Montagelinie bei Nordex: Der Windturbinenbauer hat sich einen Milliardenkredit gesichert. Und es könnte noch mehr werden.

Nordex

21.12.15
Finanzierungen

Nordex sichert sich Milliardenkredit

Der Windturbinenbauer Nordex hat seinen Finanzierungsrahmen massiv ausgeweitet und die Milliardenmarke geknackt. Und es kommt noch mehr, kündigt Nordex-CFO Bernard Schäferbarthold an.

Der Windturbinenbauer Nordex hat seinen Finanzierungsrahmen erheblich ausgeweitet und mit 14 Banken eine neue syndizierte Avalkreditlinie mit einem Volumen von zunächst 950 Millionen Euro vereinbart. Die neue Avallinie hat eine Laufzeit von fünf Jahren und löst den bisherigen Avalkreditrahmen ab, der lediglich auf ein Volumen von 550 Millionen Euro kam und im kommenden Frühjahr ausgelaufen wäre.

Offenbar hat Nordex-CFO Bernard Schäferbarthold die Banken so ausgewählt, dass sie mit ihren Leistungsprofilen den Konzern vor allem bei der geplanten Expansion nicht einschränken: „Bei der Auswahl der Banken haben wir darauf geachtet, dass diese die erweiterte regionale Ausrichtung der Gruppe in Schwellen- und Entwicklungsländer begleiten können“, erklärte der Finanzchef seine Beweggründe bei der Zusammenstellung des Konsortiums.

Nordex muss Acciona Windpower bald mit finanzieren

Doch trotz der hohen Zahl von 14 Finanzierungspartnern ist der Bankenclub noch nicht geschlossen. Schäferbarthold hat sich vorbehalten, in Kürze noch weitere Banken hinzuzunehmen, sobald die geplante Übernahme des spanischen Wettbewerbers Acciona Windpower in trockenen Tüchern ist. Die entsprechenden Verträge sollen bereits vorbereitet sein, wie FINANCE aus Unternehmenskreisen erfahren hat. Im Lauf des ersten Quartals 2016 soll der M&A-Deal abgeschlossen werden.

Nordex hatte die Übernahme von Acciona Windpower Anfang Oktober angekündigt. Der Kaufpreis beträgt 785 Millionen Euro, davon zahlt Nordex 366 Millionen Euro in bar. Sobald die Behörden die Transaktion freigeben, will Schäferbarthold die Avallinie auf bis zu 1,2 Milliarden Euro aufstocken. Die zusätzlichen Mittel sollen Banken beisteuern, die die zentralen Wachstumsmärkte der neuen Konzerntochter Acciona Windpower abdecken – Südafrika, Mexiko und Indien.

Dass Schäferbarthold den Avalrahmen im Vergleich zur bisherigen Kreditlinie mehr als verdoppelt, hat zwei Gründe: Zum einen das starke organische Wachstum der Hamburger, die für dieses Jahr einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro anpeilen – 2011 waren es noch 0,9 Milliarden Euro gewesen. Zum anderen muss Schäferbarthold auch einen Finanzierungsrahmen für Acciona Windpower vorbereiten. Die Spanier finanzierten sich bislang überwiegend über ihre  Konzernmutter, den Mischkonzern Acciona. Zwar wird Acciona nach der Fusion fast 30 Prozent an der neu formierten Nordex halten, aber die engen Finanzbeziehungen zur früheren Konzerntochter dürften sich nach Abschluss des M&A-Deals lösen.      

Nordex löst Alt-Anleihe ab – kommt bald ein Jumbo-Schuldschein?

Neben der Avallinie hat Finanzchef Schäferbarthold gleichzeitig auch die Brückenfinanzierung für den Acciona-Windpower-Deal wasserfest gemacht. Dafür hat er sich einen bis zu 18 Monate laufenden syndizierten Kredit über 450 Millionen Euro gesichert. Die Konditionen für diese Linie dürften für Nordex vorteilhaft sein. Erst vor wenigen Wochen hatte der Firmenkundenchef der DZ Bank, Stefan Zeidler, bei FINANCE-TV beklagt, dass Banken gegenwärtig nicht einmal die Chance hätten, mit der Ausreichung von SynLoans zumindest ihre damit verbundenen Kosten zu decken.   

Schäferbarthold wird den syndizierten Kredit aber wohl schon bald durch eine langfristige Finanzierung ablösen. Als Favorit gilt momentan die Begebung eines Schuldscheins, wie er kürzlich erklärte. Dieser könnte ohne weiteres ein Volumen von einer halben Milliarde Euro oder mehr erreichen.

Dann wäre auch die Kapitalmarktfinanzierung von Nordex neu aufgestellt. Die im kommenden April fällig werdende Anleihe über 150 Millionen Euro wird Schäferbarthold mit Hilfe des Brückenkredits ablösen. Dies wird Nordex auf der Zinsseite eine nennenswerte Entlastung bringen. Der Bond wurde zu einer Zeit begeben, als Nordex noch in einer Restrukturierung steckte. Der Kupon liegt bei stolzen 6,375 Prozent.

Die Kosten der neuen Langfristfinanzierung, die Schäferbarthold gerade vorbereitet, dürften sich im Vergleich zum bisherigen Niveau vermutlich in etwa dritteln. Insgesamt würden sich die Finanzierungskosten der neuen Langfristfinanzierung damit vermutlich auf ähnlichem Niveau bewegen wie zuvor, obwohl das Volumen voraussichtlich drei- oder viermal so hoch liegen wird, wie bei dem auslaufenden Bond.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Bei Nordex steht Finanzchef Bernard Schäferbarthold gerade im Mittelpunkt des Geschehens. Wie er den Windturbinenbauer durch eine schwere Krise gesteuert hat und weitere interessante Infos zu seiner Karriere lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Bernard Schäferbarthold.