Seidensticker

05.11.17
Finanzierungen

Seidensticker verabschiedet sich von Mini-Bond-Markt

Wieder kehrt ein bekannter Emittent dem Mini-Bond-Markt den Rücken: Der Blusen- und Hemdenhersteller Seidensticker hat sich bei der Refinanzierung seiner Anleihe ganz bewusst gegen eine Mittelstandsanleihe entschieden.

Der Blusen- und Hemdenhersteller Seidensticker hat die Refinanzierung seiner 30 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe abgeschlossen und in diesem Rahmen die gesamte Konzernfinanzierung neu aufgestellt. Konkret lösen die Bielefelder den Mini Bond durch eine Kombination aus Konsortialfinanzierung und Genussrechtskapital ab. Bei der Transaktion waren die Commerzbank und die Postbank im Lead, sagte CFO Martin Friedrich im Gespräch mit FINANCE.

Der Großteil der Finanzierung entfällt dabei auf den Konsortialkredit, so der Finanzchef. Das Unternehmen hat sich dem CFO zufolge ganz bewusst gegen eine Refinanzierung über eine weitere Mittelstandsanleihe entschieden. Dabei spielten mehrere Überlegungen eine Rolle.

Mini-Bond-Markt hat einen schlechten Ruf

Zum einen wollte Seidensticker sich effizienter in der Zinslast und insgesamt flexibler aufstellen und hat dazu mehrere Optionen geprüft. „Die Mittelstandsanleihe ist für unsere zukünftigen Belange etwas zu statisch und von den Gesamtparametern her nicht optimal“, erklärt Friedrich. Die Mittelstandsanleihe, die noch bis zum 12. März 2018 läuft, ist mit 7,25 Prozent verzinst.

Daneben spielte aber auch die Entwicklung des Mini-Bond-Markts eine Rolle: In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Emittenten in die Pleiten gerutscht, zum Teil unter dubiosen Umständen. In diesem Jahr schlitterte der Küchenhersteller Alno in die Insolvenz.

Auch einige der aktuell noch notierten Unternehmen wackeln: Gefährlich ist momentan die Lage bei dem Erotikhändler Beate Uhse, der Zulieferer für Rohrleitungssysteme Sanha hingegen hat über eine umfassende Anleihenrestrukturierung das Schlimmste verhindert. „Es herrscht momentan viel Unsicherheit im Markt, die Reputation der Mittelstandsanleihe ist aufgrund der Historie etwas in Mitleidenschaft gezogen“, so der Seidensticker-Finanzchef. Das alleine sei aber nicht das entscheidende Kriterium gewesen, betont er.

„Es herrscht momentan viel Unsicherheit im Markt.“ 

Martin Friedrich, CFO, Seidensticker

Auch andere Emittenten ziehen sich zurück

Seidensticker ist nicht der erste namhafte Mittelständler, der sich von dem angeschlagenen Segment abwendet. Auch der Getränkehersteller Berentzen entschied sich gegen eine zweite Auflage einer Mittelstandsanleihe, CFO Ralf Brühöfner fand damals klare Worte: „Als solides Unternehmen will man mit der Mittelstandsanleihe heute nicht mehr unbedingt in Verbindung gebracht werden. Wir wollen uns von dieser Konnotation befreien.“ Auch das Verlagshaus Bastei Lübbe kehrte der Mittelstandsanleihe den Rücken und refinanzierte sich lieber über einen Konsortialkredit.

Daneben gibt es aber auch Unternehmen, die sich erneut an die Mittelstandsanleihe gewagt haben: So konnte die saarländische Brauerei Karlsberg im Eiltempo eine neue Mittelstandsanleihe platzieren, die Bücher waren stark überzeichnet. Und auch der Holzverarbeiter Homann konnte vor wenigen Monaten einen neue Mini Bond emittieren, auch hier war die Nachfrage sehr stark. Insgesamt werden die Anleihestrukturen bei Neuemissionen gegenwärtig etwas professioneller und investorenfreundlicher. 

Seidensticker will Verschuldung um ein Drittel senken

Parallel zur Ablösung der Mittelstandsanleihe hat Seidensticker die gesamte Konzernfinanzierung neu aufgestellt. Neben dem Konsortialkredit und dem Genussrechtskapital beinhaltet das neue Konzept auch die Verlängerung  von bereits bestehenden Factoring-Programmen. Das Gesamtkonzept ist auf fünf Jahre ausgelegt. Insgesamt will das Modehaus seine Finanzierungsaufwendungen deutlich senken.  CFO Friedrich spricht von einem signifikanten sechsstelligen Betrag, der eingespart werden soll.

Außerdem soll im Zuge der Refinanzierung die Verschuldung auch um ein Drittel sinken. Das nötige Geld dafür ist vorhanden. Im Abschluss des am 30. April 2017 zu Ende gegangenen Geschäftsjahres weist Seidensticker eine Cash-Position von 13,4 Millionen Euro aus. Auf der Passivseite stehen neben den 30 Millionen Euro Anleiheschulden noch Bankverbindlichkeiten in Höhe von 8,4 Millionen Euro zu Buche.

Das Geschäft von Seidensticker hat sich zuletzt stabil entwickelt: Die Gesamterlöse blieben im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 203 Millionen Euro konstant, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs dabei aber um mehr als 25 Prozent auf 11,1 Millionen Euro.  

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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