Wer sich in Deutschland mit Tech befasst, kommt um Sascha Pfeiffer kaum herum. Der 49-Jährige leitet nicht nur das europäische Tech-Team der Investmentbank Houlihan Lokey, sondern ist auch noch ein echter Branchenveteran. Ein traditioneller Banker-Karriereweg hat ihn auf den Posten befördert, den er heute ausfüllt. Aber er hatte auch das Glück, gleich zwei Mal zur richtigen Zeit auf das richtige Pferd gesetzt zu haben.
Gefordert werden von ihm aber nicht nur tiefes Tech-Wissen und das fehlerfreie Beherrschen des Einmaleins der M&A-Beratung, er muss sich im harten M&A-Geschäft auch als Führungskraft behaupten. Dabei zahlt er den Preis, dass er nicht selten aneckt. Unser nächster Top-Dealmaker Deutschlands.
Sascha Pfeiffer startete bei Close Brothers
Pfeiffers Karriere begann traditionell. Aufgewachsen in der Kurpfalz, in der Nähe von Heidelberg, zog es ihn für das BWL-Studium ins nahegelegene Mannheim. Seine erste Station im Investmentbanking war Close Brothers, wo er sich FINANCE-Informationen zufolge auf die einzige jemals geschaltete Job-Anzeige beworben hatte. Dort blieb er insgesamt zwölf Jahre lang. Als die Corporate-Finance-Beratung von der japanischen Gesellschaft Daiwa übernommen wurde, stand für Pfeiffer die erste berufliche Veränderung im Zuge einer Übernahme an – und es sollte nicht die letzte bleiben.
Beim neuen Arbeitgeber, der bis heute unter dem Namen DC Advisory firmiert, arbeitete er sich weiter die Karriereleiter nach oben. Im Jahr 2006, mit damals vergleichsweise jungen 32 Jahren, holte das Beratungshaus ihn in die Partnerriege. Doch dort machte Pfeiffer nicht halt. Seine Karriere geprägt haben zwei „Goldadern“, die er in den frühen Jahren seiner Karriere entdeckt hat, sagt Pfeiffer heute rückblickend.
„Ich hatte einfach ein Bauchgefühl, dass im Tech-Sektor mehr steckt.“
Sascha Pfeiffer, Houlihan Lokey
Die erste: das Tech-Geschäft. Als Pfeiffer in der M&A-Beratung durchstartete, hatten Tech-Firmen keinen guten Ruf. Anfang der 2000er Jahre, nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes, wollten sich kaum Berater mit Tech-Themen befassen. Viele scheinbar verheißungsvollen Equity Stories hatten sich nach dem Börsengang – oder davor – als heiße Luft erwiesen. Nach der Internet-Goldgräberstimmung stürzten sich Investmentbanken und M&A-Boutiquen eher auf Mandate in klassischen Industrien wie Maschinenbau, Automotive und Co., die stabile Cashflows versprachen. Ein „Exotenthema“ wie Tech kam für etablierte Häuser zu dieser Zeit nicht infrage.
Tech und Digitales reizen Sascha Pfeiffer
Nicht so bei Pfeiffer: Der M&A-Berater, der schon in seiner Jugend digitalaffin war, bekam die ungeliebten Tech-Projekte zunächst von Vorgesetzten „aufgedrückt”, fand aber schnell Gefallen an ihnen. „Ich hatte einfach ein Bauchgefühl, dass in dem Sektor mehr steckt. Außerdem hatte ich mich schon in die Thematik eingearbeitet, das sollte nicht umsonst gewesen sein“, berichtet Pfeiffer.
„Sascha Pfeiffer hat ein sehr gutes Gespür für die großen Themen und Trends, er denkt voraus und folgt nicht Moden“, bestätigt Pfeiffers Weggefährte und heutiger Unternehmer Ernst von Freyberg, der damals CEO von Close Brothers in Deutschland war.
Zum Glück für ihn: Mit dem Erfolg von Amazon, Facebook, Apple und Co. sind Tech-Mandate im M&A-Bereich ein begehrtes Wachstumsfeld. Die Mandate sind in dem Sektor, der auch in Deutschland immer wieder spannende Anbieter hervorbringt, so prestigeträchtig wie lukrativ.
