Der Markt zweifelt am Karlie-Bond. Doch PE-Investor Perusa, selbst Großinvestor der Mittelstandsanleihe, hat einiges zu verlieren.

Karlie

09.01.15
Finanzierungen

Karlie: Der Markt zweifelt am Mini-Bond

Seitdem das Unternehmen erneut das Management getauscht hat, fällt der Kurs der Mittelstandsanleihe des Haustierbedarfshändlers Karlie immer weiter in die Tiefe. Dass die neu an Bord gekommenen Restrukturierer für den PE-Investor Perusa den Turnaround durchboxen können, bezweifelt der Markt.

Krise bei Karlie: Der ostwestfälische Händler für Haustierbedarf kommt bei seiner Restrukturierung nur schleppend voran. Nun greift der PE-Investor Perusa offenbar durch. Nach der Abberufung der früheren Geschäftsführerin Angelika Westerwelle im Sommer hat Perusa einen weiteren Wechsel im Management der Karlie Group vorgenommen.

Michael Perlitz, der die Integration der verschiedenen Zukäufe vorangetrieben hat und als Spezialist für operative Prozesse gilt, hat Karlie zum Jahresende verlassen. Karlie bedachte ihn zum Abschied mit lobenden Worten für seine „außerordentliche Leistung“ bei der Vereinheitlichung des Sortiments und der Einführung eines strikten Kostenmanagements. Nun soll Andreas Spiegel, der Karlie bereits als Berater kennengelernt hat, die Integration der übernommenen Unternehmen abschließen und die operativen Abläufe optimieren.

Karlie: Was wird aus CFO Rainer Uhlhorn?

Im Finanz-und Controllingbereich hat Karlie Dominik Müser an Bord geholt. Müser stand in den beiden vergangenen Jahren stark in der Öffentlichkeit: Den börsennotierten Kunststoffspezialisten Balda hatte er nach Jahren der Krise wieder in die Spur gebracht, allerdings musste er Balda nach einem erbitterten Streit mit dem neuen Großaktionär Elector verlassen. Zuletzt war er seit März 2014 bei dem Chemikalienhersteller Hansa Group tätig, wo er die Insolvenz allerdings nicht abwenden konnte.

Offiziell wurde Müser bislang nicht als neuer CFO von Karlie benannt. Ob die Benennung sich auf die Rolle des seit Anfang 2014 amtierenden Finanzchefs der Karlie Group Rainer Uhlhorn auswirkt, ist offen. Karlie ließ eine FINANCE-Anfrage dazu unbeantwortet.

Bei Karlie warten nun wichtige Aufgaben auf Müser: Er soll die bereits ergriffenen Maßnahmen konsequent umsetzen, das gruppenweite Restrukturierungsprogramm ergänzen und Stellen abbauen, wie Karlie mitteilt. Auch die Überprüfung der Vertriebskanäle und die Umstellung auf einen Multichannel-Ansatz, wie ihn etwa Fressnapf verfolgt, könnte in Spiegels und Müsers Pflichtenheft stehen. Damit macht der auf Turnaround-Situationen spezialisierte PE-Investor Perusa, der anders als viele andere PE-Investoren Beteiligungen bis zu 14 Jahren halten kann, bei Karlie nun offenbar ernst.

PE-Investor Perusa: Langer Atem bei Karlie?

Es ist gut möglich, dass Perusa bei Karlie einen langen Atem auch brauchen wird. Schon 2009 hatte das Private Equity-Haus Karlie über den 2008 aufgelegten, 155 Millionen Euro schweren Fonds Perusa I erworben. In den Folgejahren schmiedete Perusa über eine dezidierte Buy&Build-Strategie die europäische Karlie Group, die inzwischen auch die einstigen Wettbewerber Flamingo, Sharples & Grant sowie das chinesische Unternehmen Best Quality umfasst – eine klassische internationale Konsolidierungsstrategie mit dem Ziel, die Wertschöpfungskette Karlies zu verlängern und die Margen zu steigern. So wurde aus dem einstigen Großhandelsunternehmen ein rückwärts integrierter Konzern mit eigener Produktions- und Produktentwicklungskapazität.

Perusa hat auch in die Mittelstandsanleihe von Karlie investiert

Damit zählt Karlie zu den wichtigsten Portfoliounternehmen von Perusa. Und die Münchener kämpfen um ihre Beteiligung, nicht nur durch den Austausch von Managern. Perusa hatte Karlie bereits im Juli vergangenen Jahres gestützt und von der Karlie Group Anleihen im Wert von 3 Millionen Euro gekauft – zu einem Kurs, „der über dem durchschnittlichen Marktpreis der Anleihe in den letzten Wochen liegt“, wie es damals hieß. Im Zeitraum Juni bis Juli 2014 notierte der Mini-Bond, der derzeit ein Volumen von rund 9,8 Millionen Euro hat, zwischen 80 und 90 Prozent. Karlie hatte bei der Emission im Juni 2013 ursprünglich ein Volumen von 30 Millionen Euro einwerben wollen, jedoch nicht einmal 6 Millionen Euro platzieren können.

Die Skepsis der Investoren war offenbar angebracht: Zum Bilanzstichtag 30. Juni 2014 verschlechterten sich bei Karlie nahezu alle Bilanzkennzahlen. Die Eigenkapitalquote sank auf rund 25 Prozent, die Nettofinanzverschuldung stieg zum Ende des ersten Halbjahrs um rund 3 Millionen Euro auf nunmehr etwa 23 Millionen Euro. Der Umsatz von Karlie sank um 11 Prozent auf rund 49 Millionen Euro. Dabei fielen im ersten Halbjahr Verluste auf Ebit-Basis von rund 2,6 Millionen Euro an. Bei Kreditinstituten hat Karlie Schulden von 17,5 Millionen Euro.

Mittelstandsanleihe von Karlie unter Druck

„Die Banken stehen zu Karlie“, bekräftigte die Corporate-Finance-Beratung Blättchen & Partner gegenüber FINANCE. Blättchen & Partner hatte die Emission des Mini-Bonds 2013 gemeinsam mit Viscardi begleitet und macht seit kurzem auch die Investor-Relations-Arbeit für Karlie. Die Ratingagentur Scope bewertete Karlie zuletzt mit BB-.

Zuletzt jedoch flohen die Investoren bei geringen Handelsvolumina aus dem Bond, dessen Kurs in den vergangenen Wochen von über 70 Prozent deutlich unter die Schwelle von 50 Prozent gestürzt ist.

Zu einer möglichen weiteren Kapitalunterstützung für Karlie wollte sich das Private Equity-Haus Perusa gegenüber FINANCE nicht äußern. Im Sommer gab Perusa-Partner Christopher Höfener jedoch im Zuge der Anleihezeichnung, die das PE-Haus zum Großinvestor des wenig liquiden Mini-Bonds gemacht hatte, zu Protokoll: „Uns war von Beginn an bewusst, dass die Erlangung der europäischen Marktführerschaft eine starke Kapitalausstattung erfordert, weshalb Perusa in seinem Fonds frühzeitig Mittel dafür reserviert hat.“ Anders formuliert: Nicht nur die Anleihegläubiger, sondern vor allem die Investoren von Perusa haben bei Karlie einiges zu verlieren.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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