Wirecard kann nach kritischen Monaten wieder Positives vermelden: Der japanische Telekommunikationsmulti Softbank steigt beim Zahlungsdienstleister ein.

Wirecard

24.04.19
Finanzierungen

Softbank investiert 900 Millionen in Wirecard

Der japanische Telekommunikationskonzern Softbank steigt bei Wirecard ein und investiert knapp 900 Millionen Euro in den Zahlungsdienstleister. Die zuletzt gebeutelte Aktie macht einen Satz nach oben.

Nach wochenlanger negativer Berichterstattung und damit einhergehenden volatilen Kursen kann Wirecard seinen Aktionären wieder gute Nachrichten mitteilen: Der japanische Telekommunikationskonzern und Tech-Investor Softbank will knapp 900 Millionen Euro in den Münchner Zahlungsdienstleister stecken. Das haben beide Parteien am frühen Mittwochmorgen berichtet, nachdem es gestern Abend bereits erste Gerüchte gab.

Die Investition findet über eine Wandelanleihe statt, die nach fünf Jahren zum Wandlungspreis von 130 Euro je Aktie in über 6,9 Millionen Wirecard-Aktien umgewandelt werden kann. Aktuell entspricht dies rund 5,6 Prozent des Grundkapitals. Damit würde Softbank Stand jetzt nach der MB Beteiligungsgesellschaft – dem Investmentvehikel von Wirecard-CEO Markus Braun –, der Investmentbank Goldman Sachs und dem Vermögensverwalter Blackrock viertgrößter Investor der Bayern werden.

Die Ausgabe der Wandelanleihe geschieht unter Ausschluss des Bezugsrechts der gegenwärtigen Aktionäre und muss bei der nächsten Hauptversammlung am 18. Juni genehmigt werden. Noerr LLP und Gibson, Dunn & Crutcher berieten Wirecard rechtlich, Softbank holte sich Credit Suisse als Finanzberater, und Sullivan & Cromwell als Rechtsberater ins Boot.

Wirecard will in Asien expandieren

Zudem gehen die beiden Unternehmen eine strategische Partnerschaft im Bereich digitaler Payment-Lösungen ein. In dem Zuge will Softbank auch Wirecards geografische Expansion nach Japan und Südkorea unterstützen, heißt es.

Softbank soll Wirecard außerdem eine Zusammenarbeit mit seinen Portfoliogesellschaften für digitale Payments, Analytics/AI sowie digitale Finanzdienstleistungen ermöglichen. Softbank ist weltweit an zahlreichen Technologieunternehmen beteiligt, darunter die Gebrauchtwagenplattform Auto1, der Fahrdienst Uber und der US-Mobilfunkriese Sprint. Ein Ausbau der Kooperation im Bereich der digitalen Kreditvergabe steht ebenfalls auf dem Programm, heißt es weiter.

Wirecard-CEO Markus Braun bekräftigt in einer Pressemitteilung die Expansionspläne in Asien und sieht durch die Partnerschaft mit Softbank Chancen „die Märkte für unsere Produkte in Ostasien [zu] erschließen und damit unsere Position in Asien [zu] stärken.“

Wirecard erholt sich von Financial-Times-Drama

Auch Analyst Knut Woller von der Baader Bank wertet den Softbank-Einstieg bei Wirecard und die vereinbarte strategische Partnerschaft positiv. Japan und Südkorea seien noch weiße Flecken auf der Landkarte von Wirecard gewesen. In diesen beiden Ländern könne Wirecard nun mit seinen Produkten vorankommen. Seine starke Umsatzdynamik dürfte Wirecard beibehalten, wenn nicht sogar beschleunigen, erwartet der Analyst.

Die Aktionäre nahmen die neuen Pläne auch sehr positiv auf: Bereits die Gerüchte gestern Abend gaben dem Papier Auftrieb, am heutigen Vormittag schoss es um 9 Prozent auf zeitweise fast 135 Euro nach oben.

Wirecard-Aktie macht Gewinnsprung

Das Investment von Softbank ist auch ein wichtiger Vertrauensbeweis in den bayerischen Zahlungsdienstleister, der in den vergangenen Jahren immer wieder Betrugsvorwürfen ausgesetzt war. In den zurückliegenden Monaten nahm der Druck auf die Münchner immer weiter zu, nachdem ein Journalist der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf interne Wirecard-Dokumente berichtet hatte, dass ein leitender Angestellter Wirecards in Singapur mehrere verdächtige Transaktionen verschleiert haben soll. Der Mitarbeiter soll mittlerweile nicht mehr bei Wirecard tätig sein.

Eine Konsequenz der FT-Berichterstattung war eine Talfahrt des Wirecard-Kurses von rund 167 Euro Ende Januar auf 96 Euro Anfang Februar – dabei wurden knapp 10 Milliarden an Börsenwert vernichtet. Wirecard hat die FT inzwischen auf Schadensersatz verklagt.

Bafin stellt sich hinter Wirecard

Der Kursrutsch nahm solche Ausmaße an, dass sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu einem historischen Schritt genötigt sah: Die Behörde erließ ein Leerverkaufsverbot für die Wirecard-Aktie. Dieses Verbot für sogenannte „Shortseller“ aus dem In- und Ausland hatte Bestand bis vergangenen Donnerstag.

Mittlerweile klagt auch die  Bafin gegen „rund ein Dutzend Personen“, wie das Magazin „Spiegel“ berichtet. Konkret verdächtigt die Bonner Finanzaufsicht FT-Journalisten, „mit mehreren Fonds beziehungsweise einzelnen Investoren gemeinsame Sache gemacht zu haben“.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

 

 

 

 

Wirecard musste sich in den vergangen Monaten immer wieder Shortseller-Attacken erwehren. Im Februar sprach die Bafin ein Leerverkaufsverbot für die Aktie der Münchner aus. Welche Ziele sonst noch in den Blick der Leerverkäufer rückten, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite Shortseller-Attacken.