Geht in den wohlverdienten Ruhestand: Scope-Ratings-Chef Torsten Hinrichs.

Scope

06.12.19
Finanzierungen

Scope-Ratings-Chef Torsten Hinrichs geht von Bord

2014 ließ sich der damalige S&P-Deutschlandchef Torsten Hinrichs auf ein Abenteuer ein und ging zur der kleinen Ratingagentur Scope, um ein europäisches Gegengewicht zu S&P, Moody's und Fitch aufzubauen. Nun gibt er seinen Abschied bekannt.

Nach fünf Jahren in Berlin ist Schluss: Torsten Hinrichs, Scope-Ratings-Chef und COO der Scope Group, räumt seinen Stuhl am heutigen Freitag. Offiziell läuft sein Vertrag noch bis zum Ende des Jahres. Am Markt machten bereits länger Gerüchte über einen möglichen Abgang des angesehenen Ratingexperten die Runde. Im Gespräch mit der „Börsen-Zeitung“ verriet der 61-Jährige dann auch, dass es keine spontane Entscheidung gewesen sei. „Die ist schon vor längerer Zeit gefallen und gegenüber den Eigentümern und Aktionären von Scope wie auch im Unternehmen selbst entsprechend kommuniziert worden“, so Hinrichs.

Guillaume Jolivet wird Scope-Geschäftsführer

Graf Georg Walderse, Aufsichtsratsvorsitzender von Scope, dankte Hinrichs, „der sein Wissen, seine Erfahrung und seine Reputation in den Aufbau von Scope gegeben“ und damit das Fundament für den weiteren Ausbau von Scope gelegt habe. Während bei der Scope Group der Posten des COO fortan wegfällt, wird Guillaume Jolivet neuer Geschäftsführer von Scope Ratings. Der 40-jährige Franzose kam im Jahr 2013 von Moody's als Managing Director, Head of Structured Finance, zu Scope. Im Januar dieses Jahres wurde er ins Management-Board berufen und dürfte von Torsten Hinrichs auf seine neue Aufgabe vorbereitet worden sein.

Im Gespräch mit FINANCE hat Torsten Hinrichs vor Kurzem bereits sein Resümee zur Entwicklung bei der Berliner Ratingagentur gezogen. Aus seiner Sicht habe Scope „innerhalb einer kurzen Zeitspanne von fünf Jahren eine Marktposition erreicht, die sich deutlich abhebt von den bisherigen Versuchen, eine europäische Ratingagentur aufzubauen“. Dennoch gab er im Gespräch auch unumwunden zu, dass die großen US-Ratingagenturen Scope auch nach wie vor nicht wirklich als Rivalen wahrnehmen würden.

Hinrichs leistete Aufbauarbeit bei Scope

Bei der Ratingagentur legte Torsten Hinrichs wichtige Grundsteine für die weiteren Jahre. Neben dem Aufbau von Strukturen und der Etablierung einer Governance prägte er die Agentur auch auf anderen Feldern: So machte er Scope mit der Übernahme der Ratingsparte der MLP-Tochter Feri zu einem großen Spieler im Bereich für Immobilien-, Länder- und Fondsratings. Auch schaffte er es immer wieder, bekannte Ratingexperten für das Scope-Team zu gewinnen. So lotste er beispielsweise Anfang des Jahres das Euler-Hermes-Urgestein Ralf Garn nach Berlin.

Das alles ging aber auch gehörig ins Geld. Seit 2015 hat Scope nach eigenen Aussagen rund 70 Millionen Euro in den Geschäftsaufbau investiert. Gleichzeitig stieg die Zahl der Investoren, zu denen auch Unternehmer und BMW-Erbe Stefan Quandt gehört: So wurde Anfang November die RAG-Stiftung Teil des illustren Investorenkreises, während zu Jahresbeginn bereits eine Gruppe von Versicherungen rund um HDI und die Signal Iduna 35 Millionen Euro in das Unternehmen investierte.

Torsten Hinrichs startete seine Karriere nach seinem BWL-Studium zunächst bei der WestLB, wo er als Treasurer Karriere machte. Im Jahr 1999 wechselte er dann zu Standards & Poor's, wo er 15 Jahre lang das Deutschlandgeschäft als Geschäftsführer leitete. 2014 lockte ihn Scope-CEO Florian Schoeller dann nach Berlin. Mit seinem Abschied bei Scope endet für Torsten Hinrichs auch das Arbeitsleben. Gemeinsam mit seiner Frau möchte er nun seinen Ruhestand in seiner zweiten Wahlheimat Südafrika verbringen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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