Der Sportartikelhersteller Puma erwägt gleich mehrere Optionen, um seine Liquidität in der Coronakrise zu sichern.

Puma

03.04.20
Finanzierungen

Puma will Liquidität mit aller Macht zusammenhalten

Wegen der Coronakrise muss Puma jetzt seine Liquidität zusammenhalten. Neben dem Wegfall von Dividenden und Vorstandsgehältern lotet der Sportartikelhersteller einen KfW-Kredit aus.

Die Coronakrise setzt Puma immer stärker zu. Wie der fränkische Sportartikelhersteller am heutigen Freitag mitteilte, macht sich die Ausbreitung des Coronavirus durch „erhebliche Rückgänge im Konzernumsatz und Cashflow“ bemerkbar.

Bereits Mitte März standen die Herzogenauracher zunehmend unter Druck, als viele Läden in Asien schließen mussten. Zwar haben die Geschäfte dort wieder zum Teil geöffnet, dafür sind inzwischen beinahe überall im Rest der Welt die Läden zu. Aktuell läuft zwar noch das E-Commerce-Geschäft, es macht aber nur 10 Prozent des Geschäfts aus, so das Unternehmen.

Puma will KfW-Corona-Hilfe beantragen

Um die Finanzierung sicherzustellen, zieht der Konzern daher gleich mehrere Maßnahmen zur Liquiditätsbeschaffung in Betracht. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, will Puma auf zusätzliche Kredite mit Unterstützung der KfW zurückgreifen. Puma habe das inzwischen bestätigt, schreibt Reuters. Es geht dabei um das „Sonderprogramm Konsortialfinanzierungen“ für große Firmen, bei dem die Förderbank bis zu 50 Prozent der Kreditsumme und bis zu 80 Prozent des Risikos übernimmt. Den Rest stemmt ein Bankenkonsortium.

Die Finanzierung erfolge dabei zu „marktüblichen Konditionen”, so Puma. Um welche Summe es geht und wer im Konsortium vertreten ist, sagt Puma nicht. Finanzkreisen zufolge handelt es sich um einen dreistelligen Millionenbetrag, schreibt Reuters. Laut Insidern sind die Konsortialbanken Deutsche Bank, Commerzbank und die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank.

Puma streicht Vorstandsgehälter komplett

Die zweite Maßnahme, um die Liquidität zu schonen: Wie schon zahlreiche andere Unternehmen plant auch der MDax-Konzern, seine Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2019 zu streichen. Einen entsprechenden Vorschlag will das Unternehmen bei der digitalen Hauptversammlung am 7. Mai präsentieren.

Und das ist nicht alles: Außerdem verzichtet Puma im April zu 100 Prozent auf die Zahlung der Vorstandsgehälter. Das betrifft CEO Bjørn Gulden, CFO Michael Lämmermann sowie Chief Sourcing Officer (CSO) Anne-Laure Descours. Im vergangenen Jahr hatte Puma 6,8 Millionen Euro an Vorstandsgehältern gezahlt, davon 4,3 Millionen Euro an variabler Vergütung. Welches Vorstandsmitglied wie viel verdient, schlüsselt Puma nicht auf.

FINANCE-Köpfe

Michael Lämmermann, Puma SE

1988 beginnt Michael Lämmermann seine Karriere bei der Murata Elektronik GmbH in Nürnberg, einer Tochtergesellschaft der Murata Manufacturing aus Japan, als Assistent des Kaufmännischen Leiters. Später steigt er zum Leiter der Buchhaltung und des Controllings auf. Seit 1993 arbeitet Michael Lämmermann für das Sportlifestyle-Unternehmen Puma. Im Jahr 1998 wird er zum Direktor des Controllings ernannt, ein Jahr später wird er CFO  und COO von Puma Nordamerika in Westford, Massachusetts. Diese Position hat er zehn Jahre lang inne, bevor er 2009 nach Deutschland zurückkehrt und wenig später Geschäftsbereichsleiter für Finanzen wird.  Im Januar 2013 wird er zum CFO von Puma befördert.

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Auch die Vergütung des obersten Führungskreises soll in diesem Zeitraum um 25 Prozent gekürzt werden. Dies sei unter den gegebenen Umständen die richtige Maßnahmen, so der Konzern. Danach will der Sportartikelhersteller die Situation neu bewerten. Ende März schickte Puma bereits alle Beschäftigen in Deutschland in Kurzarbeit bis zunächst 13. April.

Puma: „Reduzieren Geldabfluss wo immer möglich“

„Um diese Krise zu meistern, arbeiten wir eng mit allen unseren Partnern zusammen. Wir reduzieren die Kosten und den Geldabfluss wo immer möglich und ergreifen Maßnahmen zur Sicherung zusätzlicher Finanzierung. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die kurzfristigen Herausforderungen so gut wie möglich zu bewältigen, ohne jedoch die mittelfristige Dynamik des Unternehmens zu beeinträchtigen“, rechtfertigt Puma die drastischen Schritte.

Insgesamt sei es aber aktuell unmöglich, eine Vorhersage zur kommenden Geschäftsentwicklung zu machen, besonders weil es „derzeit nicht absehbar ist, wie lange diese Situation anhalten wird“, lautet das Fazit. Konkrete Zahlen zu Umsatz und Cashflow nennt das Unternehmen auf Nachfrage nicht.

Im vergangenen Jahr lagen die Umsatzerlösen noch bei 5,5 Milliarden Euro, das entspricht einem Anstieg von 18,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn vor Steuern (EBT) lag mit 417,6 Millionen Euro um 33 Prozent über Vorjahr. Den freien Cashflow wies Puma 2019 mit 330 Millionen Euro aus. 2018 waren es 172,9 Millionen Euro.

Adidas erwägt offenbar Milliarden-Kredit

Auch Pumas direkter Wettbewerber Adidas soll über einen Kredit nachdenken. Der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge überlege Adidas, einen Kredit von 1 bis 2 Milliarden Euro bei der KfW zu beantragen. Ein Sprecher sagte daraufhin, Adidas werde Kredite brauchen, aber keine Staatshilfe.

Vor einigen Tagen sagte der Konzern bereits, man werde „proaktiv einen konservativen Ansatz beim Liquiditätsmanagement verfolgen, um die finanzielle Flexibilität des Unternehmens im derzeitigen Umfeld zu erhalten“. In diesem Zuge stoppte der Sportartikelhersteller sein geplantes Aktienrückkaufprogramm. Zuvor war Adidas massiv in die Kritik geraten, weil das Unternehmen seine Mieten für geschlossene Geschäfte vorerst nicht mehr zahlen wollte. Der Konzern entschuldigte sich vor wenigen Tagen und erklärte, die Mieten nun doch zu zahlen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Wie andere deutsche Unternehmen die Coronakrise meistern, sowie alles Wichtige zu den KfW-Hilfen finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zum Coronavirus.

Mehr über den Puma-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Michael Lämmermann.