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Pfeiffer folgte dem Ruf von Altium Capital
Für die zweite Goldader führt der Weg nach London. Dort war Pfeiffer um 2005 für Close Brothers für eine Zeitlang stationiert. Seine Mission: sich anschauen, wie die Private-Equity-Fonds dort ihr Geschäft betreiben – und aus den Beobachtungen Ableitungen für den deutschen Markt ziehen. Damals war das Private-Equity-Business in Deutschland weniger präsent. Und schon wieder setzte Pfeiffer auf das richtige Pferd, für das er und sein Team bis heute bekannt sind – die Beratung der „Financial Sponsors”.
Während ihm die Themen viel Spaß machten, gefielen ihm die Strukturen, in denen er arbeiten musste, weniger. „Unser Chef saß in Tokio, wir hatten keine Verbindung zu ihm. Außerdem fühlte sich die Arbeit damals sehr ‚konzernig‘ an“, erinnert sich Pfeiffer zurück. Da kam der Ruf der M&A-Beratung Altium gerade recht: 2013 wechselte der M&A-Berater und dreifache Familienvater zu Altium Capital, um deren Frankfurter Standort zu leiten. Die etwas in die Jahre gekommene Einheit brachte er mit seinem Weggefährten und Freund Alexander Grünwald, heute europäischer Co-Head of Corporate Finance bei Houlihan Lokey, wieder auf Vordermann.
Pfeiffer ist ein Treiber der GCA/Houlihan-Fusion
Hunger nach Weiterentwicklung und Wachstum sowie keine Angst davor, große Umbrüche zu riskieren, waren schon damals Treiber in Pfeiffers Karriere – und ziehen sich wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf. Rund drei Jahre nach Pfeiffers Wechsel zu Altium schlossen sich Altium und GCA Savvian zu GCA Altium zusammen, um neue Regionen und Deal-Volumina zu erschließen. Die Firma wuchs und gedieh, jedoch nicht überall gleichermaßen. Das deutsche Beratungsgeschäft entwickelte sich laut Pfeiffer prächtig, doch in anderen Regionen wie USA oder Japan stagnierte das Geschäft.
Was also tun? Als Mitglied des globalen Boards kam Pfeiffer die Idee, sich einen passenden Partner zu suchen, der die Wachstumsambitionen mittragen sollte. „Sascha Pfeiffer war von Anfang an jemand, der ein Problem anspricht und zugleich einen Lösungsvorschlag macht. Er hat sehr bald, und das liegt in seiner Natur, Verantwortung für die Firma und für jüngere Kollegen übernommen“, sagt von Freyberg. Wie passend, dass just in dem Moment Houlihan Lokey die Fühler nach GCA ausstreckte. Pfeiffer und seine Board-Kollegen haben den Zusammenschluss nach eigener Aussage mit getrieben – den ersten Schritt habe aber Houlihan Lokey gemacht.
Das Ergebnis von eineinhalb Jahren Herantasten, Vorfühlen und Verhandeln mündete im Sommer 2021 im Zusammenschluss beider Beratungsfirmen. Wenige Monate später verschwand GCA Altium als Marke von der Bildfläche. Einige werden sich womöglich noch immer dabei erwischen, aus dem Midcap-Monitor von GCA zitieren zu wollen, einem regelmäßig erscheinenden Überblick des Leveraged-Finance-Markts und quasi Pflichtlektüre für alle LBO-Interessierten aus der Feder des ehemaligen GCA-Debt-Advisory-Teams um Norbert Schmitz und Thorsten Weber. Der Monitor existiert heute immer noch, jetzt aber unter der Marke Houlihan Lokey.
