinrichs von S&P abgeworben hatte, lockte dieser diverse alte Weggefährten zu den Berlinern, darunter den renommierten Unternehmensrating-Spezialisten Olaf Tölke, der nun auch federführend das Linde-Mandat betreut. Zuletzt verstärkte sich Scope auch noch mit einem Zukauf: Ende Juni kündigte die Agentur die Übernahme von Feri Eurorating Services an, in der vergangenen Woche wurde der Deal vollzogen.

Um sich von den angelsächsischen Marktführern abzuheben, hatte Scope im vergangenen Herbst eine neue Bewertungsmethode vorgestellt. Der Ansatz solle europäische Besonderheiten bei der Unternehmensfinanzierung und den Bilanzierungsrichtlinien stärker berücksichtigen, wie Hinrichs gegenüber FINANCE-TV erklärte.

Linde lässt sich auch von Moody’s und S&P raten

Für Linde ist es das dritte externe Rating: Neben Scope werden die Münchener von Moody’s mit A2 und von S&P mit A+ bewertet, der Ausblick ist jeweils stabil. Drei Ratings sind nicht unüblich in der ersten deutschen Börsenliga, die Mehrheit der Dax-Unternehmen stellt ihren Investoren allerdings lediglich zwei externe Bonitätseinschätzungen zu Verfügung. Die Unternehmen scheuen den administrativen Aufwand und die hohen Kosten für Ratings, deren zusätzlicher Nutzen mit jeder weiteren Agentur tendenziell abnimmt .

Der Industriegasekonzern um CFO Georg Denoke hatte im April das letzte Mal den Kapitalmarkt angezapft. Damals emittierte Linde eine 750-Millionen-Euro-Anleihe. Bei einer Laufzeit von zwölf Jahren lag der Kupon bei gerade einmal 1 Prozent.

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