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Lufthansa: Spohrs Pläne zum Staatsausstieg

Lufthansa will schnell an den M&A-Markt zurück. Foto: Lufthansa

Im August machte der Bund bekannt, dass er 5 Prozent seines Lufthansa-Aktienpakets verkaufen will. Für die Airline ein gutes Zeichen, dass der Bund sie von der Leine lässt. Anschließend würde der Bund über den WSF, der im Sommer 2020 bei der Lufthansa eingestiegen ist, noch 15 Prozent halten. Die Lufthansa schmiedet schon Pläne, was sie danach vorhat, wie CEO Carsten Spohr am Montagabend bei einer Veranstaltung vor Frankfurter Wirtschaftsjournalisten berichtete.

Der Staatsausstieg sei auch deshalb so dringend, weil die Beteiligung von Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz die M&A-Strategie der Airline blockiert. Hintergrund: So lange der WSF beteiligt ist, darf die Airline aus beihilferechtliche Gründen so gut wie keine Zukäufe tätigen, noch nicht mal Joint Ventures sind erlaubt.  „Wenn wir wieder M&A-seitig aktiv werden dürfen, wollen wir auch wieder das Thema Konsolidierung angehen“, sagte der Lufthansa-Chef. Bis Ende 2023 müsse der Staat seine letzte Aktie verkauft haben. In welchen Bereichen die Airline konkret zukaufen will, ließ Spohr offen.

Lufthansa will zwei Sparten loswerden

Aber auch als Verkäufer könnte die Kranich-Airline aktiv werden. So steht der Verkauf von Airplus, ein Spezialist für Reisekostenmanagement, und dem internationalen Cateringgeschäft von LSG Sky Chefs auf der Agenda von Spohr und CFO Remco Steenbergen. „Wir warten hier nur noch auf den richtigen Preis“, sagt Spohr. 2020 hatte Lufthansa bereits das Europageschäft von LSG Sky Chefs an die Gategroup verkauft.

Anders ist die Lage dagegen bei der Gesellschaft Lufthansa Technik, so Spohr. Hier sei der Verkauf komplexer, da es einige regulatorische Vorgaben gebe und noch andere Airlines beteiligt seien. Demnach würde hier höchstens ein Minderheitsverkauf infrage kommen. „Wir wollen das bis Ende des Jahres entscheiden“, erklärte der Lufthansa-Chef.

Die Verkäufe würden dem Konzern, der sich im vergangenen Jahr aus dem Dax verabschieden musste, zu dringend benötigtem Eigenkapital verhelfen. Gleichzeitig steht eine Kapitalerhöhung in der Pipeline. Wie auch FINANCE jüngst berichtete, stehen die Chancen der Airline dafür nicht schlecht. Ob diese noch wie ursprünglich angedacht vor der Bundestagwahl kommt und welches Volumen sie haben wird, wollte Spohr nicht kommentieren. Nur so viel: „ Es gibt auch andere Wege, um das Eigenkapital zu stärken“. So helfe der Bilanz, dass im vergangenen Jahr höhere Verrechnungszinsen für die hohen Pensionsverpflichtungen geltend gemacht werden konnte.

Raus aus den Staatsschulden

Das Eigenkapital ist für die Airline so wichtig, weil sie davon die Staatsschulden refinanzieren will. Insgesamt hat die Airline 9 Milliarden Euro erhalten. 6,8 Milliarden Euro kamen von der deutschen Regierung. Darin enthalten sind neben dem Aktienpaket stille Beteiligungen in Höhe von bis zu 5,5 Milliarden Euro. Das Gros davon (4,5 Milliarden Euro) wird dem Eigenkapital zugerechnet. Insgesamt hat die Airline 2,5 Milliarden Euro von den stillen Beteiligungen gezogen. Den KfW-Kredit über 1 Milliarde hat die Airline mit einer Anleihe bereits im Februar zurückgezahlt. Der Kapitalmarkt spielt bei der Refinanzierung auch insgesamt eine wichtige Rolle: „Wir sind lieber am Kapitalmarkt verschuldet als beim Bund“, sagt der CEO.  

Bei der Geldaufnahme am Kapitalmarkt helfen dürften der Airline die jüngsten Entwicklungen. So kann Lufthansa wieder mehr Destinationen anbieten, dennoch ist sie nur mit knapp 50 Prozent der Kapazitäten im Einsatz. Vor allem die Nachfrage nach Geschäftsreisen in den Regionen DACH und Belgien sei laut Spohr gestiegen. Zudem bringe speziell das Frachtgeschäft gute Gewinne ein, hier rechnet der Konzern mit einem Gewinn von 1 Milliarde Euro. Wegen Corona ächzen die weltweiten Lieferketten. Viele Güter wurden deshalb über Luftfracht versandt. Davon profitierte etwa auch DB Schenker, der Logistiker der Bahn, wie deren CFO Oliver Seidl jüngst in FINANCE berichtete.

Zwar erwartet Spohr, dass Lufthansa im dritten Quartal wieder ein positives Ebitda erzielen kann. Dennoch würde das nicht reichen, um am Jahresende insgesamt wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Mit den Restrukturierungsmaßnamen, die laut Spohr besser liefen als gedacht, „sind wir schätzungsweise Mitte des laufenden Jahrzehnts wieder auf dem Vor-Covid-Niveau“, meint er.

Lufthansa will bis 2050 klimaneutral werden

Neben Bilanzstruktur und Rückzahlung der Staatshilfe bewegt den Lufthansa-CEO ein weiteres Mega-Thema: Die Airline muss nachhaltiger werden und strebt bis 2050 Klimaneutralität an. Dazu will sie die Bereiche Technologie, neue Antriebe wie Wasserstoff und Infrastruktur nutzen. Mit E-Mobilität am Boden, synthetischen Kraftstoffen und neuen Flugezugmodellen will die Airline vorankommen und die CO2-Emission bis 2030 halbieren. Allerdings räumte Spohr ein, dass CO2-Neutralität im eigenen Geschäft wegen technologischer Hürden schwer schneller zu erreichen sei, weshalb die Airline auf längere Sicht auf Kompensations-Modelle für den Klimaausgleich setzen müsse wie Aufforstungsprojekte.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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