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Restrukturierungs-News: Meyer Burger, Ankura, AE Group

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Das im Mai 2021 eröffnete Solarzellenwerk von Mayer Burger in Bitterfeld-Wolfen ist eines der betroffenen Werke, das geschlossen wird. Foto: Meyer Burger
Das im Mai 2021 eröffnete Solarzellenwerk von Mayer Burger in Bitterfeld-Wolfen ist eines der betroffenen Werke, das geschlossen wird. Foto: Meyer Burger

Meyer Burger macht deutsche Standorte dicht

Die Frist ist abgelaufen. Das Schweizer Solarzellenunternehmen Meyer Burger musste zum 1. September seinen Geschäftsbetrieb in Hohenstein-Ernstthal und Bitterfeld-Wolfen einstellen. Der Insolvenzgeldzeitraum war abgelaufen, bevor ein Investor gefunden werden konnte. Das vermeldeten die Insolvenzverwalter Lucas Flöther und Reinhard Klose (Flöther & Wissing).

Bei Meyer Burger in Hohenstein-Ernstthal wurden 206 Beschäftigte freigestellt, während 62 Mitarbeiter weiterarbeiten, um die Abwicklung zu unterstützen. In Bitterfeld-Wolfen mussten 271 Mitarbeiter gehen und 38 verbleiben im Abwicklungsteam. Trotz der schwierigen Lage seien die Insolvenzverwalter offen für neue Investorenangebote, heißt es in der Mitteilung.

Flöther betont zwar, dass die wirtschaftliche Situation der Solarbranche in Deutschland und Europa herausfordernd bleibt. Sollte sich jedoch kurzfristig ein Investor finden, bestehe die Möglichkeit, dass gekündigte oder freigestellte Mitarbeiter wieder eingestellt würden.

Ankura setzt auf Turnaround in Deutschland

Das US-Beratungsunternehmen Ankura hat die Expansion seiner Turnaround & Restructuring Praxis nach Deutschland bekanntgegeben. Dafür ist Jens Nawrath als Senior Managing Director hinzugestoßen. Er soll die neue Praxis aus Frankfurt heraus leiten. Er bringt über 30 Jahre Erfahrung in der Schuldenberatung und Finanzrestrukturierung mit.

Nawrath kommt von Alvarez & Marsal, wo er rund vier Jahre als Managing Director tätig war. Davor absolvierte er laut seines „Linkedin“-Profils Stationen bei Deloitte, CFM Corporate Finance Management, Houlihan Lokey und Leonardo & Co. Über 15 Jahre war er bei der Commerzbank aktiv, zuletzt als Head of Portfolio Management für Equity & Secondary Markets. Vor rund vier Jahren hatte Ankura sein erstes deutsches Büro in Frankfurt eröffnet. Eigenen Angaben zufolge fokussierte sich der Standort zunächst auf den Bereich Forensik.

Autozulieferer AE Group stellt Betrieb ein

Die AE Group, spezialisiert auf Aluminium-Druckgussteile für die Automobilindustrie, stellt zum Jahresende ihren Geschäftsbetrieb ein. Das teilte das Unternehmen mit Standorten in Thüringen und Hessen Anfang September mit. Der Investorenprozess sei gescheitert, da es für die Übernahme des Geschäftsbetriebs kein belastbares Angebot gab. Rund 650 Mitarbeitende verlieren ihren Arbeitsplatz.

Im August 2024 ging das Unternehmen aufgrund der schwierigen Lage im Automotive-Sektor in die Eigenverwaltung und wechselte schließlich im August 2025 in ein Regelverfahren. Auch die ausländische Tochtergesellschaft in Polen stellte einen Insolvenzantrag, nachdem der Geschäftsbetrieb dort zum Erliegen kam. Romy Metzger (Schneider Geiwitz) ist als Insolvenzverwalterin tätig.

MVI Group und Huber Automotive sind insolvent

Die Krise in der deutschen Autoindustrie schreitet voran: Die beiden Zulieferer Huber Automotive aus Mühlhausen im Täle und MVI Group aus Wolfsburg haben Insolvenz angemeldet. Die schwache Nachfrage nach Elektroautos und die angespannte Wirtschaftslage führte bei beiden Zulieferern zu finanziellen Schwierigkeiten.

Huber ist spezialisiert auf Steuergeräte und Fahrzeug-Software. Aus den Insolvenzbekanntmachungen geht hervor, dass das Amtsgericht dem Antrag stattgab und Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannte.

