Der strauchelnde Hightech-Maschinenbauer Singulus gibt den Forderungen des Hedgefonds Prime Capital nach. CFO Markus Ehret blieb keine andere Wahl.

Singulus

25.01.16
Finanzierungen

Singulus-Management gibt gegenüber Hedgefonds nach

Der Vorstand des strauchelnden Maschinenbauers Singulus gibt den Forderungen des Hedgefonds Prime Capital nach. Dieser hatte höhere Zinsen für die neue Anleihe gefordert. CFO Markus Ehret blieb keine andere Wahl.

 

Das Management des angeschlagenen Hightech-Maschinenbauers Singulus hat gegenüber dem Hedgefonds Prime Capital nachgegeben. Wie aus der Einladung zur zweiten Gläubigerversammlung hervorgeht, unterstützt der Vorstand um CFO Markus Ehret die zusätzlichen Forderungen des Hedgefonds, die dieser am vergangenen Montag vorgelegt hatte.

Prime Capital unterstützt zwar grundsätzlich den geplanten, überlebenswichtigen Debt-to-Equity-Swap und den Tausch des alten, 60 Millionen Euro schweren Bonds in eine 12 Millionen Euro umfassende neue Anleihe. Der Fonds fordert aber zusammen mit dem gemeinsamen Gläubigervertreter One Square Advisory eine wesentliche höhere Verzinsung des neuen Bonds. Die Zinsen der neuen Anleihe sollen nach dem neuen Schema im Laufe der Jahre von 3 Prozent im ersten Jahr auf maximal 10 Prozent nach fünf Jahren steigen.

Finanzchef Ehret muss dadurch über die gesamte Laufzeit zusätzliche Zinskosten von 2,3 Millionen Euro budgetieren, mehr als doppelt so viel wie in dem ursprünglichen Vorschlag von Singulus. Ehret hatte einen fixen Zinssatz von 4,5 Prozent angeboten, ein Drittel davon in Form einer endfälligen PIK-Komponente („Payment in kind“).

Ohne Rückendeckung von Prime Capital droht Singulus die Insolvenz

Es ist anzunehmen, dass dem Singulus-Management wohl keine andere Wahl blieb als nachzugeben: Die zweite Gläubigerversammlung am 15. Februar ist die letzte Chance. Das Unternehmen selbst teilt mit, dass die Insolvenz droht, falls das Restrukturierungskonzept abgelehnt werden sollte. Der Vorstand habe sich daher „nach Abstimmung mit dem gemeinsamen Vertreter entschlossen, das Ergänzungsverlangen zu unterstützen“.

Singulus benötigt Mitte Februar ein Quorum von 25 Prozent der 60 Millionen Euro schweren Alt-Anleihe. Der Bond ist mit 7,75 Prozent verzinst und läuft im März 2017 aus. Prime Capital hatte sich für die erste Abstimmung in der vergangenen Woche nicht registriert, unter anderem deshalb wurde das dafür noch notwendige Quorum von 50 Prozent nicht erreicht. Der Hedgefonds hält inzwischen Singulus-Angaben zufolge mehr als 5 Prozent der Anleihe. Auch ein weitere Investor hält Anteile im einstelligen Prozentbereich. Einen Tag nach der Gläubigerversammlung müssen dann auch noch die Aktionäre der geplanten Transaktion zustimmen. Hier braucht Singulus lediglich die einfache Mehrheit, eine Mindest-Anwesenheitsschwelle gibt es nicht. Aber auch die Zustimmung der Aktionäre ist nicht sicher, da sie durch den Debt-to-Equity-Swap 95 Prozent ihrer Anteile verlieren würden.

Singulus-CFO Markus Ehret braucht mehr Zeit für den Turnaround

Das Kalkül des Singulus-Vorstands dürfte klar sein: Bis die von Prime Capital geforderten Step-ups bei den Zinskosten kommen, hätten Ehret und CEO Stefan Rinck noch mehrere Jahre Zeit, um die Finanzen des Maschinenbauers wieder auf Vordermann zu bringen.

Auch das operative Geschäft könnte sich in dieser Zeit verbessern, so dass Singulus die höhere Zinslast  stemmen könnte. Diese würde zum einen erst zum Ende der Laufzeit hin hohe Niveaus erreichen, außerdem würde auch in dem neuen Szenario die Zinslast gegenüber dem bisherigen Niveau deutlich sinken. Dies könnte auch wieder mehr Zutrauen bei den Singulus-Kunden wecken. Viele von ihnen dürften angesichts der prekären Lage des Unternehmens derzeit damit zögern, neue Großaufträge bei den Mainfranken zu platzieren. Gerade im Singulus-Geschäftsbereich Solar dauert es zum Teil rund ein Jahr, bis die Kunden die bestellten Maschinen erhalten.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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