Viele Gastroniemiebetriebe sind durch die Shutdowns in Schieflage geraten. Banker erwarten gerade im kleinen Mittelstand mehr Non-performing Loans.

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29.03.21
Finanzierungen

Banker erwarten mehr Non-performing Loans im Mittelstand

Noch bremsen finanzielle Hilfen einen Anstieg bei notleidenden Krediten. Doch die Risikomanager in den Banken geben gerade für kleinere Mittelständler eine düstere Prognose ab.

Das erste Jahr unter dem Eindruck des Coronavirus ist überstanden – und bislang hat es nicht zu der befürchteten Flut an notleidenden Krediten geführt. Das zeigt das NPL-Barometer der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS), für das Risikomanager von deutschen Kreditinstituten ihre aktuelle Markteinschätzung geteilt haben.

Demnach rechnen die Banker für das laufende Jahr nun mit deutlich weniger Non-performing Loans (NPLs) als noch im Vorjahr. Für 2021 prognostizieren sie jetzt ein Volumen von rund 40,6 Milliarden Euro an notleidenden Krediten. Zum Vergleich: In der vorangegangenen Befragung gingen die Befragten unter dem Eindruck des ersten Shutdowns noch von einem Anstieg der NPLs auf 59 Milliarden Euro bis Ende 2021 aus.

Für 2020 hatten sie damals einen Anstieg der NPL-Bestände um 50 Prozent auf 45 Milliarden Euro vorhergesagt. Tatsächlich blieben die Bestände laut BKS im vergangenen Jahr aber recht konstant gegenüber 2019 und lagen bei rund 33 Milliarden Euro. 

Finanzhilfen drücken NPL-Quote

Dass die Risikomanager ihre Prognosen nach unten korrigieren, liegt an den umfassenden finanziellen Hilfsprogrammen. „Sicher ist, dass die massiven Hilfspakete der Regierung die deutschen Banken im vergangenen Jahr vor einer signifikant höheren NPL-Quote verschont haben“, sagt Jürgen Sonder, Präsident der BKS. „Unstrittig ist aber auch, dass die nachlaufenden Effekte die deutschen Bankbilanzen in den nächsten Jahren beschäftigen werden.“

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Das Problem der Non-performing Loans könnte sich also einfach auf der Zeitachse weiter in die Zukunft verlagern. So rechnen die befragten Risikomanager damit, dass das Volumen im Jahr 2022 auf bis zu 46,7 Milliarden Euro ansteigen wird. „Erst wenn die Politik sich dazu entscheidet, keine weiteren Hilfen zu leisten, wird das wahre Ausmaß deutlich werden“, erwartet Sonder. 

Banker erwarten Ausfälle im Mittelstand

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Insolvenzquoten bei Unternehmenskrediten an kleinere und mittelständische Unternehmen (KMU) steigen. Gerade Betriebe im Einzelhandel, im Tourismus und in der Gastronomie sind von den wiederkehrenden Shutdowns hart getroffen. Entsprechend düster ist die Distressed-Debt-Prognose: Die befragten Risikomanager kalkulieren für 2021 bei den KMU mit NPL-Quoten von 3,3 Prozent. Im kommenden Jahr könnte der Wert sogar auf 3,8 Prozent steigen – das ist laut BKS der höchste erwartete Ausfallwert aller Assetklassen. Zum Vergleich: 2020 lag die Ausfallquote noch bei 2,5 Prozent.

Insgesamt erwarten 63 Prozent der Teilnehmer in den kommenden zwölf Monaten einen steigenden NPL-Bestand bei Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen. Gut ein Drittel rechnet damit, dass mehr Forderungen verkauft oder an externe Servicing-Anbieter gegeben werden. Dabei dürften die NPL-Preise für KMU sinken, glauben 35 Prozent der Befragten.

Restrukturierung bedeutet Mehraufwand für Banken

Sonder rechnet damit, dass künftig „großer Mehraufwand in der Restrukturierung beziehungsweise Sanierung von insolvenzgefährdeten Unternehmen“ in den Banken entstehen wird. Früherkennung und Risiko-Monitoring seien die wichtigsten Aufgaben. Dabei werde auch der Sekundärmarkt eine große Rolle spielen müssen. 

Mit Mehraufwand rechnen die befragten Risikomanager auch mit Blick auf regulatorische Themen: In den vergangenen zwölf Monaten hat laut NPL-Barometer jeder dritte Teilnehmer gespürt, dass der Druck zur Bildung von mehr Eigenkapital steigt. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate erwarten dies sogar 50 Prozent der Befragten. Ähnlich sieht es beim administrativen Aufwand auf: Hier rechnet ebenfalls jeder zweite Teilnehmer mit einer Verschlechterung der Situation. 

Für die Banken dürfte das stärkere NPL-Management eine große Herausforderung werden. Viele Häuser haben angesichts der guten wirtschaftlichen Lage in den zurückliegenden Jahren ihre Workout-Units stark geschrumpft.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Entwicklung bei notleidenden Krediten lesen Sie auf unserer Themenseite Distressed Debt.

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