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Ankura eröffnet Forensik-Büro in Frankfurt

Markus Domin (links) und Uwe Heim (rechts) arbeiten in dem neuen Deutschland-Ankura-Büro.
Ankura

Der Beratungsstandort Frankfurt ist um einen weiteren Wettbewerber reicher: Die weltweit tätige Gesellschaft Ankura eröffnet am Main ihr erstes Deutschland-Büro. Der Standort fokussiert sich zunächst auf den Bereich Forensik, perspektivisch sollen aber auch Berater für Restrukturierung und Digitalisierung dazu stoßen. 

Mit dem Angebot positioniert sich das noch junge Beratungshaus als Wettbewerber zu den etablierten Prüfern. Ankura wurde 2014 in den USA gegründet und hat sich nach eigenen Angaben seitdem zu einem Unternehmen mit einem Umsatz von über 500 Millionen US-Dollar entwickelt. 

Das Beratungshaus sieht seine Chance im strukturellen Wandel im Wirtschaftsprüfer– und Beratermarkt. Der weltweit steigende regulatorische Druck auf die etablierten Gesellschaften biete Raum für einen neuen Anbieter, so die Hoffnung. Unter anderem wird auch in Deutschland eine schärfere Trennung von Prüfung und Beratung intensiv diskutiert.

Forensiker ermittelten bei Wirecard

Vor allem im Bereich Forensik sieht das Beratungshaus eine steigende Nachfrage. Im Finanzdienstleistungssektor werden die regulatorischen Anforderungen an Präventionsmaßnahmen und Compliance immer komplizierter. Hinzu kommen prominente Fälle aus der jüngeren Vergangenheit, die bei Unternehmen Schwachstellen in diesen Bereichen offenbart haben. 

So arbeiteten Forensiker etwa die Bilanzen des insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard durch, ihre Ergebnisse wurden im Untersuchungsausschuss des Bundestags umfassend aufbereitet. Auch der Leasing-Anbieter Grenke musste kürzlich eine Sonderprüfung mit Schwerpunkt auf Compliance und Geldwäsche-Prävention über sich ergehen lassen und versprach Nachbesserungen, nachdem Sonderprüfer Mazars Kritikpunkte aufgezeigt hatte. 

Ankura holt Uwe Heim und Markus Domin

Als Führungsduo für die Etablierung seiner Forensik-Praxis im deutschen Markt hat Ankura nun Uwe Heim und Markus Domin verpflichtet, die als Führungsspitze ein deutsches Forensik-Team aufbauen sollen. Beide kommen aus der Wirtschaftsprüfung und waren zuletzt bei dem Big Four KPMG beschäftigt. 

Uwe Heim arbeitet seit rund 18 Jahren als Berater. Nach einer ersten Station bei KPMG wechselte er 2007 zu Deloitte, wo er die Serviceline Forensik leitete. Seit dem Frühjahr 2018 arbeitete Heim bis zum Februar dieses Jahres wieder für KPMG, zuletzt als Partner im Bereich Compliance & Forensik. 

Vor seinem Wechsel auf die Beraterseite war Heim Teamleiter im Wirtschaftsprüfdienst des Bundeskriminalamts. Heim berät Banken und Unternehmen im Kampf gegen Finanzkriminalität, begleitet Mandanten in Ermittlungsverfahren durch Aufsichtsbehörden und leitet Ermittlungen bei Verdachtsfällen von Korruption, regulatorischen Verstößen und Geldwäsche.

Markus Domin arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der Forensik und ist auf Ermittlungen beim Verdacht auf Korruption, Bestechung oder Betrug spezialisiert. Er war zuletzt bis März dieses Jahres Director und Leiter der Forensik-Practice Stuttgart bei KPMG. Von 1997 bis 2010 war Domin bei der Bundeswehr beschäftigt, wo er die Offizierslaufbahn absolvierte. Unter anderem war Domin Nachrichtenoffizier im Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr tätig und Zugführer in der Deutsch-Französischen Brigade. 

Ankura will Deutschland-Team auf 30 Personen ausbauen

Bislang war Ankura am deutschen Markt in der Konflikt- und Risiko-Beratung aktiv, allerdings noch ohne lokales Büro. So wurde das Beratungshaus gerichtlich bestellt, um die Schadensersatzzahlungen von VW an Fahrzeugbesitzer im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal zu beaufsichtigen. 

Mit dem Aufbau der neuen Präsenz hat Ankura ehrgeizige Wachstumsziele für den deutschen Markt verbunden. So soll Forensik nicht das einzige Beratungsfeld bleiben. Mandate zur Unterstützung bei Konflikten und Rechtsstreitigkeiten, in Turnaround-Situationen und Restrukturierungen sowie in der Technologieberatung sollen hinzukommen. 

Bis zum Jahreswechsel 2021/2022 will Ankura mit einem Team von mehr als 30 Experten in Deutschland aktiv sein. Weltweit beschäftigt das Beratungshaus nach eigenen Angaben zurzeit mehr als 1.500 Professionals an 34 Standorten. 

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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