Über Asset-basierte Finanzierungen wie Sale-and-Lease-Back können Unternehmen stille Reserven heben.

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30.06.20

Liquidität über Assets generieren

Die Coronakrise verschärft die Finanzlage in vielen Unternehmen. Das lenkt den Blick auf alternative Liquiditätsquellen: Bei großen Warenlagern oder wertvollen Maschinen können Asset-basierte Finanzierungen eine Möglichkeit sein, frische Mittel zu generieren.

Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie und den folgenden Restriktionen standen viele Wirtschaftszweige unter hohem Anpassungsdruck: Die Automotive-Branche und der Maschinenbau mussten sich mit Herausforderungen wie dem Mobilitätswandel, dem wachsenden Wunsch nach individualisierten Produkten, zunehmend vernetzter Produktion und Automatisierung auseinandersetzen. Um diesen Veränderungen zu begegnen, müssen viele Anbieter ihre Angebote, ihre betrieblichen Strukturen und oft sogar das gesamte Geschäftsmodell grundlegend überprüfen.

Hinzu kommen makroökonomische Veränderungen: Internationale Handelsspannungen und eine abflauende Konjunktur haben die Welt auch vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie bereits in Atem gehalten. Die Pandemie ereilte die Wirtschaft in einer ohnehin schon geschwächten Situation. Das zeigt sich auch am ifo-Geschäftsklimaindex, der im April dieses Jahres auf 74,3 Punkte und damit auf ein historisches Tief sank.

Coronakrise lässt Mittel versiegen

Der vorher bereits schwelende Restrukturierungs- oder Sanierungsbedarf hat sich nun für viele Betriebe aufgrund Corona-bedingt stillstehender Lieferketten, vorübergehender Schließungen oder wegbrechender Aufträge zu einer akuten Krise entwickelt. Sie müssen jetzt konsequent handeln und investieren, um die eigene Marktposition zu sichern oder sich neu auszurichten.

Die dafür nötige Liquidität ist in der aktuellen Lage jedoch schwer zu bekommen. Staatliche Hilfskredite und Bürgschaften fallen als Liquiditätsquelle aus, wenn sich ein Unternehmen bereits vor Ausbruch der Coronakrise in einer Restrukturierung oder Sondersituation befand. So müssten erfolgreiche Antragsteller beispielsweise für die KfW-Schnellkredite in den zurückliegenden drei Jahren in der Regel einen Gewinn erwirtschaftet haben. Diese Vorgaben erfüllen kriselnde Unternehmen häufig nicht.

Doch welche anderen Möglichkeiten haben sie, um in der aktuellen Situation Liquidität für ihre Neuausrichtung zu generieren?

Sale-and-Lease-Back zielt auf Assets ab

Eine Variante, um an frische Mittel zu kommen, sind alternative Finanzierungslösungen, beispielsweise Sale-and-Lease-Back (SLB). Es richtet sich vor allem an mittelständische Unternehmen aus produzierenden Branchen mit umfangreichem Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrpark. Sie können über Sale-and-Lease-Back im Rahmen einer Innenfinanzierung stille Reserven heben: Das Unternehmen verkauft werthaltige Assets an einen Anbieter von SLB-Finanzierungen und least es im Anschluss direkt zurück, um es weiter zu nutzen. Dadurch wird Liquidität freigesetzt, die in die weitere Transformation oder Restrukturierung des Betriebes fließen kann.

Asset-basierte Finanzierungen wie Sale-and-Lease-Back fokussieren im Gegensatz zu Bankenfinanzierungen weniger auf die Bonität des Unternehmens, sondern zielen vielmehr auf den Wert der Assets ab, die der Transaktion zugrunde liegen. Je höher dessen Bewertung, umso mehr Kapital fließt im Rahmen eines SLBs. Auch die Zweitverwendungsfähigkeit der finanzierten Objekte spielt bei der Wertfindung eine Rolle, da der Leasinggeber bei Ausfall des Unternehmens gezwungen sein könnte, die Assets vermarkten zu müssen. 

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Auch solchen Unternehmen, die sich beispielsweise über eine Insolvenz in Eigenverwaltung oder im Zuge eines Schutzschirmverfahrens sanieren wollen, steht Sale-and-Lease-Back grundsätzlich offen. Weitere Anwendungsfälle könnte bald die im vergangenen Jahr in Kraft getretene EU-Restrukturierungsrichtlinie eröffnen. Sie soll künftig die Sanierung von Unternehmen vor der Insolvenzreife erleichtern.

Die Regelungen sehen unter anderem einen Schutz vor den Vollstreckungsmaßnahmen der Gläubiger von mehreren Monaten und die Erstellung eines Restrukturierungsplans vor – ähnlich dem Insolvenzplan. Auch im Rahmen dieser Restrukturierungspläne könnten Sale-and-Lease-Back-Lösungen dann zur Generierung frischer Liquidität zum Einsatz kommen. Noch bis zum kommenden Jahr hat der Gesetzgeber Zeit, die Restrukturierungsrichtlinie in nationales Recht umzusetzen. 

Angesichts der durch Corona verschärften Lage, plädieren einige Marktteilnehmer bereits für eine frühestmögliche Überführung der präventiven Sanierung in deutsches Recht. 

Lagerfinanzierung als Option für Händler und Produzenten

Neben Sale-and-Lease-Back haben Unternehmen weitere Möglichkeiten zur asset-basierten Finanzierung, wie beispielsweise die Lagerfinanzierung. Das Modell stellt sowohl auf mobiles Anlagevermögen wie Maschinen als auch auf Umlaufvermögen ab, speziell auf werthaltige und sekundärmarktfähige Waren und Rohstoffe. Im Gegensatz zu oft mehrjährigen SLB-Finanzierungen können Warenlagerfinanzierungen allerdings auch kurzfristigere Laufzeiten von unter einem Jahr haben.

Besitzt beispielsweise ein Händler, der durch Corona tiefer in eine Krise geraten ist, ein umfangreiches Warenlager, kann ihm dieses eine finanzielle Option eröffnen: Er kann diese Assets nutzen, um im Rahmen einer Lagerfinanzierung beispielsweise einen Überbrückungskredit zu besichern. Damit können erste Veränderungen für eine erfolgreiche Neuausrichtung angestoßen werden.

Carl-Jan von der Goltz

Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter von Maturus Finance, einem Anbieter für objektbasierte Finanzierungslösungen.