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Claas-CEO Lothar Kriszun erteilt Investoren eine Absage

Mähdrescherhersteller Claas wird nicht geschluckt, CEO Lothar Kriszun erklärt das Unternehmen für unverkäuflich.
Claas

Immer wieder wird der Landtechnikhersteller Claas zum Übernahmeziel erklärt. Doch nun erklärt CEO Lothar Kriszun potentiellen Interessenten gegenüber eine klare Absage: „Claas ist nicht zu verkaufen“, sagt er in einem Interview mit dem „Handelsblatt“.

Das Interesse habe in den vergangenen Jahren ohnehin nachgelassen: „In den 1990er-Jahren hat es fast jeden Monat eine Anfrage gegeben“, sagt Kriszun. Die Investoren hätten mittlerweile verstanden, dass die Eigentümer-Familie rund um die Aufsichtsratschefin Cathrina Claas-Mühlhäuser „hundertprozentig“ hinter dem Unternehmen stehe.

Lothar Kriszun hält Augen für M&A-Deals offen

Als möglichen Interessent bringt das „Handelsblatt“ die Investorengröße Warren Buffett ins Spiel. Er sitzt mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway im US-amerikanischen Omaha, wo Claas auch ein Werk besitzt. Buffett war zudem vor zwei Jahren aufgefallen, als er beim Landtechnikriesen und Claas-Konkurrenten John Deere eingestiegen ist. Seitdem ist von Berkshire Hathaway immer wieder die Rede, wenn es um Auslandsinvestoren geht, die bei deutschen Mittelständlern einsteigen könnten. Laut CEO Kriszun habe es von Buffet aber nie eine Offerte für Claas gegeben.

Wenn schon nicht als Target, dann könnte Claas zumindest als Käufer in einem M&A-Deal auffallen. Der letzte größere Zukauf des Unternehmens mit zuletzt 3,8 Milliarden Euro Umsatz stammt aus dem Januar 2014, als die Ostwestfalen den chinesischen Landtechnikspezialisten Shandong Jinyee Machinery Manufacture erwarben. „Wir sind nicht aktiv auf der Suche, aber es gibt auch nicht so viele Kandidaten, die zu uns passen“, erklärt CEO Lothar Kriszun die längere Abstinenz vom M&A-Markt. Claas analysiere zwar die Märkte, aber „Wachstum an sich hat keinen Wert für uns“.

Genug Geld für Zukäufe dürfte das Unternehmen haben: Im März dieses Jahres war Claas durch die Emission dreier Schuldscheine über einen Gesamtwert in Höhe von 300 Millionen Euro aufgefallen. Claas finanziert sich zudem aus einem Konsortialkredit mit einem Volumen über ebenfalls 300 Millionen Euro.

Claas steht weiter hinter Russland-Strategie

Zuletzt kriselte bei Claas das Russland-Geschäft. Der Konzern hatte 2014 eine Abschreibung auf eine russische Fabrik vornehmen müssen. Dadurch waren die Wertminderungen im Vergleich zu 2013 um 60 Prozent auf 133 Millionen Euro gestiegen.

Zurückziehen will sich CEO Kriszun aus dem Markt ohnehin nicht. Die Eigentümer-Familie stehe komplett hinter der Strategie. „Wir glauben an das Konzept, selbst wenn wir noch einmal eine Wertkorrektur machen sollten.“ Langfristig gesehen seien die Abschreibungen reine Vorsorgemaßnahmen. Claas ist seit Ende der 1990er-Jahre in Russland aktiv. Seit 2005 hat das Unternehmen eine Produktionsstätte in Krasnodar, etwa sechs Autostunden vom Olympiastandort Sochi entfernt. „Es gibt jahrzehntelange gute Beziehungen zwischen Russland und Deutschland“, sagt Kriszun. „Es wird auch wieder bessere Zeiten geben.“

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist der 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.