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Holidaycheck rutscht tief in die roten Zahlen

Holidaycheck brechen die Umsätze weg. Wie lange hat die Onlineplattform noch?
Postmodern Studio - stockadobe.com

Schlechte Nachrichten bei Holidaycheck: Das Unternehmen rutscht tief in die roten Zahlen. Die am Mittwoch veröffentlichen Jahresabschlusszahlen 2020 zeigen, wie sehr die Coronakrise das Reisebuchungs- und Bewertungsportal getroffen hat.

Durch Reisewarnungen und Reisebeschränkungen sind die Umsätze massiv in den Keller gerutscht. „Insbesondere die Nachfrage nach Pauschalreisen kam fast vollständig zum Erliegen“, heißt es in dem Bericht. Lediglich das erste und dritte Quartal brachte einige Umsätze ein. Zudem wurden zahlreiche Reisen storniert.

Umsatz von Holidaycheck bricht massiv ein

Für den Umsatz bedeutete dies einen Rückgang von fast 90 Prozent auf 14,5 Millionen Euro. Dabei wurden rund 70 Prozent der im vierten Quartal 2020 eingegangenen Buchungsumsätze mit Abreisedatum in 2021 aus Vorsichtsgründen nicht als Umsatz erfasst. Auch die Bruttomarge zeigt, dass Holidaycheck so gut wie nichts an Gewinnen verdient hat: Sie sank um rund 94 Prozent auf 7,3 Millionen Euro, im Vorjahr lag sie bei 131,2 Millionen Euro.

Zwar konnte Holidaycheck auch Einsparungen verbuchen: Nach Einstellung aller Marketingaktivitäten vor gut einem Jahr sank der Marketingaufwand um 87 Prozent auf knapp 8,6 Millionen Euro. Auch der Personalaufwand verringerte sich dank Kurzarbeit um mehr als 23 Prozent auf knapp 27 Millionen Euro.

Trotzdem rutschte die Reiseplattform tief in die roten Zahlen. Unterm Strich stand ein Konzernverlust von 72,5 Millionen Euro. Im Vorjahr war der Verlust mit 4,6 Millionen Euro deutlich geringer. Der Kassenbestand lag zum Ende des Jahres bei 33,6 Millionen Euro, Ende September waren es noch über 45 Millionen Euro.

Kapitalerhöhung soll Holidaycheck retten

Dabei füllte das Unternehmen seine Kassen 2020 bereits mit dem Verkauf der beiden niederländischen Töchter: dem Wetterportal Meteovista und dem Hotelbewertungsportal Zoover. Das brachte dem Unternehmen 14,9 Millionen Euro ein.

Doch der Puffer schmolz offenbar recht schnell. Im Dezember, nachdem Lockdowns wieder an der Tagesordnung standen, kündigte Holidaycheck eine Kapitalerhöhung an, die CFO Markus Scheuermann im Januar umsetzte. Dadurch floss dem Unternehmen ein Bruttoerlös von 48 Millionen Euro zu. Insgesamt gab Holidaycheck 29 Millionen Aktien zu einem Bezugspreis je 1,65 Euro aus. Am Mittwochmorgen notierte das Papier bei 2,22 Euro. Das Geld sollte für die Rückführung eines kurzfristigen Geldmarktdarlehens in Höhe von 12 Millionen Euro dienen sowie für weitere allgemeine Betriebskapitalzwecke eingesetzt werden, auch um den aktuellen Liquiditätsbedarf zu decken.

FINANCE-Köpfe

Markus Scheuermann, Holidaycheck Group AG

Markus Scheuermann startet seine Karriere 1999 beim Internet-Start-up Pixelpark, wo er zunächst als CEO-Assistent, später als M&A-Manager tätig ist. Darauf folgt eine rund neunjährige Tätigkeit als Associate Principal bei der Unternehmensberatung McKinsey. 2010 wechselt Scheuermann zum Onlinehändler Ebay nach London.

Zwei Jahre später tritt Scheuermann dem Burda-Konzern bei. Zunächst ist er bei dem Verlag als Director Venture Business, später als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft DLD Ventures tätig. Von 2014 bis 2017 ist er operativer Geschäftsführer des Website-Betreibers Chip Digital, unter dessen Dach Burda 2015 das Internetportal „Huffington Post“ und das Nachrichtenportal „Focus Online“ zu einem Publishing-Unternehmen zusammengefasst hat. Dieses trägt den Namen Burdaforward. Im Rahmen dieser Integration agiert Scheuermann bis 2017 als Finanzgeschäftsführer. Seit Mai 2017 ist er Finanzvorstand des Reisebewertungs- und -Buchungsportals Holidaycheck.

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Wie geht es weiter bei Holidaycheck?

Doch wie lange hält dieser Puffer? 2020 lag der operative Cashflow bei minus 25 Millionen Euro. Damit verlor Holidaycheck im Monat rund 2 Millionen Euro. Bei einem Kassenbestand von rund 70 Millionen Euro würde das Geld für mindestens zwei Jahre reichen.

Für das laufende Geschäftsjahr will Holidaycheck noch keine konkrete Prognose wagen. Das Unternehmen rechnet mit zwei Szenarien: Beim Best-Case-Szenario gibt es ab dem zweiten Halbjahr eine Nachfragebelebung. Dabei soll sich die Bruttomarge mindestens verdoppeln, aber noch deutlich unter dem Wert von 2019 bleiben.

Beim Worst-Case-Szenario dagegen rechnet das Unternehmen damit, dass die Reiserestriktionen noch deutlich länger anhalten und Urlaubsreisen gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sein werden. Dabei rechnet Holidaycheck mit einer ähnlichen Bruttomarge wie im abgelaufenen Geschäftsjahr. Bei beiden Szenarien geht der Vorstand um CFO Markus Scheuermann davon aus, dass sich das operative Ebitda verbessern wird. Grundsätzlich gehe man davon aus, dass die „Reiselust mit Abflauen der Coronakrise zügig zurückkehren wird“.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den amtierenden CFO von Holidaycheck lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Markus Scheuermann.

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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