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Trotz Ermittlungen: Deutsche Lichtmiete findet kuriosen Käufer

Die Deutsche Lichtmiete hat einen neuen Besitzer und firmiert künftig als
Die Deutsche Lichtmiete hat einen neuen Besitzer und firmiert künftig als "Deutsche Leuchtmittel". Foto: Deutsche Lichtmiete

Neun Monate nach der „ersten“ Insolvenzmeldung findet die Deutsche Lichtmiete einen Käufer. Die DLM Deutsche Leuchtmittel (DLM) kauft über einen Asset Deal das Leuchtmittelunternehmen aus dem niedersächsischen Oldenburg. Deutsche Lichtmiete firmiert seit Donnerstag unter Deutsche Leuchtmittel.

Der Käufer DLM ist für die Deutsche Lichtmiete kein Unbekannter. Hinter DLM steckt ein Übernahmevehikel von One Square Advisors – ausgerechnet jene Restrukturierungs-Beratung, die vorher die Anleihegläubiger beraten hat. One Square hat DLM eigens für die Übernahme gegründet.

Alternativlösung für Deutsche Lichtmiete wurde verworfen

Neben der DLM-Lösung wurde im Vorfeld noch eine andere diskutiert. Gert Sieger, der in einem kurzen Intermezzo von März bis April CEO der Deutschen Lichtmiete war, wollte ursprünglich ebenfalls ein Konzept mit einer anderen „Auffanglösung“ vorlegen. Dieses Konzept sah vor, dass das (profitable) Geschäft der Deutschen Lichtmiete in ein Leasingmodell gepackt werden sollte.

Sieger ließ aber eine letzte Frist verstreichen, ohne ein annahmefähiges Angebot vorzulegen. Daher beauftragen die Gläubigerausschüsse am vergangenen Mittwoch den Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß der Kanzlei Wallner Weiß damit, abschließende Verhandlungen mit One Square zu führen, die bereits vor Sieger ein Angebot vorgelegt hatten. Der Deal ist bereits von den Gläubigern abgesegnet.

„Das Fortführungskonzept von One Square ist unter den gegebenen Umständen die bestmögliche Lösung für die Gläubiger“, sagte Insolvenzverwalter Weiß nach Unterzeichnung der Kaufverträge. „Ich sehe nun gute Chancen, dass das Lichtmiete-Geschäftsmodell weiter am Markt Bestand haben kann.“ Bei dem künftigen Geschäftsmodell der Deutschen Leuchtmittel agiere One Square als treuhänderischer Eigentümer im Interesse der Gläubiger.

Deutsche Lichtmiete: Wie hoch war der Kaufpreis?

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wie FINANCE aus dem Gläubigerumfeld erfuhr, soll sich die Summe des Distressed-Asset-Deals auf 175 Millionen Euro belaufen. Finanziert werde die Transaktion mit einer Anleihe in Höhe von 45 Millionen Euro und einem Besserungsschein über 130 Millionen Euro. Die Deutsche Lichtmiete zählte Ende 2021 rund 120 Mitarbeiter.

Ein Weiterverkauf des Unternehmens wird nicht ausgeschlossen. Sollte die Deutsche Lichtmiete beziehungsweise DLM in den nächsten Jahren einen neuen Käufer finden, würde der Kaufpreis den Gläubigern zufließen. Bis das neue Unternehmen aber die „Verkaufsreife“ erlange, könnte es noch bis 2026 oder 2027 dauern, heißt es aus dem Gläubigerumfeld.

Für Frank Günther, Managing Partner bei One Square, gibt es mehrere Säulen, die das neue Geschäftsmodell tragen. „Die Marktumstände geben dem Modell Rückenwind“, sagt Günther gegenüber FINANCE. Günther bezieht sich dabei auch auf die steigenden Energiepreise und auf CO2-Einsparungen, die durch den Klimawandel zum immer drängenderen Faktor werden und zu einer hohen Nachfrage nach umweltfreundlichen und energieeffizienten Lichtprodukten führen. Zudem bestehe ein fester Kundenstamm und ein gut gefülltes Warenlager.

Verdacht auf Kriminalinsolvenz bei Deutscher Lichtmiete bleibt

Mit dem Verkauf ist der kuriose Fall aber nicht abgeschlossen. Kurios deshalb, weil die Deutsche Lichtmiete nach einem Insolvenzantrag zum Jahreswechsel 2022 den Antrag Ende Februar überraschend zurückzog. Wenige Wochen später stellte der Kreis der Gläubiger erneut einen Insolvenzantrag.

Doch das war nicht alles. Dem ersten Insolvenzantrag war eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung samt Hausdurchsuchung vorausgegangen. Bei der Deutschen Lichtmiete liegt ein Verdacht auf Krimanalinsolvenz vor. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte die Ermittlungen im vergangenen Dezember aufgenommen. Im Zentrum steht der Vorwurf, das Unternehmen hätte Gläubiger mit einem Schneeball- beziehungsweise Ponzi-System getäuscht. Aktuell dauern die Ermittlungen an, wie die Staatsanwaltschaft gegenüber FINANCE bestätigte.

Die laufenden Ermittlungen hätten auch bei den Überlegungen zur Fortführungslösung eine Rolle gespielt, sagt Günther von One Square gegenüber FINANCE. Man habe gerade bei der Namensgebung „lange nachgedacht“, ob die Reputation des neuen Unternehmens Deutsche Leuchtmittel beschädigt werden könnte. Der neue Name sei gewählt worden, um deutlich zu machen, dass sich das Unternehmen bezüglich Eigentümerstruktur und Geschäftsmodell von der insolventen Lichtmiete unterscheide.

Die neuen Eigentümer planen nicht, das komplexe Finanzierungsmodell der Lichtmiete fortzuführen – die Deutsche Lichtmiete finanzierte sich insbesondere über Direktinvestitionen. Anleger kauften die Leuchtsysteme ein und vermieteten diese für einen bestimmten Zeitraum an die Deutsche Lichtmiete, die sie wiederum an gewerbliche Kunden weitervermietete. Nach Ende der Mietzeit kaufte die Lichtmiete die Leuchtsysteme zu einem zuvor vereinbarten Preis zurück.

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

sarah.backhaus@finance-magazin.de | + posts

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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