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Rocket Internet befreit sich von Elliott

Rocket Internet hat sich mit dem US-Hedgefonds Elliott auf dessen Ausstieg geeinigt. Foto: cineberg/stock.adobe.com

Grund zur Freude für die Samwer-Brüder: Ein Jahr nach dem gescheiterten Delisting-Versuch von Rocket Internet dürfte den Start-up-Investoren nun im zweiten Anlauf der Börsenrückzug glücken. Rocket Internet hat sich mit dem Hedgefonds Elliott auf die Übernahme von dessen Anteilen geeinigt, wie das Unternehmen am heutigen Dienstag mitteilte.

Demnach hat sich Elliott verpflichtet, seine Anteile in Höhe von 20,2 Prozent im Rahmen eines öffentlichen Rückkaufangebots abzugeben. Je Aktie bietet Rocket Elliott und den wenigen anderen noch übrig gebliebenen Aktionären 35 Euro. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 31. Januar 2022 soll die Einziehung der zurückgekauften Rocket-Internet-Aktien und damit letztlich auch der Squeeze-out beschlossen werden.

Mit der Elliott-Einigung rückt der Rückzug von der Börse tatsächlich nah: Die Mehrheitseignerin Global Founders, das Investmentvehikel der Samwer-Familie, hält aktuell 62,3 Prozent an Rocket Internet. Werden die Elliott-Anteile eingezogen, fehlen den Berlinern nicht mehr viele Papiere bis zur Schwelle von 95 Prozent, ab der ein Delisting nur noch Formsache ist.

Rocket-Deal spült Elliott 765 Millionen Euro in die Kasse

Der Deal ist ein weiterer Erfolg für die Merger-Arbitrage-Strategie von Elliott-Gründer Paul Singer: Elliott baute seine Position rund um den ersten Delisting-Versuch im Herbst 2020 auf. Rocket Internet hatte damals den in Folge der Corona-Pandemie gesunkenen Kurs nutzen wollen, um die Aktie von der Börse zu nehmen. Mit 18,57 Euro je Aktie hatten die Berliner dabei weniger als die Hälfte jener 42,50 Euro geboten, die die Papiere beim Börsengang von Rocket im Jahr 2014 gekostet hatten.

Das Auftauchen des US-Hedgefonds vereitelte den Plan der Samwers und trieb schnell den Preis der Aktie in die Höhe. Bereits Ende Oktober vergangenen Jahres begann die Rocket-Aktie zu steigen. Sie kletterte stetig bis auf rund 30 Euro. Heute vollzieht das Papier, das seit dem versuchten Börsenrückzug nur noch in Hamburg gehandelt wird, den Sprung in Richtung der gebotenen 35 Euro. Der Verkauf zu 35 Euro je Aktie spült Elliott 765 Millionen Euro in die Kasse – ein ordentliches Weihnachtsgeschenk für Singer.

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Die Start-up-Schmiede Rocket Internet fährt eine aggressive Strategie. Nun könnte den Berlinern der geplante Abschied von der Börse gelingen.

Warum Rocket von der Börse will

Das Rocket-Management um CEO Oliver Samwer hatte im vergangenen Jahr die Entscheidung für den geplanten Rückzug von der Börse mit längerfristigen Trends begründet. Das Unternehmen benötige den öffentlichen Kapitalmarkt als Finanzierungsmöglichkeit nicht mehr, da benötigtes Wachstumskapital inzwischen auch außerhalb des Kapitalmarkts verfügbar sei. Mit dem Delisting will sich das Management künftig unabhängiger von den Stimmungen am Kapitalmarkt machen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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