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Staat will bei Lufthansa Kasse machen

Lufthansa/Alex Tino Friedel ATF Pictures

Der Bund will nach rund 14 Monaten einen Teil seines Aktienpakets an der Lufthansa wieder verkaufen. Der Einstieg erfolgte damals, um die gebeutelte Airline im Zuge der Coronakrise zu unterstützen. Wie die deutsche Finanzagentur bekanntgab, beginnt der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ab diesem Montag damit, „seine Aktienbeteiligung über mehrere Wochen in Abhängigkeit der Marktbedingungen im begrenzten Umfang, maximal jedoch um ein Viertel zu reduzieren“.

Den Startschuss zum Staatsausstieg begründet der Bund durch „die aktuell kommunizierte positive Unternehmensentwicklung“. Gemeint sind die Halbjahreszahlen, die Lufthansa Anfang August vorgelegt hatte. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf minus 2,1 Milliarden Euro. Der Adjusted Free Cashflow fiel zum ersten Mal seit der Beginn der Krise wieder positiv aus, er lag bei 340 Millionen Euro.

Bund profitiert von deutlichem Wertzuwachs bei Lufthansa

Auf den Markt wirft der Bund bis zu 29,9 Millionen Aktien, die er im Juni 2020 für 2,56 Euro pro Papier erworben hatte. Am Montagmorgen notierten die Papiere bei rund 9 Euro. Basierend darauf würde der Bund damit rund 270 Millionen Euro einnehmen. Zum Vergleich: Beim Einstieg war das Paket rund 76,5 Millionen Euro wert, damit hat der Staat sein Investment mehr als verdreifacht. Die Aktie der Airline leidet unter der Ankündigung und sackt am Montagnachmittag auf rund 8,80 Euro ab, den tiefsten Stand seit Dezember 2020.

Nach dem Verkauf der Aktien würde der WSF noch 15 Prozent an der Airline halten – 5 Prozent weniger als bislang. Der Zeitpunkt kommt für einige Marktbeobachter überraschend. „Es hat den Anschein, als wolle die Regierung vor der Wahl im September einen Teil ihrer enormen Buchgewinne realisieren, um zu zeigen, dass das Geld der Steuerzahler eine gute Rendite gebracht hat“, sagt ein Börsenhändler gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

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Die Lufthansa steckt in einer schweren Krise. Nun will der Staat einen Teil seines Aktienpakets verkaufen. 

Lufthansa hatte im Zuge der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie von der Bundesregierung vor rund einem Jahr 6,8 Milliarden Euro zugesichert bekommen – 5,5 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage, 300 Millionen Euro als Aktienbeteiligung des WSF sowie ein KfW-Kredit über 1 Milliarde Euro, den die Airline bereits getilgt hat. Inklusive Hilfen aus anderen Ländern standen der Lufthansa 9 Milliarden Euro zur Verfügung, von denen derzeit 4 Milliarden Euro in Anspruch genommen werden.

Lufthansa-Kapitalerhöhung könnte kleiner ausfallen

Druck hatte der Bund bisher mit dem Ausstieg nicht. Im WSF-Rahmenvertrag ist geregelt, dass er erst seine Anteile abgeben muss, wenn Lufthansa alle Staatshilfen zurückgezahlt hat. Die Lufthansa will die Staatshilfe schnellstmöglichst zurückzahlen. Dazu soll eine Mega-Kapitalerhöhung dienen

Doch gerade durch die neue Delta-Virusvariante blicken Investoren skeptisch auf den Luftfahrtmarkt. Bei Vorlage der Halbjahreszahlen machte CFO Remco Steenbergen Äußerungen, dass die Kapitalerhöhung kleiner ausfallen könnte als die zuletzt kolportierten 3 bis 4 Milliarden Euro. Stattdessen wird jetzt über 1 bis 2 Milliarden Euro spekuliert. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bremste zudem die Erwartungen, was das Timing angeht. „Ich habe ja gesagt, dass wir die Staatshilfe möglichst vor der Wahl zurückzahlen wollen. Das Wort möglichst stand nicht ohne Grund in dem Satz.“

Zeichnet der Bund erneut?

Der jetzige Teilausstieg des Bundes unterstützt die Pläne für die Kapitalmaßnahme allerdings wieder. Der Bund hat nach dem Verkauf der Papiere die Möglichkeit, bei einer Kapitalerhöhung wieder mitzuzeichnen. „Im Rahmen der bestehenden Stabilisierungsmaßnahmen wird der WSF die DLH weiterhin entsprechend seiner Position als wesentlicher Aktionär begleiten“, machte der WSF in der Mitteilung nochmal deutlich.

sarah.backhaus@finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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