Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd will eine neue 150 Millionen Euro schwere Anleihe begeben. CFO Nicolás Burr geht damit zum zweiten Mal binnen weniger Wochen an den Kapitalmarkt.

Hapag-Lloyd

07.02.17
Finanzierungen

Hapag-Lloyd begibt nächste Millionen-Anleihe

Mit der zweiten Bondemission binnen weniger Wochen kommt Hapag-Lloyd bei der Refinanzierung einen unerwartet großen Schritt voran. Mit den neuen 200 Millionen Euro streckt CFO Nicolás Burr das Fälligkeitenprofil und führt die Reederei weiter aus ihrer Schieflage heraus.

Hapag-Lloyd hat eine neue Unternehmensanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro begeben. Das gab die Reederei am heutigen Dienstag bekannt. Mit dem Emissionserlös will CFO Nicolás Burr einen Teil der im nächsten Jahr fälligen nominal 400 Millionen Euro schweren Anleihe refinanzieren und gleichzeitig Zinskosten sparen. Das neue Papier wurde wie geplant zu einem Kupon von 6,75 Prozent platziert, wegen der hohen Investorennachfrage allerdings zu einem Preis von 102,375 Prozent. Daraus errechnet sich eine effektive Rendite bis zur Endfälligkeit von 6,19 Prozent. Das ist erheblich weniger als bei der 2018er-Anleihe, die mit 7,75 Prozent verzinst wird.

Dass ein Kupon dieser Höhe von Investoren akzeptiert werden würde, zeigte schon die jüngste Emission. Im Januar platzierte Burr insgesamt 250 Millionen Euro bei Investoren und konnte damit die im Oktober diesen Jahres fällige Anleihe über 250 Millionen US-Dollar vollständig refinanzieren. Die Nachfrage der Investoren war hoch, ursprünglich wollte der Chilene nur 150 Millionen Euro platzieren.

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Im perfekten Sturm – Mit einem Kraftakt will der chilenische CFO Nicolás Burr Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd vor dem Untergang bewahren. Sein riskanter Plan könnte sogar aufgehen...

 

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Hapag-Lloyd-CFO Nicolás Burr streckt die Fälligkeiten

Nicolás Burr streckt mit den beiden Neuemissionen Hapag-Lloyds Fälligkeitenstruktur. Nachdem der dieses Jahr fällige Bond über 250 Millionen Euro bereits refinanziert ist, zieht Burr nun auch eine wichtige Säule für die Rückzahlung des noch größeren Bonds über 400 Millionen Euro ein: Für die Hälfte dieser Summe ist nun schon vorgesorgt. 

Dass der CFO mit den Anschlussfinanzierungen schneller vorankommt als erwartet, ist auch deshalb wichtig, weil in wenigen Wochen die Fusion mit der arabischen Containerreederei UASC abgeschlossen sein wird. Dann verdoppeln sich die Nettofinanzschulden der größten deutschen Reederei auf fast 7 Milliarden Euro, und 2019 werden schon wieder 250 Millionen Euro aus einer ausstehenden Anleihe fällig.

Dann kann Burr, was die Refinanzierung von Anleihen betrifft, aber zunächst durchatmen, denn die beiden neuen Anleihen laufen jeweils bis 2022. Bis dahin will er die Verschuldung deutlich zurückfahren, was vor allem ermöglicht werden soll, indem die Investitionserfordernisse in den kommenden Jahren dramatisch zurückgehen werden.

Hapag-Lloyd manövriert sich schrittweise aus der Schieflage

Mit der Streckung der Fälligkeiten manövriert sich der Containerriese Stück für Schritt aus der Krise. Im April vergangenen Jahres zeichnete sich noch ein ganz anderes Bild ab. Die für die Reederei-Branche wichtigen Frachtraten für Containerschiffe lagen am Boden, und die von Hapag-Lloyd angeführte G6-Allianz löste sich in der Folge von Reederei-Zusammenschlüssen auf. Die Deutschen drohten isoliert zu werden.

In der Folge begann sich das M&A-Karussell zu drehen: „Jeder spricht mit jedem“: So fasste Burr die Lage zusammen. Hapag-Lloyd nutzte das und schmiedete eine neue Allianz („The Alliance“) mit den neuen Bündnispartnern „K“-Linie, Nippon Yusen, Mitsui (alle Japan) und Yang Ming (Taiwan). Diesen April soll die neue Allianz an den Start gehen.

Entziehen konnte sich Hapag-Lloyd den widrigen Marktverhältnissen durch diese Manöver dennoch nicht. Im Juli vergangenen Jahres musste Burr eine Gewinnwarnung veröffentlichen, der Zufolge Hapag-Lloyd mit einem „deutlich sinkenden“ Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) planen müsse. In den vergangenen Wochen und auf Grund der Pleite des Containerriesen Hanjin haben sich die Frachtraten wieder deutlich erholt. Auch der Aktienkurs von Hapag-Lloyd entwickelte sich stark: Seit Anfang Dezember hat das lange vor sich hin dümpelnde Papier um über 60 Prozent zugelegt und steht derzeit bei rund 28 Euro. Die Anleihen notieren allesamt deutlich über 100 Prozent.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Wie der chilenische Finanzmanager nach Deutschland kam und was er in seiner Karriere schon alles erreicht hat, erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Nicolás Burr.