Seit dem Börsengang vor zwei Jahren hat Rocket Internet wenig Erfolg am Kapitalmarkt.

Rocket Internet

23.09.16
Finanzierungen

Rocket Internet wechselt in den Prime Standard

Rocket Internet wechselt an der Börse in den regulierten Markt. Damit geht die Start-up-Holding einen weiteren Schritt auf ihre Investoren zu. Es winkt der Aufstieg in den TecDax.

Rocket Internet hat die Zulassung seiner Aktien zum regulierten Markt der Frankfurter Börse beantragt. Voraussichtlich schon ab Dienstag nächster Woche  werden die Rocket-Aktien im so genannten Prime Standard gehandelt. Bislang sind die Papiere im kaum regulierten Entry Standard gelistet.

Damit geht Rocket-Internet-CFO Peter Kimpel und CEO Oliver Samwer einen weiteren Schritt auf ihre Aktionäre zu – und erfüllen ein Versprechen, das sie schon beim Börsengang vor zwei Jahren gegeben hatten. Mit dem Aufstieg in die Edelklasse der Deutschen Börse könnten die Vorbehalte der Investoren gegenüber Rocket Internet kleiner werden.

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Investor Kinnevik fremdelt mit Rocket

Das ist nötig, denn sowohl Ankeraktionär Kinnevik als auch die Kleinaktionäre im Streubesitz fremdeln seit dem Börsengang im Herbst 2014 fast durchgängig mit der Kapitalmarkt-Story der Start-up-Holding. Die Kritik, die Kimpel stets vehement zurückgewiesen hat, entzündete sich auch an angeblich zu schwacher Transparenz und aufgeblähten Bewertungen der Portfoliounternehmen.

So bewertet Rocket seine Beteiligungen mit dem so genannten Last Portfolio Value und kommt damit auf einen Wert von rund 5 Milliarden Euro, zuzüglich einer Netto-Cash-Position von 1,3 Milliarden. Doch an der Börse ist Rocket kaum mehr als 3 Milliarden Euro wert, und auch Großinvestor Kinnevik beziffert den Wert mancher gemeinsam gehaltener Portfoliounternehmen geringer, als Rocket das tut.

Rocket Internet ist groß genug für den TecDax

Zuletzt zeigten sich Kimpel und Samwer aber sehr bemüht, gegenüber dem Kapitalmarkt um Vertrauen zu werben. So verkündeten die Konzernlenker, die Verluste ihrer Portfoliofirmen eindämmen zu wollen. Mindestens drei Rocket-Beteiligungen sollen bis Ende 2017 die Gewinnzone erreichen. Auch Börsengänge stellt das Management in Aussicht. Hoch gehandelte Kandidaten sind die Essensbringdienste Hello Fresh und Delivery Hero.

Die Sichtbarkeit der Rocket-Aktie dürfte durch den Wechsel in den Prime Standard auf jeden Fall zunehmen, zumal auch der baldige Aufstieg in den Auswahlindex TecDax winkt. Bei einer Marktkapitalisierung von 3,3 Milliarden Euro und einem Streubesitzanteil von 22,5 Prozent beläuft sich der Marktwert des Freefloats auf rund 750 Millionen Euro. Dies würde sogar für einen Platz im Mittelfeld des TecDax reichen. Eine Aufnahme in den Index könnte vor allem institutionelle Investoren anlocken, die oft Papiere erst dann handeln dürfen, wenn sie einem Index angehören. Gleichzeitig ist der Wechsel eine vertrauensbildende Maßnahme gegenüber den bestehenden Aktionären.

Rocket Internet erfüllt die Reportingvorgaben

Auf die verschärften Berichtspflichten im Prime Standard ist Rocket allem Anschein nach vorbereitet. Mittlerweile bilanziert Rocket sowohl in der Holding als auch bei den wesentlichen Beteiligungen nach IFRS. Die engeren zeitlichen Vorgaben für das Reporting sind für eine Investmentholding wie Rocket, die vor der Konsolidierung erst Dutzende Einzelabschlüsse abwarten muss, eine Herausforderung. Im Prime Standard muss jeder Emittent die Quartalszahlen spätestens zwei Monate nach Bilanzstichtag vorlegen, beim Halbjahresbericht sind es drei Monate.

Rocket erfüllt zuletzt schon die Vorgaben, das allerdings äußerst knapp. Während praktisch alle Prime-Standard-Unternehmen ihre Halbjahreszahlen schon im August präsentierten, legte Rocket erst am gestrigen Donnerstag vor. Diese fielen allerdings gut aus: Die wesentlichen Beteiligungen wachsen nach wie vor stark, gleichzeitig gehen die Verluste wie versprochen zurück. Der Aktienkurs gewann gestern zwischenzeitlich über 10 Prozent an Wert. Mit Kursen um 20 Euro liegt er aber immer noch weniger als halb so hoch wie beim Börsengang. Damals bezahlten die Erstinvestoren 42,50 Euro pro Rocket-Internet-Aktie.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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