Die Restaurantkette Vapiano braucht dringend 30 Millionen Euro für eine Refinanzierung – doch die Gespräche mit den Geldgebern dauern an.

Vapiano

02.05.19
Finanzierungen

Vapiano verschiebt Jahreszahlen erneut

Vapiano kommt nicht aus der Krise: Die Restaurantkette muss die Veröffentlichung der Jahreszahlen schon wieder verschieben, weil sie sich mit ihren Geldgebern nicht einigen kann.

Eigentlich wollte Vapiano am morgigen Freitag endlich die lang erwarteten Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 präsentieren – doch nun hat die Systemgastronomiekette die Vorlage schon wieder verschoben. Das teilte Vapiano am späten Dienstagabend mit.

Der Grund: Die Finanzierungsgespräche mit den Banken und den drei Großaktionären – Tchibo-Gründer Günter Herz, der über die Vermögensverwaltung Mayfair Anteile gekauft hat, VAP Leipzig und Exchance Bio – sind immer noch nicht beendet. Vapiano verhandelt gerade mit den Geldgebern über eine dringend benötigte Refinanzierung von 30 Millionen Euro. Der Abschluss der Gespräche ist eine Voraussetzung für die Aufstellung der testierten Zahlen.

Die Verhandlungen sollen nun „in Kürze“ beendet werden, heißt es seitens des Unternehmens. Der Jahresabschluss soll daher am 24. Mai veröffentlicht werden. In diesem Zusammenhang wird auch die Hauptversammlung, die am 5. Juni stattfinden sollte, verschoben. Das neue Datum steht noch nicht fest. Es ist bereits das zweite Mal, dass Vapiano die Vorlage der Geschäftszahlen verschiebt, die ursprünglich für den 30. April angekündigt waren.

Vapiano: Gewinnwarnungen und heftiger Kursrutsch

Der Ausgang der Finanzierungsgespräche ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft von Vapiano: Die Restaurantkette wollte das frische Geld für eine „strategische Neuakzentuierung“ nutzen, da Vapiano in den vergangenen Monaten mit hohen Verlusten zu kämpfen hatte. Grund dafür ist unter anderem, dass Vapiano sich mit den Expansionszielen übernommen hat und zu schnell gewachsen ist.

In den zurückliegenden Monaten musste die Restaurantkette mehrere Gewinnwarnungen herausgeben. Die ursprünglichen Umsatzprognose von 390 bis 420 Millionen Euro musste Vapiano mehrfach nach unten korrigieren und erwartet aktuell rund 370 Millionen Euro Umsatz (Vorjahr: 324,7 Millionen Euro). Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liege dann statt wie ursprünglich angepeilt bei 48 bis 54 Millionen Euro nur bei 29 bis 31 Millionen Euro.

FINANCE-Köpfe

Lutz Scharpe, Vapiano SE

Lutz Scharpe beginnt seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Commerzbank in Düsseldorf mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, zwischen 1994 und 1997 folgt ein Trainee-Programm im Bereich Firmenkundenbetreuung. Nach seinem BWL-Studium ist Scharpe 1998 bei Mannesmann als Manager im Bereich Corporate Finance tätig. Im Jahr 2000 gründet er die Investor-Relations- und Kommunikationsberatung IR.on mit, wo er bis 2003 den Posten des Finanzchefs übernimmt.

2003 wechselt Scharpe zur Deutschen Lufthansa. Dort ist er in verschiedenen Positionen tätig, unter anderem als Director Controlling Solutions & M&A bei der Tochter LSG Lufthansa Service, als Director Merger & Acquisitions für den Mutterkonzern und als Finanzchef Nord- und Osteuropa für LSG Sky Chefs Denmark in Kopenhagen. Im Jahr 2010 steigt er zum Europa-CFO der LSG Sky Chefs Europe in London auf. Im Dezember 2015 übernimmt er den Posten als Finanzvorstand bei der Restaurantkette Vapiano, die er im Juni 2017 an die Börse bringt.

zum Profil

Zudem hat Vapiano im zweiten Quartal 2018 die Covenants gebrochen. Laut dem Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2018 lag die Leverage Ratio (net debt zu Ebitda) bei mehr als dem 5-fachen, hätte aber das 3,5-fache nicht überschreiten dürfen.

All diese Entwicklungen haben sich auch auf den Aktienkurs ausgewirkt: Seit dem Börsengang im Jahr 2017 ist die Marktkapitalisierung von 600 auf 160 Millionen Euro zusammengeschrumpft. Auch heute Morgen ging die Aktie weiter auf Talfahrt und steht aktuell bei nur knapp 6 Euro.

Vapiano verschärfte Profitabilitätsmaßnahmen

Mit den finanziellen Schwierigkeiten gingen auch personelle Unruhen einher: CEO Jochen Halfmann verließ Vapiano im November. Für ihn kam im Dezember der ehemalige Starbucks-CEO Cornelius Everke. Einige Wochen später legte Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Tochtermann sein Amt nieder. CFO Lutz Scharpe, der sein Amt seit 2015 inne hat, ist jedoch geblieben.

Der neue Vorstandschef muss gemeinsam mit CFO Scharpe das Ruder herumreißen. Gelingen soll das mit einem neuen Maßnahmenpaket, welches Vapiano bereits 2018 aufgelegt, im Februar aber verschärft hat: Vapiano will unter anderem die Expansion verlangsamen, mehr Franchise-Partner gewinnen und die Menükarte abspecken. Außerdem werden Filialen auf ihre Profitabilität hin überprüft.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Weitere Informationen über den Werdegang des Vapiano-Finanzchefs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Lutz Scharpe.