Erneut kommt eine spektakuläre CFO-Meldung aus dem Hause Aumovio: Finanzchefin Jutta Dönges legt ihr Vorstandsamt mit Ablauf des heutigen Mittwochs nieder und verlässt den Autozulieferer Ende Oktober. Dönges wolle sich neuen beruflichen Herausforderungen widmen, teilte das Unternehmen mit. „Der Aufsichtsrat nimmt diese Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis und dankt Frau Dr. Dönges für ihren wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Unternehmens“, heißt es in einer Mitteilung.
Damit findet Aumovio erneut keine Ruhe auf dem CFO-Posten. Dönges ist erst seit November 2025 im Amt. Sie war vom Energiekonzern Uniper zu dem Unternehmen gewechselt. Damals war sie Karin Dohm gefolgt, die nur wenige Wochen für Aumovio tätig gewesen war und sich krankheitsbedingt zurückgezogen hatte. Später wurde Dohm Finanzchefin der Deutschen Bahn, wo sie ebenfalls nur kurze Zeit blieb.
Gab es Streit zwischen CEO und CFO?
Zuletzt hatte es bereits Gerüchte gegeben, wonach es zwischen CFO Dönges und CEO Philipp von Hirschheydt geknirscht haben soll. Der frühere WestLB-Banker gilt ebenfalls als Finanzexperte und soll sich gern auch mit Details aus dem CFO-Bereich beschäftigen.
Bis zur dauerhaften Neubesetzung des Finanzressorts übernimmt CEO von Hirschheydt zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben die Verantwortung für das Ressort im Vorstand. Claus Bauer, Mitglied des Aufsichtsrats von Aumovio und ehemaliger CFO der Schaeffler-Gruppe, springt zudem ein: Er soll spätestens Anfang November interimistisch als Head of Finance die Finanzfunktion leiten und dabei eng mit von Hirschheydt zusammenarbeiten, wie das Unternehmen mitteilt.
Bauer werde für die Dauer dieser Aufgabe seine Mitgliedschaft im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats niederlegen. Der Aufsichtsrat habe den Prozess zur langfristigen Besetzung der CFO-Position bereits eingeleitet.
Auffällig warme Abschiedsworte
CFO Dönges wird trotz ihrer kurzen Amtszeit mit auffällig warmen Worten verabschiedet: „Jutta Dönges hat Aumovio in einer entscheidenden Phase nach der Verselbstständigung mit hoher fachlicher Kompetenz, großer Klarheit und außerordentlichem Engagement geprägt“, wird Stefan Buchner, Vorsitzender des Aufsichtsrats, zitiert. „Ich danke Jutta Dönges persönlich für die intensive Zusammenarbeit und wünsche ihr für die Zukunft alles Gute“, kommentiert Aumovio-Chef von Hirschheydt den Abschied seiner Finanzvorständin.
Trotz dieser Worte lässt sich kaum leugnen, dass sich der Continental-Spin-off zum Schleudersitz für CFOs entwickelt. Die frühere Automotive-Sparte von Continental wurde erst 2025 gegründet und muss nun bereits zum dritten Mal den CFO-Posten besetzen. Den Börsengang im September vergangenen Jahres zog der Konzern ohne Finanzvorstand durch. Der Weggang von Dohm geschah unter besonderen Umständen, der schnelle Abschied von Dönges wirft nun jedoch kein gutes Licht auf das Unternehmen.
Aumovio dürfte damit inzwischen zu den anspruchsvollsten CFO-Mandaten in Deutschland zählen. Der Zulieferer ist von der branchenweiten Krise voll erfasst und muss mit Sparprogrammen gegensteuern. Bislang greifen diese jedoch nicht: Der Umsatz ging im ersten Halbjahr um 9 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro zurück. Der unbereinigte operative Verlust (Ebit) lag bei 470 Millionen Euro.
Jakob Eich ist Chef vom Dienst des Printmagazins FINANCE und arbeitet parallel für das Schwestermedium DerTreasurer. Beide Publikationen gehören zum Fachverlag F.A.Z Business Media, bei dem der gebürtige Schleswig-Holsteiner auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Erste journalistische Erfahrungen sammelte der Journalist in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost.
