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08.03.18
Finanzierungen

Bondholdern von Beate Uhse bleiben von 1.000 Euro nur 18,70 Euro

Die Anleihegläubiger des insolventen Erotikkonzerns Beate Uhse gehen beinahe leer aus. Die Insolvenzquote liegt dem jetzt vorgelegten Insolvenzplan zufolge bei mageren 1,87 Prozent. Auch die Aktionäre schauen in die Röhre.

Investoren, die in die im Juli 2014 begebene Mittelstandsanleihe des insolventen Erotikkonzerns Beate Uhse investiert haben, werden ihr Geld fast komplett verlieren.

Wie das Unternehmen mitteilte, liegt die voraussichtliche Insolvenzquote bei 1,87 Prozent. Wer damals für 1.000 Euro gezeichnet hat, bekommt nun für seine Anleihe nur noch 18,70 Euro. Beate Uhse hatte über das Papier insgesamt 30 Millionen Euro eingesammelt.

Bondholder können auch Kapitalerhöhung zeichnen

Laut des jetzt vorgeschlagenen Insolvenzplans sollen die werthaltigen Unternehmensteile über einen Asset-Deal in eine neue Gesellschaft eingebracht werden. In diese soll ein möglicher neuer Investor 1,35 Millionen Euro einbringen. Mit dem Geld sollen dann die Verfahrenskosten, weitere Masseverbindlichkeiten und eine Insolvenzdividende an die Gläubiger bezahlt werden. Ein Teilverzicht der Gläubiger oder ein Debt-Equity-Swap schieden „aus steuerlichen Gründen“ aus, heißt es in dem Vorschlag. 

Die Anleihegläubiger könnten alternativ an der neuen Gesellschaft eine Kapitalerhöhung zeichnen, wenn sie dafür auf ihre Insolvenzdividende verzichten. Für Geschäftsanteile an der neuen Gesellschaft müssten sie allerdings zahlen. Jede Anleihe über 1.000 Euro berechtigt zum Bezug von 15 Geschäftsanteilen im Nennbetrag von 1 Euro, die Höhe des Agios steht noch nicht fest.

Die alte Beate Uhse AG soll anschließend liquidiert werden – und die Aktionäre schauen damit ebenfalls in die Röhre. Eine wirkliche Alternative gibt es jedoch nicht: Stimmt die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan auf ihrer Sitzung am 4. April nicht zu, sei mit einer Zerschlagung der gesamten Gruppe zu rechnen, heißt es.

Sieben Kaufinteressenten für Beate Uhse

Nachdem der Erotikkonzern über Jahre dahinsiechte, musste Beate Uhse im Dezember Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen, da das Unternehmen den Verbindlichkeiten aus seiner 30 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe nicht nachkommen konnte.

Ende Februar hatten sieben Kaufinteressenten unverbindliche Kaufangebote für Beate Uhse abgegeben. Der Generalbevollmächtigte Justus von Buchwaldt der Kanzlei BBL hatte das Corporate-Finance-Haus One Square Advisors mit der Käufersuche beauftragt.

Um Beate Uhse am Leben zu halten hatte der Finanzinvestor Robus Capital dem insolventen Unternehmen zuvor mit einem Massedarlehen unter die Arme gegriffen und Beate Uhse 2,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Laut Kapitalmarktkreisen soll Robus zuvor bereits einen nennenswerten Anteil der Anleihe kontrolliert haben.

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Verfolgen Sie den siechenden Niedergang der einstigen Erotikikone mit der FINANCE-Themenseite zu Beate Uhse. Noch mehr kriselnde Mini-Bonds finden Sie auf der Themenseite Mittelstandsanleihen.