Houlihan muss nach GCA-Deal Abgänge verkraften
Doch während die Fusion für Außenstehende wie ein „Perfect Match“ aussieht, kam sie intern nicht überall gut an. Zwar ergänzen sich die Bereiche auf dem Papier sehr gut, doch nicht jeder Beteiligte sah sich als Gewinner. Nach der Übernahme verließen einige Senior-Berater wie Mathias Heymann (heute Alantra) das fusionierte Unternehmen. „Es gab keine ungewollten Senior-Abgänge“, hält Pfeiffer auf Nachfrage dagegen. Die Abgänge, die es gab, hätten nichts mit der Fusion zu tun gehabt. Lediglich einige Juniors hätten das fusionierte Haus verlassen, einige seien in die Start-up-Welt gewechselt.
„Es gab keine ungewollten Senior-Abgänge.“
Sascha Pfeiffer über Abgänge nach der GCA-Übernahme
Pfeiffer musste in dem Jahr der Übernahme aber auch Lehrgeld zahlen, wie er einräumt. „2021 war nicht nur mit Blick auf die Fusion mit Houlihan Lokey, sondern auch Deal-seitig unheimlich viel los. Allein auf meine Kappe kamen in dem Jahr 16 Deals. Das Frankfurter Tech-Team war fortlaufend überbucht, was zur Folge hatte, dass das Team enorm hart arbeiten musste.“ Nicht jeder Kollege habe dies durchgehalten.
Das M&A-Beratungsgeschäft dreht sich schnell, Long Hours sind üblich, Schnelligkeit und Flexibilität geforderte Tugenden. Doch als Führungskraft darf Pfeiffer nicht nur auf der Sonnenseite agieren und die Deals auf die Zielgeraden bringen. Von ihm wird auch gefordert, dass er sein Team zusammenhält. Dazu gehört, den Überblick über die Mannschaft und ihre Bedürfnisse zu behalten, Streitigkeiten zu schlichten und Konsequenzen zu ziehen, wenn sich diese nicht auflösen lassen.
Sascha Pfeiffer: durchsetzungsstarker Teamplayer
Und durchgreifen kann Pfeiffer, das bescheinigen auch andere Marktteilnehmer. Diese beschreiben ihn als jemanden mit einem „starken Einfluss“, der sich mit vollem Engagement für sein Team einsetzt, das als „aggressiv, unternehmerisch und auf Wachstum getrimmt“ gilt. „In dem Job mit der Position muss man durchsetzungsstark sein“, findet auch von Freyberg. Der Unternehmer hat Pfeiffer aber auch als außerordentlichen Teamplayer erlebt, der seinen Kollegen, und später seinen Geschäftspartnern, die „Bälle zuspielt“: „Er hilft und fährt nicht die Ellenbogen aus.“
Diszipliniert muss das Ex-GCA-Team zudem beim Thema Fees sein. Seit der Fusion sind die ehemaligen GCA-Berater bei den Deal-Größen up-market gegangen, um die Anforderungen der US-Führungsriege zu erfüllen. „Im neuen Set-up fokussiert sich Houlihan Lokey nun auf tendenziell größere Midmarket-Deals, die erst bei 100 Millionen Euro Transaktionsvolumen beginnen. Früher starteten wir bei 50 Millionen Euro“, berichtet Pfeiffer.
Klappt die Integration von GCA und Houlihan Lokey?
Mit der „US-Kontrolle“ bei Houlihan Lokey (Hauptsitz Los Angeles) kommen aber längst nicht alle Banker klar. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir den US-Kollegen immer wieder im Detail erklären müssen, wie wir hier in Deutschland arbeiten – als ob wir nicht wüssten, was wir tun“, ärgert sich ein Houlihan-Berater gegenüber FINANCE, der nicht namentlich genannt werden möchte. Zudem störe ihn die ganze Bürokratie, die nach der Übernahme deutlich zugenommen habe.
Als Teil des globalen Führungsteams ist es auch Pfeiffers Aufgabe, die Integration nach dem Zusammenschluss erfolgreich abzuschließen. Dass sich Berater der beiden Lager Houlihan Lokey (alt) und GCA Altium qua Beratungsschwerpunkt kaum in die Quere kommen und zumindest nach außen umgänglich wirken, dürfte dabei behilflich sein. Und wenn es doch mal krachen sollte, muss Pfeiffer die Sache selbst in die Hand nehmen. Dafür ist der erfahrene M&A-Berater sicher durchsetzungsstark genug.
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
