Eyemaxx-CEO Michael Müller bleibt der Mittelstandsanleihe treu.

Eyemaxx

17.04.18
Finanzierungen

Eyemaxx will Mittelstandsanleihen treu bleiben

Viele Emittenten wenden sich vom Markt für Mittelstandsanleihen ab, das österreichische Immobilienunternehmen Eyemaxx dagegen platziert jetzt bereits den sechsten Mini-Bond. Warum bleibt Eyemaxx dem Krisensegment treu?

Fünf Mittelstandsanleihen hat das österreichische Immobilienunternehmen seit 2011 platziert, Nummer sechs wird in Kürze folgen: Von Donnerstag an wirbt Eyemaxx mit einem weiteren Mini-Bond um Investoren. In den zurückliegenden Tagen konnten bereits die Inhaber der bis 2019 laufenden dritten Anleihe ihre Papiere in neue Anleihen tauschen.

Der Bond mit Laufzeit bis 2023 soll ein Emissionsvolumen von 30 Millionen Euro erzielen, bei einem Kupon von 5,5 Prozent. FINANCE fragte Großaktionär und CEO Michael Müller, wieso er dem umstrittenen Mini-Bond-Segment die Treue hält und wie sich das Verhalten der Investoren über die Jahre verändert hat.

Eyemaxx hat seit 2011 fünf Mini-Bonds platziert, von denen zwei bereits zurückgezahlt wurden. Obwohl der Ruf des Segments ramponiert ist und sich viele Emittenten abwenden, suchen Sie ab Donnerstag Investoren für Mittelstandsanleihe Nummer sechs. Warum?

Weil wir bisher gute Erfahrungen als profitabler und verlässlicher Emittent gemacht haben und deshalb nun weitere Mittel mit einer Unternehmensanleihe für unser weiteres Wachstum einwerben wollen. Wir wollen damit neue und bestehende Projekte wie auch den Ausbau unseres Immobilienbestands finanzieren. Wir erzielen mit unserem Geschäftsmodell zum einen laufende Cashflows aus einem Bestand an vermieteten eigenen Gewerbeimmobilien, den wir ausbauen wollen. Der größere Bereich ist aber die Entwicklung von Immobilienprojekten, die wir dann verkaufen. Dafür nehmen wir Bankenfinanzierungen in Anspruch, doch die Banken finanzieren unsere Projekte natürlich nicht zu 100 Prozent. Die Bankenfinanzierung kostet uns derzeit um die 2 Prozent und ist günstiger als eine Anleihe. Es bleibt bei 80 bis 85 Prozent Finanzierungsquote aber immer ein Delta von 15 bis 20 Prozent, die wir aus unserer Innenfinanzierung und über den Kapitalmarkt abdecken.

Weniger Retail-Investoren auch bei Eyemaxx-Bonds

Damit fallen Schuldscheine als Alternative vermutlich aus?

Ja, denn bei uns sind die Bankkredite vorrangig besichert, und ein Schuldschein müsste dies ebenfalls sein. Die Anleihen dagegen können wir als nachrangige Finanzierung gestalten. Hinzu kommt, dass wir mit Schuldscheinen letztlich auch wieder im Bankenmarkt unterwegs wären. Wir suchen daher den Zugang zum Kapitalmarkt – sei es über Mittelstandsanleihen, über unsere zwei Wandelanleihen oder über kleinere Kapitalerhöhungen, von denen wir ebenfalls bereits mehrere erfolgreich umgesetzt haben.

Vor einigen Jahren tummelten sich noch viele Retail-Investoren im Mini-Bond-Markt, dann folgten institutionelle Investoren, von denen sich aber einige inzwischen kategorisch aus Investments in Mittelstandsanleihen zurückgezogen haben. Wie setzt sich Ihre Investorenschaft zusammen?

Der Anteil der Retail-Investoren ist auch bei Eyemaxx seit der ersten Anleihe deutlich gesunken. Damals machten private Investoren mehr als die Hälfte der Zeichner aus, jetzt werden es vermutlich noch etwa 20 Prozent sein – und selbst das ist für das Segment schon viel. In den vergangenen Tagen hatten bereits Zeichner unserer 2019 auslaufenden Anleihe die Gelegenheit, ihre Papiere in neue Anleihen zu wandeln. Von den ursprünglich 15 Millionen Euro stehen noch 8,6 Millionen Euro aus, der Rest wurde bereits bei vorherigen Neuemissionen getauscht. Aus dem Retail-Bereich könnten für unsere neue Anleihe rund 5 Millionen Euro an neuen Zeichnungen kommen. Der Großteil der neuen Anleihe wird also voraussichtlich bei institutionellen Investoren landen.

Eyemaxx-Chef Müller lobt Börsenbetreiber

Die Zahl der Ausfälle am Mini-Bond-Markt ist hoch. Können Sie nachvollziehen, dass manche Emittenten den Mini-Bonds den Rücken kehren?

Auch wir möchten nicht mit unseriösen Emittenten in einen Topf geworfen werden. Ich finde es ebenfalls kritisch, wenn Emittenten eine Anleihe begeben, um damit einen Kredit zu ersetzen. Bei uns ist die Anleihe immer nur ein Bestandteil einer Finanzierung, neben dem Kredit. Es gab leider auch bei uns Momente, in denen wir am Kapitalmarkt kurzfristig in Sippenhaft geraten sind – etwa wenn andere Immobilienwerte wie Golden Gate ausgefallen sind. In solchen Situationen kann man nur auf das solide eigene Zahlenwerk und die pünktliche Zahlungshistorie verweisen und im engen Dialog mit den Investoren bleiben. Als Unternehmen, dessen Aktien im regulierten Markt notiert werden, sind wir ohnehin überdurchschnittlich transparent und eine professionelle Kommunikation mit Investoren gewöhnt. Zuletzt haben ja auch die Marktbetreiber mit ihren Qualitätsverpflichtungen einiges unternommen, um die Qualität der Emissionen zu verbessern.

Investoren ziehen sich zurück, viele namhafte Emittenten sind auf andere Finanzierungsformen ausgewichen. Welche Zukunft messen Sie dem Mini-Bond-Segment insgesamt noch bei?

Ich erwarte, dass sich die Spreu weiter vom Weizen trennt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Mittelstandsanleihe sich als Spezialfinanzierung etabliert. Unternehmen aus der Immobilienfinanzierung beispielsweise sind auf diesen Kapitalmarktzugang angewiesen. In dieser Spezialisierung könnte eine Perspektive liegen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de


Eyemaxx Real Estate realisiert schwerpunktmäßig Wohnimmobilien in Deutschland und Österreich, aber auch Pflegeheime in Deutschland sowie Gewerbeimmobilien. Neben der Projektentwicklung will Eyemaxx einen Bestand an vermieteten Gewerbeimmobilien aufbauen, um daraus Zahlungsströme zu generieren. Im Geschäftsjahr 2016/17, das am 31. Oktober endete, erzielte Eyemaxx ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 14,3 Millionen Euro (2015/16: 10,2 Millionen Euro). CEO Michael Müller ist mit einer Beteiligung von rund 35 Prozent zugleich Hauptaktionär des Unternehmens.