Freenet will wegen der Coronakrise seine Dividendenzahlung aussetzen.

Freenet

04.05.20
Finanzierungen

Wegen Schuldschein: Freenet streicht Dividende

Freenet-CFO Ingo Arnold streicht die Dividende zusammen, um für anstehende Schuldscheinfälligkeiten gerüstet zu sein. Der Markt quittiert die Vorsicht des CFOs mit einem Kurssturz.

Ingo Arnold geht auf Nummer sicher: Um die Refinanzierungsrisiken zu reduzieren, streicht der CFO des Telekomkonzerns Freenet die Dividende weitgehend zusammen. Statt einst angepeilter 1,65 Euro je Aktie will Freenet jetzt nur noch 4 Cent je Aktie ausschütten.

Eigentlich lautet die Dividendenphilosophie der Norddeutschen, mindestens 80 Prozent des Free Cashflows auszukehren. Diesen weisen die Büdelsdorfer für 2019 mit 249 Millionen Euro aus, woraus sich eine Ausschüttung von knapp 200 Millionen Euro errechnet hätte. Freenet erklärt diesen Schritt aber gleich zur einmaligen Ausnahme: „Für die Zukunft steht das Unternehmen zu seiner aktuellen Dividendenpolitik.“

Freenet muss Schuldscheine refinanzieren

Der Grund für die Dividendenstreichung: Freenet fürchtet, dass es an den Märkten wegen des Coronavirus zu Störungen kommen könnte, die Refinanzierungsmaßnahmen erschweren. Dies träfe den Telekomanbieter zu einem fragilen Zeitpunkt: Im Oktober dieses Jahres und im kommenden März muss Freenet Schuldscheine im Wert von 700 Millionen Euro zurückzahlen. Die Analysten vom Bankhaus Lampe bezeichnen den Schritt als „überraschend“. Sie mutmaßen, dass die Freenet-Führung „wahrscheinlich“ fürchte, dass die Finanzierungskonditionen „zu teuer“ werden könnten, falls die Verschuldung im Vorfeld nicht gesenkt werde.

Insgesamt wies Freenet per Ende 2019 Verbindlichkeiten aus Schuldscheindarlehen in Höhe von knapp 1,1 Milliarden Euro aus. Diese Summe verteilt sich auf Schuldscheine, die das Unternehmen in den Jahren 2015, 2016 und 2018 emittiert hat. Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben die Büdelsdorfer außerdem einen Schuldschein in Höhe von 376 Millionen Euro aufgenommen. 31 Millionen Euro hat Freenet im vergangenen Jahr aus dem im Jahr 2016 begebenen Schuldschein zurückgezahlt.

FINANCE-Köpfe

Ingo Arnold, Freenet AG

Ingo Arnold beginnt seine berufliche Laufbahn im Treasury des Konsumgüterherstellers Henkel, wo er mehr als zehn Jahre unterschiedliche Finanzfunktionen besetzt. Danach wechselt er für drei Jahre zu dem Energiekonzern Veba Oil & Gas, um dort das Treasury zu leiten.

Im Jahr 2001 verschlägt es Arnold in die Telekommunikationsbranche zum Mobilfunker Debitel, wo er eine leitende Position bekleidet. 2008 kauft Freenet den Wettbewerber Debitel vom Finanzinvestor Permira. Im Zuge des M&A-Deals steigt Arnold bei Freenet ein, zunächst als Leiter Controlling & Treasury, später übernimmt er die Führung der Ressorts Finance und Investor Relations. Im Januar 2019 tritt Arnold das Amt als Finanzvorstand von Freenet an.

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Geld für Schuldschein im Herbst ist da

An Verbindlichkeiten aus Schuldscheindarlehen werden 258 Millionen Euro noch in diesem Jahr fällig, weitere 428 Millionen Euro müssen im Jahr 2021 getilgt werden, präzisierte ein Unternehmenssprecher auf FINANCE-Nachfrage die Fälligkeiten. Die restlichen Beträge fallen zwischen 2022 und 2026 an. Die gesamte Nettofinanzverschuldung des Mobilfunkanbieters belief sich zum 31. Dezember 2019 auf etwas mehr als 2 Milliarden Euro.

Gerechnet auf die rund 128 Millionen ausstehenden Aktien spart die Dividendenkürzung dem Unternehmen rund 205 Millionen Euro. Damit wäre die Fälligkeit im Herbst nahezu abgedeckt, selbst ohne den Free Cashflow gerechnet, den Freenet auch jetzt noch in seinem kaum von Corona betroffenen Tagesgeschäft erzielt. So wuchs der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,3 Prozent auf 648,8 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb nahezu unverändert bei 109,2 Millionen Euro. Die Jahresprognose bleibt unangetastet.

Aktionäre strafen Vorsicht von Freenet ab

Trotzdem reagierten die Aktionäre verärgert auf die Kürzung der Dividende: Der Aktienkurs rutschte heute von über 17 auf zeitweise unter 15 Euro ab. Zu Jahresbeginn lag das Freenet-Papier sogar noch bei über 21 Euro.

olivia.harder[at]finance.magazin.de

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