Nach Traton hat auch die Global Fashion Group den Sprung an die Börse geschafft – allerdings mit heftigen Abschlägen.

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01.07.19
Finanzierungen

Rocket-Modegruppe schafft IPO nur mit Abstrichen

Rocket Internet hat mit Börsengängen kein glückliches Händchen: Nach dem Westwing-IPO hat Rocket nun auch den Online-Modehändler Global Fashion Group nur mit Mühe an die Börse gebracht.

Die Modegruppe Global Fashion Group (GFG) ist an der Börse – allerdings nach deutlichen Anlaufschwierigkeiten. Das Unternehmen platzierte über das Wochenende 44 Millionen Aktien für je 4,50 Euro. 40 Millionen davon entfallen auf eine Barkapitalerhöhung, rund 4 Millionen Aktien könnten noch im Rahmen einer Greenshoe-Option folgen.

Die Großaktionäre Kinnevik und Rocket Internet mussten den Börsengang kräftig stützen: Kinnevik wurden Aktien für 60 Millionen Euro zugeteilt, Rocket Internet erhielt Papiere für rund 50 Millionen Euro, noch einmal 10 Millionen Euro mehr als im Vorfeld kommuniziert. Insgesamt summiert sich dies auf einen Bruttoemissionserlös für die Global Fashion Group von 180 Millionen Euro. Bei voll ausgeübter Greenshoe-Option würde die Summe auf 198 Millionen Euro steigen. Die Erlöse fließen allein der GFG zu, teilte das Unternehmen mit. 

Rocket Internet verpasst Teilausstieg

GFG hatte die Zeichnungsfrist für Aktien des von Goldman Sachs, Morgan Stanley und Berenberg als Joint Global Coordinators begleiteten Börsengangs erst in der vergangenen Woche um einige Tage verlängert und auch beim Preis Abstriche gemacht: Ursprünglich hatte das Unternehmen zwischen 6 und 8 Euro je Aktie einsammeln wollen. In ersten Planungen war noch von einem angestrebten Erlös von knapp 400 Millionen Euro die Rede, nun kann GFG lediglich die Hälfte erzielen.

Rocket Internet hatte ursprünglich geplant, Aktien für 40 Millionen Euro zu kaufen. Der Investor, der vor dem Börsengang mit rund 20 Prozent an der Modegruppe beteiligt war, wird den Börsengang nicht wie sonst üblich für einen Teilausstieg nutzen können. Aufgrund der hohen Aktienkäufe wird der Anteil nun sogar leicht steigen.

Im vergangenen Herbst musste Rocket Internet bereits den Flop des Westwing-IPOs verkraften: Die Aktie des Möbelhändlers aus dem Portfolio des Start-up-Inkubators befindet sich seit dem Börsengang im Oktober 2018 auf Talfahrt und ist von ihrem Ausgabepreis von 26 Euro je Aktie auf mittlerweile 6 Euro abgestürzt.  Noch schlechter entwickelt sich die Aktie des kurz vor Westwing an den Markt gekommenen Online-Möbelhändlers Home24.

Auch VW-Tochter Traton mit Abstrichen

Die Rocket-Internet-Beteiligung GFG ist nicht der einzige Börsenaspirant, der aktuell zu kämpfen hat. Zwar brachte Volkswagen am vergangenen Freitag die Lastwagensparte Traton an die Börse, doch der Ausgabepreis von 27 Euro lag am unteren Ende der ursprünglich angepeilten Preisspanne von 27 bis 33 Euro. Im Frühjahr hatte VW die Börsenpläne noch zwischenzeitlich auf Eis gelegt. Mit dem IPO gehen nun 11,5 Prozent der Traton-Anteile in den Freefloat über.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Der Börsengang der Global Fashion Group war für Rocket Internet ein schwieriges Unterfangen. Wie sich die übrigen Beteiligungen des Investors entwickeln, das lesen Sie auf unserer Themenseite zu Rocket Internet