MVI Group beliefert den Mobilsektor mit IT- und Engineering-Dienstleistungen. Weitere Gesellschaften der MVI-Unternehmensgruppe sind nicht von der Insolvenz betroffen. Für MVI Group bestellte das zuständige Amtsgericht Tobias Hartwig von Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Pluta wächst mit Team um Jutta Rüdlin

Jutta Rüdlin. Foto: Pluta
Jutta Rüdlin. Foto: Pluta

Zum Oktober wächst der Rechtsarm von Pluta. Die Rechtsanwältin Jutta Rüdlin wechselt mit ihrem zehnköpfigen Team von der Insolvenzkanzlei BRRS. Rüdlin wird den neuen Standort in Melsungen leiten und eng mit dem Team in Hannover zusammenarbeiten. Neben der erfahrenen Insolvenzverwalterin wechseln auch die Anwälte Katrin Schulte, Götz Fuhrmann-Rüdlin und Dominik Bässe.

Rüdlin ist eine erfahrene Gutachterin und Insolvenzverwalterin, die nordhessische Gerichte regelmäßig bestellen. Sie ist im Vorstand des Verbands Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands und im Beirat des Fachausschusses Unternehmensrestrukturierung im Bund Deutscher Unternehmensberater. Zudem engagiert sie sich bei der Organisation Distressed Ladies Women in Restructuring. Gemeinsam mit Torsten Gutmann (Pluta) leitet sie den Ausschuss Betriebswirtschaft im VID.

Hermes Schleifmittel gelingt Spartenverkauf

Hermes Schleifmittel, die Obergesellschaft der international tätigen Hermes-Gruppe, konnte bei einer außergerichtlichen Restrukturierung einen Geschäftsbereich verkaufen. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz (White & Case) mit. Der finnische Investor Mirka hat den Geschäftsbereich „Bonded“ übernommen, also die Herstellung von gebundenen Schleifmitteln. In der Transaktion war für Hermes der Finkenhof-Partner Maximilian von Mangoldt tätig. Für den „Coated Abrasives“-Bereich, der beschichtete Schleifmittel betrifft, laufen derzeit noch Gespräche mit potentiellen Investoren.

Indischer Investor greift nach Omeras

Der Fortbestand von Omeras, einem Herstellers für Oberflächenveredlung und Metallverarbeitung, ist gesichert. HLE Glascoat, ein indischer Hersteller von Emaille-Produkten, übernimmt das Unternehmen aus Chemnitz. Nach Zustimmung der Gläubiger wurde der Kaufvertrag im August 2025 unterzeichnet, heißt es in der Mitteilung der beratenden Kanzleien Schultze & Braun und Flöther & Wissing. Omeras hatte im Februar 2025 ein Sanierungsverfahren in Eigenregie eingeleitet, um den Herausforderungen durch hohe Energiekosten und Investitionszurückhaltung zu begegnen.

Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik geht in Eigenverwaltung

Die Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik hat Ende August einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Michael Verken (Anchor Rechtsanwälte) ist als Sachwalter bestellt, er soll das bayerische Unternehmen sanieren. Die Krise resultiere aus der schwierigen Lage der Automobilindustrie, heißt es in einer Mitteilung. Die SGF-Gruppe mit Standorten in Deutschland und Tochtergesellschaften in Tschechien, den USA, Japan, China und Thailand erzielte 2024 mit rund 500 Beschäftigten einen Umsatz von 110 Millionen Euro. Die Auslandsgesellschaften betrifft die Insolvenz nicht. Die Suche nach einem Investor läuft. Die Frankfurter Sanierungsexperten Jan Markus Plathner, Christoph Enkler und Sebastian Netzel (Brinkmann & Partner) unterstützen das Unternehmen als Generalbevollmächtigte.

Cyberattacke schob Insolvenz der Wehrle-Werke an

Die Wehrle-Werke, ein Anbieter im Anlagen- und Umwelttechnikbau aus Emmendingen, hat Ende August Insolvenz angemeldet. Die Schieflage sei vor allem auf die schwache konjunkturelle Lage, Verzögerungen bei der Abwicklung von Projekten sowie stark schwankende Auftragseingänge zurückzuführen, heißt es in der Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters Marc-Philippe Hornung (SZA Schilling, Zutt & Anschütz). Zusätzlich wurde der Geschäftsbetrieb durch einen schweren Hackerangriff im Mai 2024 erheblich beeinträchtigt.

Weitere Insolvenzen in der Kathrein-Gruppe

Nach der Insolvenz des renommierten Tech-Herstellers Kathrein SE, einem deutschen Hersteller von Antennen und Satellitentechnik, folgten Anfang August nun auch Anträge für Kathrein Electronics und Kathrein Digital Systems. Das ergibt sich aus einer Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Verken (Anchor). Im März hatte bereits Kathrein Broadcast die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Mittlerweile hat sie mit Lenbach Capital einen Investor gefunden und wird nicht mehr zur Gruppe gehören. Die verbleibenden Unternehmen kämpfen mit den Folgen internationaler Krisen und früherer Restrukturierungen. Eine langfristige Investorenlösung ist angestrebt, um das Traditionsunternehmen zu erhalten.

Info

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.