Wirecard

26.02.16
Finanzierungen

Wirecard-Chef Braun stemmt sich gegen Kurssturz

Nach den wüsten Betrugsvorwürfen sitzt die Furcht der Wirecard-Aktionäre tief. Wirecard-Chef Markus Braun stemmt sich mit immer weiteren Aktienkäufen in Millionenhöhe gegen das Misstrauen seiner Investoren.

Trotz eines heftigen Dementis und millionenschwerer Aktienkäufe des Chefs: Die Aktie des Zahlungsverkehrsdienstleisters Wirecard erholt sich nur schleppend von dem heftigen Kurssturz vom Mittwoch. Mit 38 Prozent liegt sie zwar knapp 17 Prozent über dem Tiefstand, der unmittelbar nach dem Bekanntwerden von detaillierten Betrugsvorwürfen gegen Wirecard markiert wurde. Doch zum Kurs von Anfang der Woche beträgt der Rückstand immer noch mehr als 10 Prozent.

Wirecard-Chef Markus Braun stemmt sich mit wachsender Vehemenz gegen das festsitzende Misstrauen der Aktionäre.  Zum dritten Mal innerhalb von zwei Tagen nimmt er viele Millionen in die Hand und kauft über seine Beteiligungsgesellschaft Wirecard-Aktien – gestern für 3,6 Millionen Euro, wie Wirecard heute früh bekanntgab. Damit hat er seit Mittwoch insgesamt schon 9,8 Millionen Euro in die Stabilisierung des Aktienkurses investiert. Bereits seit Anfang Februar kauft Baum immer wieder Wirecard- Aktien. Insgesamt hat er so seit dem 8. Februar schon für rund 26 Millionen Euro zugekauft. Mit seinen Stützungskäufen seit Mittwoch liegt Baum inzwischen leicht im Plus: Der Durchschnittspreis, den er bezahlt hat, liegt bei 37,20 Euro

Begonnen hatte der Kurssturz mit schweren Anschuldigungen des Researchhauses Zatarra, das dem Zahlungsdienstleister unter anderem Geldwäsche, die Finanzierung von illegalem Glückspiel und Betrug vorwirft. Der Aktienkurs stürzte um über 20 Prozent ab. 

Diverse Hedgefonds versus Wirecard-Chef Markus Braun

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, haben mehrere Hedgefonds im Vorfeld mit ungewöhnlich viel Kapital auf den Verfall der Papiere gewettet. Braun stemmt sich mit seinen Aktienverkäufen damit gegen eine Reihe illustrer Finanzinvestoren, denn unter den Häusern, die Short-Positionen auf Wirecard eingegangen sind, finden sich bekannte Hedgefonds wie Blue Ridge Capital, Odey Asset Management, Theleme Partners und sogar der kanadische Pensionsfonds Canada Pension Plan Investment Board.

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat auch der Anschuldiger Zatarra, dessen Website erst vor rund einer Woche angemeldet wurde und lediglich den Wirecard-Bericht beinhaltet, eingeräumt, selbst mit Wirecard-Aktien zu handeln. Das verstärkt den Verdacht, dass hinter Zatarra möglicherweise interessierte Parteien stehen, die gezielt die Kurspanik bei Wirecard ausgelöst haben, um Gewinne einzustreichen. Die BaFin schaut sich die Causa Wirecard inzwischen schon an. Doch trotz der dubiosen Hintergründe der Attacke und des millionenschweren Commitments Brauns bleiben die Investoren skeptisch.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de