Newsletter

Abonnements

Bund hält unter 10 Prozent an Lufthansa

Die Bundesregierung verkauft einen Teil ihrer Aktienbeteiligung der Lufthansa und rutscht unter die 10-Prozent-Marke. Foto: Lufthansa
Die Bundesregierung verkauft einen Teil ihrer Aktienbeteiligung der Lufthansa und rutscht unter die 10-Prozent-Marke. Foto: Lufthansa

Die Bundesregierung hat ihre Aktienbeteiligung an der Lufthansa auf weniger als 10 Prozent reduziert. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung befände sich damit auf der Zielgeraden, die Stabilisierungsmaßnahme erfolgreich zu beenden, teilte die zuständige Bundesbehörde mit.

Bund muss bis Oktober alle Lufthansa-Anteile verkaufen

„Bereits jetzt übersteigen die Erlöse aus der Veräußerung den zum Erwerb der Beteiligung eingesetzten Betrag“, sagte Jutta Dönges, Geschäftsführerin der Finanzagentur. Damit ließe sich bereits vor Verkauf der gesamten Beteiligung, die die Bundesregierung der durch die Coronakrise schwer getroffenen Airline bereitstellte, eine positive Bilanz ziehen. Der WSF hatte sich mit 300 Millionen Euro beteiligt.

Anfänglich hatte sich der Anteil auf 20 Prozent beziffert, zwischenzeitlich war er auf 14,09 Prozent abgesunken. Im Juli war der Unternehmer Klaus-Michael Kühne nach der Aufstockung seines Anteils von 10 auf 15 Prozent zum größten Einzelaktionär des Unternehmens aufgestiegen. Nach dem jetzigen Teilverkauf plant der Bund spätestens im Oktober 2023 mit der Veräußerung der verbliebenen Anteile. Ziel sei nämlich, so betonte Finanzminister Christian Lindner wiederholend, „dass der Staat sich aus Beteiligungen möglichst schnell zurückziehen muss“.

Bund verkaufte erste Lufthansa-Aktien bereits 2021

Lindners Vorgänger und jetziger Bundeskanzler Olaf Scholz hatte bereits vergangenen August, also 14 Monate nach dem Einstieg der Bundesregierung in Deutschlands größtes Luftfahrtunternehmen, den ersten Teilverkauf der Anteile eingeläutet. Damals wollte Berlin „seine Aktienbeteiligung über mehrere Wochen in Abhängigkeit der Marktbedingungen im begrenzten Umfang, maximal jedoch um ein Viertel zu reduzieren“.

Im Oktober 2021 zahlte die Lufthansa bereits die erste stille Einlage zurück. Nur einen Monat später war der Lufthansa dann die vollständige Rückzahlung der direkten Staatshilfe gelungen.

Bund kam Lufthansa im Frühjahr 2020 zur Hilfe

Die Beteiligung der Bundesregierung war im Juni 2020 vollzogen worden. Durch Lockdown und weltweite Maßnahmen zur Reisebeschränkung waren praktisch keine Flugverbindungen mehr möglich. Nach zähen und langen Verhandlungen arrangierten Lufthansa und Vertreter des WSF einen Deal zur Rettung der Airline. Knackpunkt waren damals die Entscheidungsbefugnisse, die Berlin durch die Staatsbeteiligung eingeräumt würden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr präferierte lediglich eine stille Teilhabe. Im Endeffekt einigte man sich auf eine Kombination aus Maßnahmen.

Aus gesundheitlichen Gründen verließ dann auch noch der CFO Ulrik Svensson inmitten der Wirren der Coronakrise das Unternehmen. Bis Anfang 2021 der jetzige Finanzvorstand Remco Steenbergen seinen Posten antrat, versuchte die Lufthansa es mit einer Interimslösung.

Steenbergen schaffte es durch Kapitalerhöhung, Bond-Platzierung und anderen Maßnahmen den Schuldenberg der Lufthansa allmählich abzubauen. Durch seine Mithilfe konnte das Unternehmen die vom CEO Spohr im September 2021 verkündeten Ziele bereits früher erreichen als angenommen. Falls es in diesem Tempo weitergeht, könnte sich der Staat bereits vor Oktober 2023 aus dem Unternehmen zurückziehen.

Wie sich die Beteiligung des Bundes an der Lufthansa entwickelt, ist auch angesichts des jüngst geschnürten Rettungspakets für Uniper interessant. Dabei plant die Bundesregierung eine Beteiligung von 30 Prozent an dem kriselnden Energiekonzern.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

jan.schuermann@faz-bm.de | + posts

Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

Augenöffner für Finanzentscheider
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022
Jetzt Insights sichern »
Jetzt lesen »
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022