Viele Banken rechnen genau, wem sie noch Kredit einräumen. Für Mittelständler kann Asset Based Finance eine Finanzierungsalternative sein.

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04.03.21

Asset Based Finance als Finanzierungsalternative in der Krise

Die Corona-Pandemie dauert an, und viele Unternehmen geraten finanziell in Bedrängnis. Die gewohnten Finanzierungspartner zeigen sich jedoch zunehmend restriktiv. Dadurch rücken Alternativen wie objektbasierte Finanzierungen in den Blick.

Die Zahlen aus dem Banking sprechen eine deutliche Sprache: Sechs Prozent der deutschen Banken haben ihre internen Vergaberichtlinien für Firmenkunden im vierten Quartal 2020 nochmals verschärft – und dabei dürfte es kaum bleiben. Weitere Verschärfungen bei den Unternehmenskrediten werden auch für 2021 erwartet. Dies ist ein zentrales Ergebnis des aktuellen Bank Lending Survey des Eurosystems, einem Zusammenschluss der Europäischen Zentralbank und der Zentralbanken der Euro-Länder.

Das durch die Coronavirus-Krise erhöhte Kreditrisiko schlägt sich in den Kreditbedingungen nieder. So haben Banken laut der Umfrage auch die Anforderungen an Sicherheiten erhöht. Die Margen in risikobehafteten Bereichen steigen. Außerdem steigt der Umfrage zufolge der Anteil der Kredite, die abgelehnt werden: Gerade stark von Corona betroffene Branchen wie der Einzelhandel könnten oft nicht bedient werden.

Mehr Mittelständler erleben Banken als restriktiv

Die zunehmenden Barrieren in der Finanzierung gerade für kleine und mittelständische Unternehmen zeigen sich auch in der aktuellen KfW-Ifo-Kredithürde. Danach ist die Zahl der Mittelständler, die das Verhalten der Banken als „restriktiv“ bezeichnen, das sechste Mal in Folge gestiegen – auf mittlerweile 22,1 Prozent.

Die Erhebung zeigt noch ein weiteres Warnsignal: Die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen ist aufgrund der andauernden Unsicherheit stark gesunken. Den Machern der Studie zufolge könnte diese Zurückhaltung mittelfristig schwere Folgen haben: Es droht ein Rückstau bei strukturellen Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

„Die Zahl der Mittelständler, die das Verhalten der Banken als ‚restriktiv‘ bezeichnen, ist das sechste Mal in Folge gestiegen.“ 

Liquidität durch Asset Based Finance generieren

Wer heute nicht in Automation, Individualisierung und digitale Geschäftsmodelle sowie Prozesse investiert, läuft Gefahr, im Wettbewerb auf der Strecke zu bleiben. Deshalb stellen sich immer mehr Unternehmen finanziell, strukturell und angebotsseitig neu auf – sei es im regulären Geschäftsalltag, im Rahmen einer vorinsolvenzlichen Restrukturierung oder in der Insolvenz. Gerade die präventive Sanierung wird durch das zu Jahresanfang in Kraft getretene StaRUG künftig eine größere Rolle spielen. Das Gesetz erleichtert Unternehmen bei drohender Zahlungsunfähigkeit die vorsorgliche Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens.

Ob Restrukturierung in Sondersituation oder restriktiver Bankenkreis – die Finanzierung ist derzeit für viele Mittelständler die zentrale Herausforderung. Um notwendige Investitionen dennoch zu ermöglichen, können die Modelle der objektbasierten Finanzierung eine Antwort sein: Ansätze wie Asset Based Credit und Sale-and-Lease-Back sind banken- und bonitätsunabhängig und stellen auch in der Krise kurzfristig Liquidität bereit.

Liquide durch Maschinenpark: Sale-and-Lease-Back

Ein gängiges Verfahren ist das objektbasierte Finanzierungsmodell Sale-and-Lease-Back (SLB). Es eignet sich besonders für mittelständische Produzenten und Verarbeiter, die Liquidität durch reine Innenfinanzierung erzeugen wollen. Dazu werden werthaltige, mobile und fungible Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks an einen Finanzierer verkauft und vom Betrieb unmittelbar wieder zurückgeleast. Der Betriebsalltag bleibt von Sale-and-Lease-Back unberührt, die Produktionsmittel sind ohne Unterbrechung nutzbar.

Durch SLB können Unternehmen stille Reserven heben und Liquidität für anstehende Maßnahmen freisetzen. Dies können beispielsweise auch außergerichtliche Restrukturierungen, Sanierungen im Rahmen der Insolvenz oder die Auftragsvorfinanzierung nach einer überstandenen Krise sein. Sale-and-Lease-Back-Transaktionen lassen sich zumeist zügig umsetzen: Von der Anfrage bis zur Auszahlung des Kaufpreises vergehen in der Regel nur wenige Wochen.

„Der Betriebsalltag bleibt von Sale-and-Lease-Back unberührt.“

Asset Based Credit: Umlaufvermögen als Sicherheit

Eine andere Finanzierungsalternative ist das Modell Asset Based Credit: Dabei wird auf Unternehmensaktiva zugegriffen, die in der Krise oft mehr Working Capital verzehren, als sie an Rendite erbringen – dies sind häufig etwa Maschinen, Fuhrparks, Rohstoff- und Handelswarenlager, Sachwerte und selbst Immobilien.

Im Rahmen der Finanzierung können Unternehmen die gesamte Palette des in Form von Anlage- und Umlaufvermögens gebundenen Kapitals als Kreditsicherheit nutzen. Die kurz- bis mittelfristigen Asset-Based-Credit-Finanzierungen werden für Restrukturierungen und Sanierungen ebenso eingesetzt wie in Wachstumssituationen, zur Auftragsvorfinanzierung, für Investitionen in neue Technologien oder andere opportunistische Anlässe. Entscheidend für die Vergabe dieser Spezialdarlehen sind in erster Linie die Werthaltigkeit sowie die Liquidierbarkeit der angebotenen Sicherheiten.

Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter der Maturus Finance GmbH, einem Anbieter für objektbasierte Finanzierungslösungen.