Restrukturierungs-News: Depot, Görg, Geopolitik belastet Margen

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Piero Sansone (links) und Mark Boddenberg erweitern die Restrukturierungspraxis bei Görg. Fotos: Görg/Montage: FINANCE
Piero Sansone (links) und Mark Boddenberg erweitern die Restrukturierungspraxis bei Görg. Fotos: Görg/Montage: FINANCE

Depot schließt endgültig

Die Deko-Kette Depot steht vor dem Aus – zumindest vorerst. Die GDC Deutschland, das Unternehmen hinter Depot, hat angekündigt Ende September den Geschäftsbetrieb aller Filialen einzustellen. Sämtliche Arbeitsverhältnisse und Mietverträge werden gekündigt, was etwa 730 Beschäftigte betrifft. Dem Vernehmen nach sollen die Restrukturierer Alexander Höpfner und Sven Tischendorf (ACT Legal) die operative Sanierung begleiten. Thomas Rittmeister (Reimer), der bereits im Mai die Eigenverwaltung der Einzelhandelskette als vorläufiger Sachwalter begleitet hat, soll dies erneut tun.

Trotz der Insolvenz plant Inhaber Christian Gries, die Marke zu erhalten. Er sehe Potenzial für eine Fortführung der Marke in einer neuen Gesellschaft und verhandele derzeit über neue Mietverträge, um einige Filialen weiterzuführen.

Bereits im Juni hatte Depot die Schließung von 66 Filialen angekündigt, gefolgt von weiteren 30 bis August. Die vollständige Kündigung aller Verträge wird mit Masseunzulänglichkeit begründet.

Bereits 2024 hatte das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, was in der Folge zu einem drastischen Filialabbau führte. Der Einzelhandel in Deutschland leidet unter schwacher Konsumstimmung und wachsendem Onlinehandel. Neben Depot haben auch andere Einzelhändler wie Kodi, Mäc Geiz und Hellweg Insolvenz angemeldet.

Görg verstärkt sich mit zwei Partnern

Zum September wächst die Restrukturierungsberatung bei der Kanzlei Görg um zwei renommierte Partner. Der erfahrene Insolvenzverwalter Mark Boddenberg wechselt mit seinem Team von Eckert Rechtsanwälte. Der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht ist spezialisiert auf Krankenhausinsolvenzen sowie Restrukturierungen von Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen. Das Team soll Görg in diesem Bereich neue Schlagkraft verschaffen.

Darüber hinaus kehrt Piero Sansone als Partner zu Görg in Köln zurück und verstärkt das Team auch ab September. Nach mehr als sieben Jahren bei Seitz, wo er seit Januar 2023 ebenfalls Partner war, bringt Sansone seine Expertise an der Schnittstelle zwischen Arbeitsrecht, Restrukturierung und Insolvenzrecht zurück zu Görg. Seine Karriere startete er 2013 bei derselben Kanzlei, wo er mehr als fünf Jahre tätig war.

Zu seinen Schwerpunkten zählen die arbeitsrechtliche Begleitung von großen Restrukturierungs- und Transformationsprojekten sowie Eigenverwaltungs- und Insolvenzverfahren. Darüber hinaus ist er erfahren in Betriebsverfassungs-, Tarif- und Arbeitskampfrecht sowie in komplexen arbeitsgerichtlichen Verfahren. Er wird Teil der Fachgruppe „Arbeitsrechtliche Restrukturierung“ in Köln.

Geopolitische Instabilität wirkt wie ein Brennglas

Die geopolitische Instabilität im Nahen Osten verschärft die Unternehmenskrisen in Europa und der Region weiter. Der aktuelle Distress Alert von Alvarez & Marsal zeigt, dass vor allem sinkende Gewinne der Haupttreiber der Krisen sind. In Deutschland und Frankreich ist die Konzentration betrieblicher Schwierigkeiten besonders hoch. Fast 15 Prozent der Unternehmen berichten von schwächerer Geschäftsentwicklung, geopolitische Spannungen und volatile Energiemärkte belasten zudem die Margen. Damit bleibt auch die finanzielle Stabilität ein kritisches Thema: 28 Prozent der befragten Unternehmen weisen weiterhin anfällige Bilanzen auf.

„Der Nahostkonflikt verschärft die Belastung durch höhere Energie- und Lieferkettenkosten und hat die Stabilisierung des vergangenen Jahres weitgehend zunichtegemacht. Gleichzeitig setzt die schwächere Nachfrage viele Unternehmen zusätzlich unter Druck“, kommentiert Volker Gross, Managing Director bei A&M Deutschland.

