Höhere Recovery-Quote als erwartet: Für die Anleihegläubiger des Bettwarenherstellers Sanders kommt es weniger schlimm als befürchtet.

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06.03.17
Finanzierungen

Sanders-Gläubiger bekommen 39 Prozent zurück

Mit einer unerwartet hohen Recovery-Quote von 39 Prozent biegt das Insolvenzverfahren des Mini-Bond-Emittenten Sanders auf die Zielgerade ein. Die Gläubiger anderer Pleite-Bonds haben bei weitem weniger zurück bekommen.

Die Anleihegläubiger des insolventen Bettwarenherstellers Gebr. Sanders können eine überraschend hohe Recovery-Quote von bis zu 39 Prozent erwarten. Dies teilten die gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger, die Rechtsanwälte Dorothee Madsen und Stefan Denkhaus, den Bondholdern in einem Schreiben mit.

Damit kommen die Anleihegläubiger bei Sanders wesentlich besser davon als bei anderen Ausfällen von Mittelstandsanleihen. Bei dem Schrottverarbeiter Scholz können die Bondholder zwischen 8 und 11 Prozent erwarten, bei der im Herbst pleite gegangenen Modekette Wöhrl zwischen 10 und 20 Prozent.  Bei vielen Insolvenzen werden die Anleihegläubiger voraussichtlich sogar komplett leer ausgehen, allen voran bei den Großemittenten KTG Agrar und German Pellets.   

Grossnigg zahlt 18,6 Millionen Euro für Übernahme von Sanders

Sanders hatte sich Ende September vergangenen Jahres in ein Schutzschirmverfahren geflüchtet und wenige Wochen später Insolvenz beantragt. Hauptauslöser der Pleite war, dass eine deutsche Großbank eine auslaufende Borrowing-Base-Finanzierungslinie nicht mehr verlängern wollte. Die Sanders-Anleihe hatte einen Nennwert von 22 Millionen Euro und stürzte anschließend auf 20 Prozent des Nennwerts ab. Zuletzt hatte sich das Papier wieder leicht auf Kurse um 26 Prozent erholt, lag damit aber immer noch deutlich unter der nun im Raum stehenden Recovery-Quote. Im späten Handel am Freitag kletterte der Bond bis auf 30 Prozent.

Nach Auskunft der beiden Rechtsanwälte speist sich die Insolvenzmasse in erster Linie aus dem Verkaufserlös der Firma: Sanders ist Anfang Februar an den österreichischen Unternehmer Erhard Grossnigg verkauft worden. Grossnigg hatte sich beim M&A-Prozess gegen eine Gruppe um den Debt-Investor Robus Capital durchgesetzt, die ebenfalls ein Angebot für Sanders abgegeben hatte.

Den realisierten Verkaufspreis beziffern Madsen und Denkhaus mit 18,6 Millionen Euro. Davon müssen allerdings noch die Verfahrenskosten und die Masseverbindlichkeiten abgezogen werden, bevor das Geld an die Gläubiger ausgeschüttet werden kann. Vor der Insolvenz erwirtschaftete Sanders Jahresumsätze von rund 50 Millionen Euro mit einer operativen Gewinnmarge (Ebit) von meist unter 5 Prozent.      

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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