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17.05.17
Finanzierungen

Investor will 10 Prozent der Rickmers-Anleihe kaufen

Der Wertpapierhändler Schnigge hat ein Kaufangebot für gut 10 Prozent der Rickmers-Anleihen vorgelegt. Für wen die Bank agiert, ist nicht bekannt. Klar ist aber: Bei der entscheidenden Gläubigerversammlung hätte der unbekannte Investor großes Gewicht.

Die Karten bei der Bondrestrukturierung von Rickmers könnten neu gemischt werden: Der Wertpapierhändler Schnigge will Anleihen der strauchelnden Reederei im Nominalwert von bis zu 30 Millionen Euro erwerben. Die Angebotsfrist endet am kommenden Donnerstag, dem 25. Mai.

Als Handelshaus agiert Schnigge allerdings selten auf eigene Rechnung. Wer hinter dem Angebot steckt, ist derzeit noch nicht bekannt. Schnigge war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen. Rickmers erklärte auf Anfrage, man wisse nicht, wer dahinter stehe.

Genau das ist jedoch die entscheidende Frage, schließlich würde der unbekannte Investor über gut 10 Prozent des Rickmers-Bonds verfügen, dessen Nominalwert bei 275 Millionen Euro liegt. Er könnte damit bei der zweiten Gläubigerversammlung am 1. Juni maßgeblich Einfluss nehmen. Dort müssen 25 Prozent des nominellen Anleihevolumens anwesend sein. Davon wiederum müssen der vom Rickmers-Management um CFO Mark-Ken Erdmann vorgeschlagenen Restrukturierung 75 Prozent zustimmen.

Angebot liefert nur kleine Prämie, aber bannt Insolvenzrisiko

Aus Sicht der Anleihegläubiger ist das Angebot nicht unattraktiv: Laut Unterlage bietet Schnigge 15,25 Prozent je Schuldverschreibung. Die Anleihe notiert derzeit zu einem Kurs zwischen 5 und 6 Prozent. Dazu addieren sich jedoch noch die aufgelaufenen Stückzinsen des Kupons von 8,875 Prozent, der am 11. Juni fällig wird. Der Verkäufer würde also eine kleine Prämie von etwa 1 bis 2 Prozentpunkten erzielen. Entscheidender dürfte jedoch sein, dass für die Verkäufer das Insolvenzrisiko gebannt wäre: Rickmers warnt, dass die Kuponzahlung wohl ausfallen würde, wenn am 1. Juni der Restrukturierungsplan nicht auf den Weg gebracht wird.

Die erste Gläubigerversammlung, die über den Plan abstimmen sollte, war am Quorum von 50 Prozent gescheitert. Nun steht bei der zweiten Versammlung ein Showdown bevor: Mit dem Management, dem Eigentümer Bertram Rickmers, den finanzierenden Banken, Werften und schließlich den Bondholdern stehen sich gleich fünf verschiedenen Interessensgruppen gegenüber, deren Ziele zum Teil weit auseinander liegen.

Stimmen die Anleihegläubiger von Rickmers der Restrukturierung zu?

Der Sanierungsplan der hochverschuldeten Reederei ist umstritten: Die Bondholder kämen dabei am schlechtesten weg, bemängelte jüngst die US-Investmentbank Houlihan Lokey. Das Konzept sieht vor, dass der bisherige Alleineigentümer der Reederei, Bertram Rickmers, 75,1 Prozent der Anteile in ein Finanzvehikel (Luxco) überführt, die dann an Investoren verkauft werden sollen. Die LuxCo übernimmt im Gegenzug die kompletten Anleiheverbindlichkeiten sowie einen Teil der Bankkredite der HSH Nordbank.

Von dem Verkaufserlös sollen jedoch die ersten 54,1 Millionen Dollar an die HSH Nordbank fließen, den größten Kreditgeber von Rickmers. Der Rest verteilt sich nach einem bereits definierten Schlüssel auf die anderen Gläubiger. Houlihan Lokey hält es allerdings für fraglich, dass ein Investor für die Anteile so viel zahlen würde, dass mehr als der der HSH zustehende Anteil erlöst werden könnte. Stimmen die Anleihegläubiger der Restrukturierung aber nicht zu, droht der Reederei die Insolvenz.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Die Schieflage der Reederei spitzt sich immer weiter zu und gipfelt am 1. Juni in der zweiten Gläubigerversammlung. Wie es zu der Finanzierungskrise kam, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Rickmers. Alle Infos zum Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann finden Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.