Schon lange ist Vapiano in der Krise. Unter Corona ist die Restaurantkette nun zahlungsunfähig geworden.

Vapiano

20.03.20
Finanzierungen

Vapiano ist zahlungsunfähig

Vor wenigen Tagen hatte Vapiano noch einen Liquiditätsengpass – jetzt ist die Restaurantkette schon zahlungsunfähig. In einem dramatischen Appell bittet Vapiano die Bundesregierung um Hilfe.

In nur wenigen Tagen hat sich die Lage bei Vapiano dramatisch zugespitzt: Aufgrund des „drastischen Umsatz- und Einnahmerückgangs“ infolge der Corona-Krise ist Vapiano zahlungsunfähig. Das teilte die gebeutelte Restaurantkette am heutigen Freitagvormittag mit.

Aufgrund von Corona musste Vapiano inzwischen fast alle der weltweit mehr als 230 Restaurants schließen, in Deutschland sind seit gestern Abend alle 55 Restaurants zu. Deshalb erwirtschaftet die Kette „aktuell fast keine Umsätze mehr“, während Gehälter, Mieten und Betriebskosten weiter anfallen. Für das erste Quartal 2020 rechnet Vapiano daher mit weiteren Umsatzrückgängen von über 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, einem „weiteren signifikanten Anstieg“ des Liquiditätsbedarfs“ und mit einem Rückgang des bereinigen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie des Konzernergebnisses im ersten und zweiten Quartal 2020.

Vapiano braucht dringend frisches Geld

Erst vor wenigen Tagen hatte Vapiano wegen Corona vor Umsatz- und Gewinnrückgängen im ersten und zweiten Quartal gewarnt. Seitdem hat sich die Lage offenbar deutlich verschärft, denn von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit war zu Wochenbeginn noch nicht die Rede.

Vapiano hat ein besonderes Problem: Schon vor dem Anrollen der Virusepidemie war die Gastronomiekette knapp bei Kasse. Bereits vor weniger als einem Jahr musste Vapiano eine Notfinanzierung einfädeln. Diese sollte bis vor wenigen Tagen noch von Banken und Großaktionären aufgestockt werden. Sie hatten der neuen Geldspritze eigentlich schon zugestimmt – doch nachdem der Liquiditätsbedarf durch Corona überraschend stark angestiegen ist, haben die Geldgeber ihre Zustimmung nun davon abhängig gemacht, dass auch der Staat Vapiano Hilfe zukommen lässt.

Bereits Anfang der Woche hatte die Vapiano-Führung um CFO Lutz Scharpe um staatliche Hilfen gebeten. Doch stehen diese wohl nicht so schnell bereit, wie es für das Krisenunternehmen notwendig wäre. Das Instrument des KfW-Unternehmerkredits „KfW-Corona-Hilfe" zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen sei zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht verfügbar, da eine Antragstellung über die dafür zuständigen Hausbanken derzeit noch nicht möglich sei, erklärt das Unternehmen.

FINANCE-Köpfe

Lutz Scharpe, Vapiano SE

Lutz Scharpe beginnt seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Commerzbank in Düsseldorf mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, zwischen 1994 und 1997 folgt ein Trainee-Programm im Bereich Firmenkundenbetreuung. Nach seinem BWL-Studium ist Scharpe 1998 bei Mannesmann als Manager im Bereich Corporate Finance tätig. Im Jahr 2000 gründet er die Investor-Relations- und Kommunikationsberatung IR.on mit, wo er bis 2003 den Posten des Finanzchefs übernimmt.

2003 wechselt Scharpe zur Deutschen Lufthansa. Dort ist er in verschiedenen Positionen tätig, unter anderem als Director Controlling Solutions & M&A bei der Tochter LSG Lufthansa Service, als Director Merger & Acquisitions für den Mutterkonzern und als Finanzchef Nord- und Osteuropa für LSG Sky Chefs Denmark in Kopenhagen. Im Jahr 2010 steigt er zum Europa-CFO der LSG Sky Chefs Europe in London auf. Im Dezember 2015 übernimmt er den Posten als Finanzvorstand bei der Restaurantkette Vapiano, die er im Juni 2017 an die Börse bringt.

zum Profil

Vapiano will Insolvenzantrag abwenden

Daher richtet Vapiano heute einen „dringenden Appell an die deutsche Politik und fordert diese auf, die angekündigten schnellen und unbürokratischen Hilfen und Unterstützungsprogramme für Unternehmen, die von den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 besonders stark betroffen sind, zeitnah umzusetzen“. Man habe in diesem Zusammenhang bereits Briefe an die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und das Bundeswirtschaftsministerium gesandt, „um dem dringenden Handlungsbedarf Ausdruck zu verleihen“. Zudem will Vapiano auch auf europäische Hilfen zurückgreifen.

Die KfW-Hilfe ist der letzte Ausweg für Vapiano: Innerhalb von drei Wochen nach Feststellung des Insolvenzgrunds müssen Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Die geldgebenden Banken und auch die Großaktionäre stünden nach wie vor zum Finanzierungspaket, sofern staatliche Mittel zur Verfügung gestellt würden, wirbt Vapiano um Unterstützung. „Aber ohne sofortige staatliche Unterstützung wird Vapiano nicht überlebensfähig sein und Insolvenz anmelden, was den Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen weltweit zur Folge hätte“, lässt sich CEO Vanessa Hall zitieren.

KfW-Hilfen kommen zu spät an

Eine weiteren Hoffnungsschimmer gibt noch: Das Bundesjustizministerium arbeitet aktuell an einer Regelung, die betroffene Unternehmen von der Insolvenzantragspflicht innerhalb von drei Wochen befreit, damit staatliche Hilfen rechtzeitig ankommen.

Denn Vapiano ist nicht das einzige Unternehmen, das sich bei der staatlichen Hilfe gedulden muss. Wie aus dem Markt verlautet, kommen KfW-Hilfen auch bei anderen Unternehmen teilweise zu spät an, weil Banken auch nach wie vor einen Teil des Risikos selbst tragen und daher auch eine komplette Risikoprüfung machen müssen – das kostet viel Zeit.

Vor allem bei Unternehmen wie Vapiano, die bereits vor Corona in der Krise waren, dürften zeitintensive Prüfungen anstehen. Fakt ist aber auch, dass die staatlichen Hilfen eigentlich nur im Kern gesunden Unternehmen zukommen sollen, die jetzt im Zuge der Coronakrise in Schieflage geraten sind.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Einbrechende Nachfrage, einreißende Lieferketten: Etliche Unternehmen leiden massiv unter den Folgen von Corona. Lesen Sie mehr dazu auf unserer Themenseite zum Coronavirus. Mehr über den Vapiano-CFO finden Sie auf dem Köpfe-Profil von Lutz Scharpe. Mehr zu der kriselnden Restaurantkette lesen Sie auf unserer Themenseite zu Vapiano.