Steilmann

16.12.15
Finanzierungen

Steilmann startet Börsenlaufbahn mit Gewinnwarnung

Nur wenige Wochen nach dem Börsengang wartet der Textilkonzern Steilmann schon mit der ersten Gewinnwarnung auf. Als Hauptproblem entpuppt sich die Beteiligung an der Modekette Adler.

Der anhaltende Absatzrückgang im deutschen Textilhandel hat nun auch den Börsenneuling Steilmann erwischt: Nur wenige Wochen nachdem das Modehaus sein Börsendebüt gefeiert hat, kassiert es nun seine im IPO-Prospekt veröffentlichten Wachstumsversprechen.

Dort war Steilmann noch von einem Umsatzwachstum um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag ausgegangen, der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sollte um einen niedrigen zweistelligen Prozentbetrag wachsen. Diese Pläne sind nun überholt: Die Westfalen erwarten nun einen Umsatz auf Vorjahresniveau und ein bereinigtes Ebitda von 40 bis 45 Millionen Euro. Ein konsolidiertes Vorjahres-Ebitda weist Steilmann nicht aus. Doch schon nach neun Monaten lag der Konzern beim Ebitda um 27,3 Prozent unter Vorjahr.

Schuld ist, wie so oft in der Modebranche, das Wetter: Bereits gestern Abend hatte die börsennotierte Modekette Adler, eine konsolidierte Tochter von Steilmann, eine Gewinnwarnung herausgegeben. Aber auch die übrigen Konzerngesellschaften von Steilmann leiden unter dem milden Wetter, räumt der Börsenneuling ein.

Schwaches Ergebnis von Adler belastet auch Steilmann

Am schwersten wiegt aber die Situation bei Adler. Dort musste CFO Karsten Odemann seinen Investoren schlechte Neuigkeiten überbringen. Nach einer guten Entwicklung im Oktober seien die Umsätze im November „deutlich hinter den Erwartungen des Managements“ zurückgeblieben. Die Prognose für das Gesamtjahr 2015 sinkt dadurch: Für 2015 geht Adler nun von einem Ebitda zwischen 30 bis 33 Millionen Euro aus. Bislang glaubten die Mainfranken, das Vorjahres-Ebitda von 41,5 Millionen Euro in etwa wiederholen zu können. Der Umsatz hingegen soll gegenüber dem Vorjahr (535,3 Millionen Euro) im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Dieses Wachstum beruht allerdings ausschließlich auf der Übernahme der Kressner-Gruppe sowie dem Kauf zweier Standorte des Wettbewerbers Hefa.

Für das Steilmann-Management um CFO Jens Brüggemann sind die schwachen Zahlen bereits der zweite Tiefschlag innerhalb weniger Wochen, denn bereits der IPO verlief enttäuschend. Steilmann hatte seinen Börsengang im Vorfeld mehrfach verkleinern müssen, letztlich erzielte das Modehaus lediglich einen Bruttoemissionserlös von rund 8,8 Millionen Euro. Ursprünglich waren bis zu 100 Millionen Euro angepeilt. Nachdem die Altaktionäre auf den geplanten Verkauf eines Teils ihrer Anteile verzichtet hatten, platzierte Steilmann eine Art „IPO light“ mit einem Streubesitz von nicht mehr als 11 Prozent.

Das ursprünglich mit dem Gang an die Börse verbundene Ziel, den PE-Investor Equinox aus der gemeinsamen Beteiligungsholding, die die Mehrheit an Adler hält, herauszukaufen, scheiterte damit vorerst. Dafür hätte Steilmann rund 40 Millionen Euro auf den Tisch legen müssen. Steilmann hält derzeit über das Vehikel S&E Kapital gemeinsam mit Equinox 52,8 Prozent an Adler. Die Mehrheit von S&E Kapital liegt mit 56 Prozent bei Steilmann. Adlers schwache Kursentwicklung – seit dem Sommer hat die Aktie um rund 25 Prozent nachgegeben – hat aber auch den Wert von S&E Kapital entsprechend sinken lassen, so dass Steilmann aktuell billiger zum Zuge kommen könnte als geplant – vorausgesetzt, der PE-Investor Equinox ist auch bei den aktuellen Kursen noch verkaufsbereit. 

Investoren trennen sich von Steilmann-Aktien – Bonds stabil

Der Aktienkurs von Steilmann gab nach den schlechten Neuigkeiten am Mittwochvormittag deutlich nach. Am Vorabend hatte die Aktie noch bei 3,40 Euro notiert, im frühen Handel sank sie am Mittwoch auf Werte um 2,80 Euro. Die Aktie von Adler fiel zunächst von Werten um 10,20 Euro auf knapp unter 9 Euro und erholte sich am Vormittag auf Werte um 9,20 Euro.

Entspannter präsentieren sich Steilmanns Fremdkapitalgeber: Die drei ausstehenden Mittelstandsanleihen der Modeholding verlieren zwar auch leicht an Wert, notieren aber immer noch nahezu bei ihrem Nennwert.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de