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Lufthansa startet mit Kapitalerhöhung

Die Deutsche Lufthansa startet am 22. September mit der geplanten Kapitalerhöhung. Foto: Alex Tino Friedel ATF Pictures

Starterlaubnis vom Aufsichtsrat: Die Deutsche Lufthansa beginnt mit ihrer lang geplanten Kapitalerhöhung, wie die Airline am Sonntag nach einer Sitzung des Gremiums mitteilte. Wie berichtet, will Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit dem zusätzlichen Geld den zügigen Ausstieg aus den Staatshilfen vorantreiben, die die Lufthansa im Zuge der Corona-Pandemie bekommen hatte.

Damit verfehlt der Lufthansa-Chef sein ursprüngliches Ziel, die Rückzahlung der Mittel vor der Bundestagswahl am 26. September zu schaffen: Die Aktionäre sollen vom 22. September bis zum 5. Oktober von ihren Bezugsrechten Gebrauch machen können. Angeboten bekommen sie die neuen Aktien zum Preis von 3,58 Euro. Das entspricht einem Abschlag von 39,3 Prozent auf den TERP (theoretischer Bezugsrechtspreis nach einer Kapitalerhöhung) je neuer Aktie. Derzeit notieren die Papiere der Airline bei 8,40 Euro.

Kapitalerhöhung: Lufthansa will 2,1 Milliarden Euro einnehmen

Von der Kapitalerhöhung erhofft sich Lufthansa so einen Bruttoemissionserlös von 2,14 Milliarden Euro, wie es in der Mitteilung heißt. Ursprünglich war das Management mit deutlich höheren Erwartungen ins Rennen gegangen, mit dem genannten Ziel von bis zu 3 Milliarden Euro jedoch auf eher zurückhaltende Investoren gestoßen. Mit dem nun festgelegten Ziel kommt Lufthansa-CFO Remco Steenbergen den Geldgebern nun ein Stück entgegen.

Wie viele Aktionäre die Kapitalerhöhung mitgehen, bleibt indes noch abzuwarten. Dass diese auf der Zielgeraden doch noch scheitern könnte, ist jedoch fast ausgeschlossen, weil sich die Lufthansa umfangreiche Zusagen von wichtigen Investoren gesichert hat.

So wird die Transaktion von einem Konsortium aus 14 Banken vollständig garantiert. Neben den Vorstandsmitgliedern der Airline, die ihre Bezugsrechte vollständig ausüben wollen, haben sich auch mehrere Investmentfonds von Investor Blackrock in einem Sub-Underwriting-Vertrag verpflichtet, ihrer Bezugsrechte im Gesamtwert von mehr als 300 Millionen Euro voll auszuüben.

Die Lufthansa will WSF-Mittel zurückzahlen

Mit dem zusätzlichen Eigenkapital will die Kranich-Airline die 1,5 Milliarden Euro aus der Stillen Einlage I des Währungsstabilisierungsfonds (WSF) zurückzahlen und plant zudem, bis Ende 2021 den bisher nicht gezogenen Anteil von 1 Milliarde Euro zu kündigen. Auch die weitere Milliarde an Schulden aus der Stillen Einlage II wolle die Lufthansa bis zum Jahresende vollständig tilgen, heißt es. Einen Kredit der KfW über 1 Milliarde hatte die Lufthansa bereits im Februar mit dem Erlös einer Anleihe zurückgezahlt.

Aktuell halte der Bund über den WSF 16 Prozent am Grundkapital der Lufthansa, heißt es seitens der Fluglinie. Im August hatte der Bund den Verkauf von 5 Prozent seines damaligen 20-Prozent-Aktienpakets angekündigt und der Airline damit signalisiert, die Beteiligung langsam zu reduzieren und wieder mehr Spielräume zuzulassen.

Das mit dem Anteilsverkauf erlöste Geld darf der Bund jedoch zunächst in einer sogenannten „Opération blanche“ dazu nutzen, neue Aktien zu erwerben und damit die Verwässerung seiner Anteile zu verhindern. Ob der Bund bei der Kapitalerhöhung noch mitzieht oder sich verwässern lässt, ist derzeit nicht bekannt. Der Staat habe sich jedoch verpflichtet, spätestens sechs Monate nach Abschluss der Kapitalerhöhung mit dem Verkauf seiner Anteile zu beginnen. Dieser müsse nach 24 Monaten abgeschlossen sein müsse, teilte Lufthansa mit.

Durch die Kapitalerhöhung optimiert die Lufthansa auch ihre Kapitalstruktur und richtet diese auf Nach-Corona-Zeiten aus. So sinkt die Liquidität laut einer Investorenpräsentation von 11,1 Milliarden Euro per Ende Juni nach Rückzahlung der Bundeshilfen auf 7,7 Milliarden Euro (Pro Forma).

Gibt es wieder M&A-Deals?

Durch die Rückzahlung der WSF-Mittel erhält die Lufthansa deutlich mehr unternehmerische Eigenständigkeit. Die Rückzahlung der Staatshilfen mit Hilfe der überlebenswichtigen Kapitalerhöhung soll der Airline wieder Handlungsspielraum beim Thema M&A eröffnen. Solange der WSF an der Lufthansa beteiligt ist, darf diese nämlich aus beihilferechtlichen Gründen weder Zu- oder Verkäufe tätigen, noch Joint Ventures eingehen.

Dabei will die Airline zunächst vor allem auf Verkäuferseite aktiv werden. So erörtert die Kranichlinie unter anderem Verkäufe ihrer Töchter Airplus, ein Spezialist für Reisekostenmanagement, und des internationalen Cateringgeschäfts um LSG Sky Chefs. Auch ein möglicher Verkauf von Teilen ihrer Technik-Tochter, die mit William Willms gerade einen neuen CFO bekommen hat, werde geprüft, heißt es.

Für die Zeit nach der Coronakrise sieht Lufthansa-Chef Spohr seine Airline auf dem richtigen Weg und hat auch eine Strategie vorgelegt, um die Kranich-Linie zurück zu alter Stärke zu bringen. Neben den M&A-Maßnahmen plant die Airline für die Jahre 2023/24 mit einem bereinigten Free Cash Flow von je 2 Milliarden Euro.

Lufthansa will zurück ins Investmentgrade

Ziel der manigfaltigen Aktivitäten ist mittelfristig eine Rückkehr ins Investmentgrade. Die US-Ratinghäuser Standard & Poor’s (BB-) und Moody’s (Ba2) sehen die Lufthansa derzeit deutlich außerhalb einer Top-Bonität, der Ausblick ist zudem negativ. Wichtig wird hierfür sein, die bereinigte Nettoverschuldung gemessen am bereinigten Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) von derzeit 3,8x zu reduzieren. Durch die Kapitalerhöhung soll dieser Wert auf 3,4x sinken.

Mit den Restrukturierungsmaßnamen hofft Lufthansachef Spohr zudem das Ergebnis in drei bis vier Jahren wieder auf das Vor-Covid-Niveau hieven zu können. Bis dahin dürfte es jedoch noch ein langer Weg sein. Zwar zogen die Buchungszahlen der Airline in den vergangenen Monaten wieder deutlich an und auch das Frachtgeschäft lieferte zuletzt gute Zahlen. Dennoch sind aktuell nur rund die Hälfte der Kapazitäten aus der Zeit vor Corona ausgelastet.

Für das dritte Quartal rechnet die Airline immerhin wieder mit einem positiven Ebtida. Für schwarze Zahlen noch in diesem Jahr dürfte es allerdings nicht mehr reichen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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