Südzucker-Werk in Wabern: Die Erholung der Zuckerpreise könnte Südzucker das Investmentgrade-Rating retten.

Südzucker

11.03.20
Finanzierungen

„Unsere Kredit-Ratios waren im kritischen Bereich“

Das Kredit-Rating von Südzucker liegt nur einen Notch über dem Ramschbereich. Aber die größte Gefahr, das Investmentgrade-Rating zu verlieren, ist jetzt vorbei, glaubt CFO Thomas Kölbl.

Herr Kölbl, jeder zweite Corporate Bond ist inzwischen mit BBB geratet. Am Markt wächst die Sorge, dass es im Crossover-Bereich zu einer Liquiditätsklemme und deutlich steigenden Anleihe-Spreads kommen könnte, falls ein nennenswerter Teil der BBB-Unternehmen ihr Investmentgrade verlieren sollte. Sehen Sie diese Gefahr auch?
Auch wir sehen, dass die Nervosität an den Märkten zunimmt. Aber wir selbst schauen recht entspannt auf die Entwicklung der Bondmärkte, weil unsere Finanzierung langfristig steht. Für Südzucker selbst war die Lage schon einmal deutlich brenzliger, als sie es jetzt ist.

Wann war das?
Im April 2019 – vor der Veröffentlichung unserer Geschäftszahlen für 2018/19 – hatten uns sowohl S&P als auch Moody’s auf „credit watch negative“ gesetzt. Damals waren unsere Kredit-Ratios in einem kritischen Bereich.

Beide Agenturen hatten ein temporäres Zeitfenster geöffnet, in dem sie dann entscheiden mussten, ob wir unser Investmentgrade-Rating tatsächlich verlieren. Nach Vorlage der Geschäftszahlen für 2018/19 und des Ausblicks für das neue Geschäftsjahr 2019/20 haben uns beide Ratingagenturen dann doch nicht herabgestuft. Inzwischen sind wir „nur noch“ Ausblick negativ. Das ist nicht schön, aber in akuter Gefahr, unser Rating zu verlieren, schweben wir aus unserer Sicht nicht mehr. Dies setzt allerdings voraus, dass wir die prognostizierte Ergebniserholung auch bestätigen können.

Thomas Kölbl, Südzucker AG

1990 kommt Kölbl als kaufmännischer Angestellter zur Südzucker AG in Mannheim. Bis Juli 1997 ist er Referent in der Zentralabteilung Beteiligungsverwaltung. Danach wird er Direktor mit Prokura. Ab Januar 1998 übernimmt Kölbl zusätzlich die Leitung des allgemeinen Vorstandssekretariats. Zu Jahresbeginn 2003 leitet er darüber hinaus die Bereiche Unternehmensplanung und Konzernentwicklung.

Seit Juni 2004 ist er stellvertretendes Vorstandsmitglied von Südzucker. Am 1. Januar 2006 folgt die Beförderung zum Finanzvorstand. Im Juli 2005 wird er zudem Mitglied des Vorstands der börsennotierten Konzerngesellschaft Agrana Beteiligungs-AG in Wien.

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Südzucker durchläuft Restrukturierung

Was für Maßnahmen haben Sie ergriffen, um Ihr Investmentgrade-Rating zu retten?
Wir haben unsere mittelfristige Investitionsplanung gekürzt, ebenfalls unsere Dividende. Parallel dazu haben wir im Geschäftsbereich Zucker ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt und dem Kapitalmarkt auch noch eine M&A-Pause verkündet. Unsere Botschaft an den Markt und die Ratingagenturen war eindeutig: Wir werden alles tun, um unser Rating zu verteidigen.

Was würde es für Südzucker denn bedeuten, nicht mehr Investmentgrade zu sein?
Unsere Kreditgeber dürften die Preise unserer Kreditlinien anpassen. Das wären aber keine riesigen Anpassungen, sondern eher sehr überschaubare Schritte. Auch bezogen auf unsere Anleihen wäre der „Schaden“ überschaubar. Zum einen, weil unsere beiden Anleihen erst 2023 und 2025 fällig werden, zum anderen, weil wir bis auf weiteres keine Notwendigkeit haben, an die Märkte zu gehen. Außerdem konnte Südzucker immer Anleihen platzieren, selbst in der sehr schwierigen Unternehmensphase 2007/2008. Aber unabhängig von dem allen bin ich mir ziemlich sicher, dass das Investmentgrade-Rating von Südzucker nicht verlorengehen wird. Die Talsohle haben wir inzwischen durchschritten, und in den zurückliegenden zwölf Monaten sind Entscheidungen getroffen und Maßnahmen umgesetzt worden, die unser Zuckergeschäft deutlich widerstandsfähiger machen.

„Unsere Botschaft an den Markt und die Ratingagenturen war eindeutig: Wir werden alles dafür tun, um unser Rating zu verteidigen.“

Thomas Kölbl, CFO, Südzucker

Südzucker-CFO Kölbl sieht „positives Momentum“

Sie schreiben in Ihrem Kerngeschäft Zucker aber nach wie vor rote Zahlen.
Ja, aber es ist absehbar, dass diese Phase zu Ende geht. Das Zuckermarktumfeld hat sich global und in der EU deutlich aufgehellt. Der Angebotsüberhang in der EU hat sich seit Januar 2019 in ein Angebotsdefizit gedreht. Die Preise sind seit Oktober 2019 bereits in einem ersten Schritt gestiegen, weitere Preissteigerungen ab Oktober 2020 sind durchaus möglich.

Vor diesem Hintergrund besteht nach zwei Jahren mit negativen Ergebnissen durchaus die Möglichkeit, im gerade erst begonnenen neuen Geschäftsjahr im Zuckerbereich aus der Verlustzone herauskommen.In den Nicht-Zuckerbereichen bewegen sich die Ergebnisse sogar auf Rekordniveau. Und aus Sicht der Investoren ist das Momentum schon jetzt positiv – im vergangenen Geschäftsjahr haben wir zweimal unsere Jahresprognose angehoben. Wenn ich mir ansehe, wie S&P und Moody’s sich zu unseren Q3-Zahlen geäußert haben, gehe ich davon aus, dass wir perspektivisch sogar eher mit einer Verbesserung als mit einer Verschlechterung unserer Ratingsituation rechnen können.

Wie üblich werden wir im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz am 14. Mai mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts eine erste offizielle Prognose für das Geschäftsjahr 2020/21 für den Konzern und die einzelnen Segmente abgeben.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr über Ausbildung, Werdegang und Karriere-Highlights des schon seit über zehn Jahren amtierenden Südzucker-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Thomas Kölbl.

Eine ausführliche Analyse zur Lage am BBB-Corporate-Bondmarkt erwartet Sie in der neuen Ausgabe des FINANCE-Magazins, ab Freitag am Kiosk und ab Donnerstag schon hier als ePaper erhältlich.