Ist optimistisch, dass die Restrukturierung wie geplant durchläuft: Solarworld-Chef Frank Asbeck.

Solarworld

29.11.13
Finanzierungen

Trotz Klagen: Solarworld-Restrukturierung wohl nicht in Gefahr

Solarworld kommt nicht zur Ruhe. Die Zustimmung einiger der Anleger, die gegen das im Sommer vereinbarte Restrukturierungspaket geklagt haben, steht noch aus. Das für Februar geplante Closing des Haircut ist nach FINANCE-Informationen aber nicht in Gefahr.

Klageanleger machen Solarworld das Leben schwer, die Restrukturierung des angeschlagenen Solarmodulherstellers dürften sie allerdings nicht gefährden. Aus dem Unternehmensumfeld erfuhr FINANCE, dass es insgesamt neun Einzelanfechtungen des im August beschlossenen Rettungsplans gibt. Sieben dieser Kläger hätten dem Vergleich vor dem Landgericht Köln bereits zugestimmt. Die FAZ hatte zuvor berichtet, dass von den 18 Klägern gegen das im August beschlossene Rettungspaket am gestrigen Donnerstag nur sechs einen Vergleich unterzeichnen wollten.

Der Schuldenschnitt soll bis spätestens Ende Februar abgeschlossen sein. Damit bleiben Solarworld noch einige Wochen Zeit, um die zwei weiteren Kläger von dem Vergleich zu überzeugen. „Unser Zeitplan ist durch die Anfechtungsklagen nicht in Gefahr. Wir haben diese von Anfang an berücksichtigt“, sagte ein Sprecher gegenüber FINANCE. Die Umsetzung des Sanierungsplans gilt auch Experten als Formsache, dennoch bleibt eine Restunsicherheit für Solarworld. Derzeit ist Solarworld mit 843 Millionen Euro an Nettofinanzverbindlichkeiten noch immer hoch verschuldet, nach dem Haircut sollen diese auf 426 Millionen Euro sinken.

Die Neun-Monatszahlen zeigen ein durchwachsenes Bild: Der Konzernumsatz sank um rund 26 Prozent auf 345,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der operative Verlust vor Abschreibungen halbierte sich zwar auf 60,2 Millionen Euro. Doch das ist immer noch erheblich. Immerhin konnte die Cashposition stabilisiert werden.

Bosch-Deal: Solarworld führt altbekannte Strategie fort

Solarworld-CEO Frank Asbeck hatte sich diese Woche wie üblich optimistisch gezeigt: Einem Neustart im Februar stehe nichts im Wege, hatte er gesagt – und am Dienstag direkt schon wieder den  nächsten Coup verkündet: Wie bereits vorab durchgedrungen war, will die angeschlagene Solarworld die Bosch-Solarsparte übernehmen. Der Vertrag ist nun unterzeichnet. Zu einem „symbolischen Preis“ wie es offiziell heißt, gehen die Bosch-Produktionsanlagen in Arnstadt in die Hände von Solarworld.

Der Kauf – für den die Bonner möglicherweise noch eine Mitgift erhalten haben könnte – soll den Neustart für das Unternehmen einleiten. Damit verfolgt Asbeck weiter seine altbekannte Strategie und kauft erneut bei einem Großkonzern zu. Mit den Akquisitionen der Solarsparten von Bayer und Shell und einigen weiteren Zukäufen hatte Asbeck Solarworld groß gemacht.

Nun will er Solarworld mit dem Bosch-Zukauf zu alter Stärke zurückführen. Ob dies gelingt ist fraglich, Solar-Analysten halten das Geschäftsmodell als integrierter Produzent in Deutschland für nicht mehr tragbar. Zunächst gilt es jedoch die letzte Hürde auf dem Weg zum Schuldenschnitt und Neuanfang zu nehmen. Das Closing des Deals ist wie die Restrukturierung für Ende Februar 2014 geplant.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr zur Restrukturierung bei dem Solarmodulhersteller lesen Sie im FINANCE-Schwerpunkt zu Solarworld.