Daimler AG

06.01.16
Finanzierungen

Daimler eröffnet deutsches Anleihejahr 2016

Daimler wagt sich aus der Deckung: Der Autobauer hat 3,25 Milliarden Euro auf dem Anleihemarkt eingesammelt. Es ist die erste Investmentgrade-Emission eines europäischen Unternehmens seit Anfang Dezember.

Das europäische Anleihejahr wird in Stuttgart eröffnet: Der Autobauer Daimler hat heute eine Anleihe über 3,25 Milliarden Euro bei Investoren platziert. Das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber FINANCE. Es ist die erste Transaktion dieser Größenordnung außerhalb des Finanzsektors im Jahr 2016. Die bisher letzte Investmentgrade-Emission kam am 9. Dezember vom spanischen Ölkonzern Repsol, wie aus Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg hervorgeht.

Dass ausgerechnet Daimler das Bondjahr 2016 eröffnet, kommt nicht überraschend: Die Autobauer sind traditionell die aktivsten Player am deutschen Anleihemarkt. Daimler-Konkurrent Volkswagen war Bloomberg-Daten zufolge im vergangenen Jahr mit 11 Milliarden Euro Emissionsvolumen der aktivste Investmentgrade-Emittent – und das, obwohl sich die Wolfsburger nach Bekanntwerden des Abgasskandals im September mit keiner großen Transaktion mehr an den Markt wagten und sich CFO Frank Witter deshalb eine Brückenfinanzierung von den Banken sichern musste.

Daimler selbst war 2015 der sechstgrößte Investmentgrade-Emittent am Euro-Bondmarkt. Die letzte Anleihe hat der Dax-Konzern um CFO Bodo Uebber am 5. November ausgegeben: Der 1 Milliarde-Euro-Bond, der bis 2020 läuft, wird mit 0,625 Prozent verzinst – das sind die bis dato besten Konditionen, die der Autobauer jemals mit einer Euro-Anleihe erzielen konnte.

Daimler finanziert sich für unter 1 Prozent

Die neue Anleihe kratzt zumindest an diesem Rekord. Der Bond wurde den Investoren in drei Tranchen mit Laufzeiten von drei, fünf und acht Jahren angeboten. Die dreijährige Tranche, auf die 1,25 Milliarden Euro entfallen, wird der Nachrichtenagentur Reuters zufolge mit 53 Basispunkten über dem 3-Monats-Euribor verzinst. Der Referenzzinssatz ist mit aktuell minus 0,132 Prozent seit nunmehr einem dreiviertel Jahr durchgehend negativ. Mit anderen Worten: Im Extremfall müsste der Kreditgeber noch dafür zahlen, dass er Geld verleiht. Aus verschiedenen Gründen dürfte dies aber zumindest bei Anleihen ein theoretisches Szenario bleiben.

Auf die 5-jährige und die 8-jährige Tranche, die jeweils ein Volumen von 1 Milliarde Euro umfassen, zahlt Daimler dagegen jeweils einen festen Kupon. Die fünfjährige Tranche hat einen Spread von 65 Basispunkten gegenüber Mid Swap, die 8-jährige von 77 Basispunkten gegenüber Mid Swap. Damit hat Daimler bessere Konditionen durchsetzen können als ursprünglich erwartet, ein sehr guter Auftakt ins Anleihejahr 2016. Die Transaktion wurde von der Commerzbank, der Deutschen Bank, der ING und der Société Générale begleitet.

Daimler testet die Stimmung der Investoren in 2016

Trotz der guten Ausgangslage für den Autokonzern, dessen Geschäfte gerade so gut wie nie laufen, ist die erste Transaktion nach einer längeren Pause immer mit einem gewissen Risiko behaftet – erst recht, wenn in der Zwischenzeit Ereignisse wie die Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Fed Mitte Dezember und die erneuten Kapriolen an den chinesischen Börsen die Märkte beeinflusst haben. Viele Unternehmen scheuen es daher, als Erste die Stimmung der Investoren zu testen.

Ein bekannter Name und ein guter Track-Rekord sind dabei wichtige Argumente, um die Investoren aus der Reserve zu locken – und beides hat Daimler am Anleihemarkt allemal: Der Autobauer wird von Moody´s mit einem sehr soliden A3-Rating gerated (Ausblick positiv).  S&P und Fitch bewerten Daimler jeweils mit A- und stabilem Ausblick.

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