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Rettender Investor darf bei Condor einsteigen

Condor erhält 525 Millionen Euro vom Bund dem Land Hessen.
Condor

Erleichterung bei Condor: Der Bund darf die Fluglinie finanziell unterstützen. Wie die EU-Kommission heute mitteilte, hat sie das insgesamt 525,3 Millionen Euro schwere Rettungspaket für den Ferienflieger abgesegnet.

Im April 2020 sagte der Bund dem Unternehmen 550 Millionen Euro zu einem vergünstigen Zinssatz zu, nachdem die Übernahme durch die polnische Airline Lot Corona-bedingt gescheitert war. Die Differenz von rund 25 Millionen Euro zu der ursprünglichen Summe ergibt sich laut einer Condor-Sprecherin aus unterschiedlichen Beihilfewerten, die die EU-Kommission errechnet hat.

Der Kredit setzt sich aus zwei Teilen zusammen: 204,1 Millionen Euro fließen Condor zu, um den Schaden zu kompensieren, den die Airline infolge der Reiseeinschränkungen während der Corona-Pandemie erlitten hat, begründet die EU-Kommission. Weitere 321,1 Millionen Euro erhält die Fluggesellschaft zur Restrukturierung. Den Restrukturierungsplan hat die EU-Kommission ebenfalls abgesegnet.

Ryanair klagte gegen Beihilfe für Condor

Der Erhalt der Finanzhilfe wurde zwischenzeitlich von Ryanair angeprangert: Weil der Wettbewerber Ende vergangenen Jahres unter anderem gegen die finanzielle Unterstützung von Condor durch Berlin geklagt hatte, erklärte das zuständige EU-Gericht in Luxemburg den Beschluss der Kommission Anfang Juni dieses Jahres für nichtig – weil die Entscheidung der Behörde nicht ausreichend begründet sei, hieß es damals.

Das hatte zur Folge, dass die EU-Kommission einen neuen, nachgebesserten Beschluss fassen musste. Dies ist nun geschehen: Die Beihilfe sei vereinbar mit den beihilferechtlichen Richtlinien der EU und zudem angemessen, erklärte die EU-Kommission heute und gab dem Kredit statt.

Attestor kann Condor nun übernehmen

Dass Condor den Segen der EU-Kommission erhalten hat, ist auch ein wichtiger Fortschritt für den Verkauf an den Finanzinvestor Attestor, den Condor im Mai dieses Jahres bekanntgegeben hatte. Attestor schoss im Zuge der Transaktion 200 Millionen Euro Eigenkapital und weitere 250 Millionen Euro zur Erneuerung der Flotte zu. Auch der Bund und das Land Hessen beteiligten sich an der Transaktion, indem sie auf eine Rückzahlung über 150 Millionen Euro aus dem 550 Millionen Euro schweren Kredit verzichteten – die Staatshilfe wurde restrukturiert.

Eine der Closing-Bedingungen des M&A-Deals war allerdings, dass die Staatshilfe durch die EU-Kommission genehmigt wird, teilte eine Condor-Sprecherin auf Nachfrage von FINANCE mit. Damit sei ist nun – neben kartellrechtlichen Genehmigungen – auch die letzte Bedingung für die Übernahme durch Attestor erfüllt, so die Sprecherin. Das Closing der Transaktion will Condor in den nächsten Tagen vollziehen – damit kann das Geld von Attestor nun fließen. Der Finanzinvestor hält zunächst 51 Prozent an der Airline, hat sich aber auch eine Option für die restlichen 49 Prozent gesichert.

Condor kämpft seit Thomas-Cook-Pleite

Condor hatte bereits vor dem Ausbruch der Coronakrise zu kämpfen: Nach der Pleite der Konzernmutter Thomas Cook im Herbst 2019 unterstützte der Bund die Fluggesellschaft mit einem Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro, Condor musste unter ein Schutzschirmverfahren flüchten. Die Übernahme durch die polnische Lot sollte wieder Ruhe bei der Airline reinbringen, platzte dann aber. Die Coronakrise verschärfte die Situation bei dem Ferienflieger zusätzlich, als Reisen nicht mehr möglich waren.

Für Condor scheint es jetzt aber langsam aufwärts zu gehen: Nicht nur ist ein Investor gefunden, auch hat die Urlaubszeit begonnen, und immer mehr Menschen verreisen in diesen Tagen wieder. Dennoch fliegen derzeit immer noch nicht so viele Menschen wie zu gewöhnlichen Zeiten, und auch die Delta-Variante des Coronavirus sorgt für Unsicherheit. Ob die urlaubsstärkeren Sommermonate und die Finanzspritzen daher ausreichen, um bei Condor das Runder endgültig herumzureißen, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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