Kann mit weitreichenden Staatshilfen am Leben erhalten werden: Condor

Condor

27.04.20
Wirtschaft

Condor bleibt in der Luft

Der Ferienflieger Condor hat sich in der Coronakrise umfangreiche Staatshilfen gesichert: Die EU-Kommission hat Hilfskredite über mehr als eine halbe Milliarde Euro freigegeben.

Aufatmen bei Condor: Mit der beihilferechtlichen Genehmigung durch die EU-Kommission ist für den schwer gebeutelten Ferienflieger der Weg frei für ein Darlehen aus dem Corona-Schutzschild-Programm der öffentlichen Hand. „Condor erhält einen Kredit über 294 Millionen Euro als Corona-Hilfe sowie 256 Millionen Euro zur vollständigen Refinanzierung des Überbrückungskredits, den der Ferienflieger nach der Insolvenz von Thomas Cook für den vergangenen Winter erhalten hatte“, teilte das Unternehmen am heutigen Montag mit.

Dramatische Lage für Condor

Die Airline hatte im Verlauf der Coronavirus-Pandemie um staatliche Finanzhilfe gebeten, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Zudem hätte Condor bereits Mitte April einen KfW-Kredit über 380 Millionen Euro nebst Zinsen zurückzahlen müssen. Die geplatzte Übernahme durch die polnische Lot machte diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung und weitete den Finanzierungsbedarf noch einmal massiv aus.

Condor-Chef Ralf Teckentrup bedankte sich bei der Bundesregierung und der Hessischen Landesregierung für deren Unterstützung. Gleichzeitig unterstrich er, dass Condor „als operativ gesundes und profitables Unternehmen“ zum zweiten Mal innerhalb eines knappen halben Jahres unverschuldet in Not geraten sei.

Anstatt Urlauber in den Süden zu fliegen, trägt der Ferienflieger derzeit nach eigenen Angaben „maßgeblich zum Erhalt der medizinischen und Gütergrundversorgung Deutschlands bei“. So hat die Fluggesellschaft in den vergangenen zwei Wochen neben Millionen Mundschutzmasken und Handschuhen auch Hundertausende Schutzanzüge nach Deutschland transportiert. Daneben wurden seit Mitte März über 78.000 deutsche Urlauber zurück nach Hause gebracht. Aktuell hilft Condor der deutschen Landwirtschaft und fliegt rumänische Erntehelfer nach Deutschland ein.

Übernimmt die Lufthansa nun doch?

Das unter einem Schutzschirmverfahren stehende Frankfurter Unternehmen ist seit der Pleite der britischen Mutter Thomas Cook unter der treuhänderischen Verwaltung der Erdsiek GmbH. Die dahinterstehende  Rechtsanwaltskanzlei Schulze und Braun begleitete bislang die Sanierungsschritte des Managements. Mit den neuerlichen Finanzhilfen und dem Mitspracherecht der staatlicher Bürgen könnte sich der Treuhänder nun ändern – im Gegensatz zur schwierigen Grundsituation.

So dürfte es noch lange dauern, bis die Auslastung des Ferienfliegers wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Ob im Sommer überhaupt wieder Ferienflüge möglich sind, steht in den Sternen. Und in dieser Reisezeit erwirtschaftete Condor in der Vergangenheit praktisch ihre gesamten Gewinne. Zudem ist fraglich, ob die bereits vollzogenen Sanierungsmaßnahmen ausreichen, um das Geschäft in absehbarer Zukunft wieder profitabel zu machen. Auch die Suche nach einem neuen Käufer dürfte sich mit Blick auf den düsteren M&A-Markt mehr als schwierig gestalten.

Damit könnte wieder eine Übernahme von Condor durch die Lufthansa in den Fokus rücken. Angesichts der prekären Lage dürften Kartellfragen derzeit in den Hintergrund und wirtschaftliche Belange in den Vordergrund rücken. Auch die Bundesregierung könnte mit Hilfe ihres  wachsenden Einflusses auf beide Luftfahrunternehmen eine derartige Lösung  forcieren.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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