Sanierungskrimi bei Baywa, Führungschaos bei der Bahn und CFOs am Limit

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Machtpoker bei Baywa: Das Titelthema der neuen FINANCE-Ausgabe. Foto: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON, Montage: FINANCE
Machtpoker bei Baywa: Das Titelthema der neuen FINANCE-Ausgabe. Foto: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON, Montage: FINANCE

Wenn Unternehmen in Schieflage geraten, ähneln sich die Ursachen häufig: überambitionierte M&A-Strategien, verlustreiche Geschäftsfelder, strategische Fehlentscheidungen oder eine Corporate Governance, die Risiken zu lange übersieht. Die Zutatenliste ist bekannt. Umso überraschender ist es, wenn ausgerechnet ein etablierter Konzern daraus ein besonders eindrückliches Beispiel liefert. Genau das passiert derzeit beim Münchener Agrar- und Handelskonzern Baywa.

Fast zwei Jahre nach der offiziell attestierten Krise steht der Konzern vor einer ungewöhnlichen Situation: Nicht nur das Unternehmen selbst muss saniert werden, sondern offenbar auch der Sanierungsprozess. Zwei renommierte Restrukturierungsexperten, Michael Baur und Hans-Joachim Ziems, verfolgen unterschiedliche Ansätze für den Turnaround – und stehen sich dabei zunehmend gegenüber.

Was eigentlich ein geordneter Restrukturierungsprozess sein sollte, entwickelt sich damit zu einem Machtpoker auf höchster Ebene. So öffentlich, so zäh und so konfliktreich verlaufen Sanierungen dieser Größenordnung nur selten. Kurz vor Redaktionsschluss gab es immerhin einen ersten Lichtblick: Der Verkauf der niederländischen Tochter Cefetra ist gelungen. Doch ob dieser Schritt mehr als ein Etappensieg ist, bleibt offen. FINANCE zeichnet in der neuen Titelgeschichte nach, die heute schon als E-Paper erhältlich ist, wie es zu der Krise kommen konnte, welche Interessen hinter den unterschiedlichen Sanierungsstrategien stehen – und welche Szenarien für den weiteren Verlauf denkbar sind.

Führungschaos bei der Deutschen Bahn

Ein weiterer, womöglich noch größerer Sanierungsfall fährt derzeit auf Schienen – und steht exemplarisch für strukturelle Herausforderungen in Deutschland: die Deutsche Bahn. Der Staatskonzern kämpft seit Jahren mit operativen Problemen, chronischen Verspätungen und einem milliardenschweren Investitionsstau in Infrastruktur und Technik. Der Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs und früheren CFOs Richard Lutz im vergangenen Herbst sollte eigentlich den Weg für einen personellen Neustart ebnen. Doch auch dieser gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Bereits nach wenigen Monaten steht Finanzvorständin Karin Dohm offenbar wieder vor dem Aus. Medienberichte über einen ruppigen Führungsstil und Spannungen mit der neuen Bahnchefin Evelyn Palla haben Fragen nach der internen Dynamik an der Konzernspitze ausgelöst. Wer gibt im Bahn-Konzern derzeit tatsächlich die Richtung vor? Und welche Rolle spielt das Finanzressort in der dringend notwendigen Transformation des Unternehmens? FINANCE ist diesen Fragen nachgegangen und beleuchtet die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen.

CFOs am Limit

Beide Beispiele zeigen, wie stark der Druck in den Führungsetagen großer Unternehmen derzeit gestiegen ist. Transformationen ganzer Geschäftsmodelle, komplexe Restrukturierungen, geopolitische Unsicherheiten und steigende Erwartungen der Kapitalmärkte treffen gleichzeitig aufeinander. Besonders CFOs stehen dabei im Zentrum der Verantwortung. Sie müssen finanzielle Stabilität sichern, strategische Entscheidungen begleiten und gleichzeitig die Kommunikation mit Investoren, Banken und Aufsichtsgremien steuern.

Viele Finanzchefs bewegen sich damit längst an der Belastungsgrenze – manche auch darüber hinaus. In Gesprächen mit CFOs beleuchtet FINANCE, welche Strategien ihnen helfen, in dieser angespannten Lage handlungsfähig zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Was bleibt vom Green-Finance-Hype?

Neben akuten Restrukturierungsfällen und Führungsfragen richtet diese Ausgabe den Blick auch auf ein Thema, das zwar weniger laut diskutiert wird als noch vor wenigen Jahren, aber weiterhin große Bedeutung für Finanzabteilungen und Kapitalmärkte hat: Green Finance.

Vor rund einem Jahrzehnt hielten grüne Finanzierungsinstrumente Einzug in Deutschland – von Green Bonds bis zu nachhaltigkeitsgebundenen Krediten. Lange Zeit galt der Trend als unumkehrbar. Inzwischen hat sich das Umfeld jedoch verändert. Regulatorische Anforderungen wachsen, politische Prioritäten verschieben sich, und in Teilen des Marktes ist eine gewisse Ernüchterung spürbar.

Stehen nachhaltige Finanzierungen vor einer Phase der Konsolidierung – oder droht sogar eine Rolle rückwärts? Unser Schwerpunkt in dieser Ausgabe zieht eine Zwischenbilanz: Wie entwickeln sich grüne Finanzierungsinstrumente im aktuellen Marktumfeld? Welche Rolle spielen sie künftig in der Unternehmensfinanzierung? Und wie gehen CFOs mit dem wachsenden Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeitszielen, Regulierung und wirtschaftlichem Druck um?

Antworten auf diese Fragen finden Sie in der neuen Ausgabe von FINANCE. Und wer die Debatte weiter vertiefen möchte, hat dazu bald persönlich die Gelegenheit: Am 24. März diskutieren wir auf unserer Konferenz Green FINANCE im F.A.Z. Tower mit führenden Finanzentscheidern, Investoren und Experten über die Zukunft nachhaltiger Finanzierung.

Bleiben Sie kritisch. Und vor allem: Bleiben Sie informiert.

Info

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.