Bayer pumpt sich wenige Tage nach der Glyphosat-Einigung mit 6 Milliarden Euro am Anleihemarkt voll.

Bayer

02.07.20
Finanzierungen

Bayer sammelt 6 Milliarden Euro für Glyphosat-Vergleich ein

Bayer pumpt sich mit 6 Milliarden Euro am Anleihemarkt voll. Damit zurrt der Konzern die Finanzierung des Glyphosat-Vergleichs fest.

Nachdem sich Bayer vor wenigen Tagen auf einen Vergleich im Glyphosat-Prozess geeinigt hat, besorgt sich der Konzern frisches Geld am Anleihemarkt. Insgesamt platzierte Bayer Anleihen über 6 Milliarden Euro, wie die Leverkusener am Mittwochabend bekanntgaben.

Die Emission umfasst vier Tranchen je 1,5 Milliarden Euro mit Laufzeiten von vier bis zwölf Jahren. Das Papier richte sich nur an institutionelle Investoren und soll am geregelten Markt der Luxemburger Börse gehandelt werden. Die Kupons der Tranchen liegen bei 0,375 Prozent bis 1,375 Prozent pro Jahr.

Die Nachfrage war laut Bayer trotz Coronakrise hoch: Die Anleihen seien um das rund 2,5-fache überzeichnet gewesen. Sie würden voraussichtlich mit den Ratings Baa1, BBB beziehungsweise BBB+ durch Moody’s, Standard & Poor’s beziehungsweise Fitch bewertet werden. Aktive Joint Bookrunner der Transaktion waren die Citigroup, die Deutsche Bank, die UniCredit sowie die Mizuho. „Die neuen Anleihen waren dank einer breiten und diversifizierten Investorenbasis stark überzeichnet. Das ermöglichte eine Preisfestsetzung unterhalb der Vermarktungsindikation“, kommentiert Finanzvorstand Wolfgang Nickl die Emission. 

Bayer einigte sich kürzlich auf einen Vergleich

Das frische Geld braucht Bayer auch, um trotz des Glyphosat-Vergleichs finanziell beweglich zu bleiben: Erst vor wenigen Tagen hat sich der Dax-Konzern im US-Rechtsstreit um das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit einem Großteil der Kläger geeinigt. Für die Beilegung aktueller Verfahren sowie möglicher künftiger Fälle zahlen die Leverkusener umgerechnet rund 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro.

Mit dem Vergleich will Bayer endlich mit dem Rechtsstreit, dem der Konzern dem 2018 übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto zu verdanken hat, abschließen. Zusätzlich gab es auch in anderen Rechtsstreitigkeiten eine Einigung, etwa um das Umweltgift PCB, für das der Pharmakonzern zusätzlich noch 728 Millionen Euro in die Hand nimmt, sowie um das Unkrautvernichtungsmittel Dicamba, wofür Bayer wohl 354 Millionen Euro zahlen soll. Der Konzern erwartet hierbei aber auch einen Kostenbeitrag des ebenfalls verklagten Wettbewerbers BASF.

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Wolfgang Nickl, Bayer AG

Wolfgang Nickl startet seine Laufbahn 1992 als Berater und Controller bei dem deutschen IT-Dienstleister Sercon, bevor er 1995 zur Western Digital Corporation wechselt. Für den US-Festplattenhersteller ist er zunächst als Geschäftsplaner in den Niederlanden tätig, im Anschluss als Director Business Solutions in San José im Silicon Valley.

Im Jahr 2000 wechselt Nickl als Finanzvorstand zum US-amerikanischen IT-Unternehmen Converge, kehrt jedoch wenig später zu Western Digital zurück. Acht Jahre lang durchläuft Nickl dort mehrere Positionen im Finanz- und Strategiebereich. Währenddessen erwirbt Nickl 2005 einen MBA-Abschluss von der University of Southern California’s Marshall School of Business. 2010 wird er zum Finanzchef von Western Digital befördert.

Im Dezember 2013 kehrt Nickl nach Europa zurück und wird CFO des niederländischen Chipherstellers ASML. Im September 2017 beruft der Chemie- und Pharmakonzern Bayer, der seinerzeit inmitten der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Saatgutspezialisten Monsanto steckt, den damals 48-Jährigen zum CFO. Nickl tritt seine neue Position im Juni 2018 an.

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Bayer will Verkauf der Tierarzneisparte nutzen

Bayer plant, 2020 und 2021 maximal 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu zahlen, der Rest komme dann später. CFO Wolfgang Nickl hatte bereits bei der Bekanntgabe des Vergleichs die Ausgabe neuer Anleihen zur Finanzierung als Option genannt. Neben den bestehenden Liquiditätsmitteln sowie dem künftigen Free Cashflow soll außerdem auch der Erlös aus dem Verkauf der Tierarzneisparte die Finanzierung stützen. Der Deal soll Bayer 7,6 Milliarden US-Dollar einbringen, einen Teil davon in Aktien des Käufers.

Trotzdem geht Bayer davon aus, sein Investmentgrade-Rating zu behalten. Die Ratingagentur Fitch stufte im Juli 2019 ihr Rating für Bayer aufgrund der Glyphosat-Klagewelle von A auf BBB+ mit negativem Ausblick herab. Zudem wuchs die Verschuldung des Konzerns im ersten Quartal dieses Jahres auf 35 Milliarden Euro. An den plänen zum Schuldenabbau halte man fest, betonte Bayer. Dies habe hohe Priorität, bestätigte Nickl.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über den amtierenden Bayer-CFO finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Wolfgang Nickl