Besonders stark betroffen ist der Modeeinzelhandel. Rund 14 Prozent der Unternehmen befinden sich in finanzieller Schieflage. Es folgen die Chemieindustrie mit 12 Prozent sowie der Medien-, Unterhaltungs- und Mediendienstleistungssektor mit 11,7 Prozent. In Letzterem kämpft zudem fast jedes fünfte Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten, unter anderem infolge des tiefgreifenden Wandels durch KI in Werbung, Marketing und Content-Produktion.

Die deutlichste Verschlechterung im Jahresvergleich verzeichnete die Automobilindustrie. Der Anteil finanziell angeschlagener Unternehmen in der Branche stieg von 9 Prozent auf 11,2 Prozent. Ursachen sind die schleppende Nachfrage, anhaltender Kostendruck und der zunehmende Wettbewerb durch chinesische Hersteller.

Für die Studie wurden Daten von über 15.000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Millionen Euro in 33 europäischen und nahöstlichen Ländern analysiert. Diese haben durchgängig Daten für alle Geschäftsjahre von 2022 bis 2025 bereitgestellt.

Bäckerei-Bauer Korte will sich neu aufstellen

Der Bäckerei-Ladenbauer Korte Einrichtungen hat ein eigenverwaltetes Sanierungsverfahren beantragt. Florian Bandrack (Baker Tilly) verstärkt die Geschäftsleitung als Generalbevollmächtigter und unterstützt die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Hintergründe der Krise sind laut Kanzlei der hohe Kostendruck bei Handwerksbäckereien und deutlich verlängerte Genehmigungsprozesse, die zu einer spürbaren Investitionszurückhaltung und rückläufigen Nachfrage nach Neu- und Umbauprojekten geführt habe. Korte plane, seine Marktposition durch innovative Konzepte für Bäckereifilialen zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern.

Spedition Betz geht an Aventra

Der Logistikdienstleister Aventra aus der Region Stuttgart übernimmt das insolvente Speditionsunternehmen Betz International aus Sonnenbühl. Aventra wurde eigens für diesen Kauf gegründet und sichert damit die Mehrheit der 140 Arbeitsplätze der ehemaligen Tochterfirma der Willi-Betz-Gruppe. Der Insolvenzverwalter Dirk Poff (Walter, Rieger & Partner) betont, dass die Transaktion die Kontinuität der Kundenbeziehungen zur Automobilindustrie, Präzisionsfertigung und Logistik gewährleiste. Betz International hatte im April 2026 Insolvenz angemeldet, bedingt durch gestiegene Kosten und intensiven Wettbewerb.

Senator geht in Pagani Pens auf

Der angeschlagene Hersteller für Schreibgeräte und Werbeartikel, Senator, wird von dem Schweizer Konzern Pagani Pens übernommen. Die Übernahme erfolgt durch einen Asset Deal, wobei alle Mitarbeiter am Standort in Groß-Bieberau übernommen werden. Über den Verbleib der Mitarbeitenden an den Standorten in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien sind keine Informationen bekannt.

Den Verkauf an die internationale Industriegruppe, die in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Schreibgeräten tätig ist, hat seitens Senator Baker Tilly begleitet. Die Insolvenz von Senator wurde im März angeordnet, mit Julia Kappel-Gnirs (hww) als Insolvenzverwalterin.

Dorma-Glas findet Investoren

Eine Investorenlösung sichert auch die Zukunft von Dorma-Glas in Bad Salzuflen. Die Eigentümer von Schlossstein Capital und Roberts Land Limited haben für die Übernahme des Glastürenherstellers DS-Glas gegründet und damit den Geschäftsbetrieb sowie den Grundbesitz übernommen. Der operative Geschäftsbetrieb wird ohne Unterbrechung fortgeführt und die Mehrzahl der 210 Arbeitsplätze solle erhalten bleiben. Die Transaktion erfolgte als übertragende Sanierung. Stephan Michels (Michels Vorast Insolvenzverwaltung) agierte als Sachwalter, während Gerrit Hölzle (Görg) die Eigenverwaltung leitete.

Baumaschinenhersteller Atlas wird kanadisch

Der Baumaschinenhersteller Atlas Gruppe wird von dem kanadischen Landmaschinenhersteller Buhler Versatile übernommen. Mit der offiziellen Übernahme zum September bleiben mehr als 200 Arbeitsplätze bei Atlas erhalten – wenngleich mit dem Betriebsrat Entlassungslösungen für rund 150 Mitarbeitende gefunden wurden, teilte das Unternehmen mit. Die Sanierung in Eigenverwaltung begann im Februar 2026, unterstützt von Malte Köster und Hans-Joachim Berner (Kösterberner) sowie Hendrik Gittermann (Reimer) als vorläufigem Sachwalter. Der Investorenprozess wurde von PwC unter Timo Klees und Julius Karp geleitet. Buhler Versatile gehört zur Asko Group, die weltweit in der Land- und Baumaschinenbranche tätig ist.

Info

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.