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Lufthansa ist frei vom WSF

Der Bund ist vollständig bei der Lufthansa ausgestiegen - mit einem hohen Gewinn.
Der Bund ist vollständig bei der Lufthansa ausgestiegen - mit einem hohen Gewinn. Foto: Tupungato - stock.adobe.com

Das Kapitel Staatshilfen bei der Lufthansa ist beendet – und das früher als gedacht. Wie die Finanzagentur des Bundes am Dienstagabend mitteilte, hat der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) die restlichen 74,4 Millionen Lufthansa-Aktien für insgesamt 455 Millionen Euro bei internationalen Investoren platziert. Der Bund hatte bislang mitgeteilt, bis zum Herbst 2023 bei der Lufthansa aussteigen zu wollen.

Im Zuge der Coronakrise war der Bund 2020 über den WSF bei der Lufthansa eingestiegen, damals hatte der Staat 20 Prozent an der Airline erworben und dafür 300 Millionen Euro investiert. Gekauft hatte der WSF die Aktien zu dem Zeitpunkt zu je 2,56 Euro.

Das war allerdings nur ein Bestandteil der damaligen Stabilisierungsmaßnahmen. Der Bund stellte der Airline außerdem stille Einlagen zur Verfügung, die Airline nutzte zudem einen KfW-Kredit. Insgesamt belief sich der Stabilisierungsrahmen auf 9 Milliarden Euro, der allerdings nicht annähernd ausgeschöpft wurde. Das Ziel der Kraniche war, die Staatshilfen möglichst schnell zurückzuzahlen, was auch gelang: Die stillen Einlagen hat die Lufthansa im Herbst 2021 vollständig getilgt. Die direkte Aktienbeteiligung war die letzte verbliebene Stabilisierungsmaßnahme.

Bund macht durch Ausstieg 760 Millionen Euro Gewinn

Für den Bund war das Investment in die Lufthansa extrem lohnenswert: Inklusive der jetzt verkauften letzten Anteile hat der WSF insgesamt 1,07 Milliarden Euro erzielt, woraus sich ein Gewinn von 760 Millionen Euro errechnet. Das letzte Aktienpaket von 6,2 Prozent platzierten die Deutsche Bank und Goldman Sachs zum Preis von 6,11 Euro je Aktie. Das sind 3,4 Prozent weniger als der XETRA-Schlusskurs vom Dienstag von 6,32 Euro.

Bereits im Juli dieses Jahres hatte der Bund seine Lufthansa-Anteile auf unter zehn Prozent reduziert. Kurz zuvor hatte der Milliardär und Investor Klaus-Michael Kühne sein Aktienpaket von 10 auf 15 Prozent erhöht und war damit zum größten Aktionär des Carriers aufgestiegen. Seitdem hat der Bund offenbar weitere Aktien in kleineren Stückzahlen auf den Markt geworfen und seinen Anteil weiter abgeschmolzen. Kühne nutzt jetzt den Ausstieg des Bundes und stockt seine Beteiligung an der Lufthansa auf 17,5 Prozent auf.

Im Mai dieses Jahres wurde zudem bekannt, dass die Lufthansa einen Teilverkauf ihrer Technik-Sparte plant. Das Unternehmen will dabei offenbar rund 20 Prozent seiner Anteile an der Tochter veräußern. Da Lufthansa Technik mit 5 bis 8 Milliarden Euro bewertet werden könnte, dürften dem Carrier bei einem Deal Milliarden zufließen.

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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