Die Anbieter von D&O-Versicherungen sehen hohe Kosten auf sich zukommen. Die Folge: Für D&O-Versicherungen steigen die Preise.

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11.09.18
Wirtschaft

CFOs droht Preissteigerung bei D&O-Versicherungen

Die D&O-Versicherung für Vorstände könnte bald teurer werden. Die Branche sieht vermehrt Sammelklagen auf sich zukommen und fürchtet hohe Kosten durch den VW-Dieselskandal. Das treibt die Preise.

Eine wirksame D&O-Versicherung ist ein Muss, um die CFO-Haftung zu begrenzen. Doch der Versicherungsschutz könnte für einige Vorstände bald teurer werden. „Einige Versicherer nehmen Prämienanpassungen in der Managerhaftpflichtversicherung vor“, schreibt der Versicherungsmakler Marsh in seinem neuesten „Update Versicherungsmarkt Deutschland 2018“. Die Erhöhungen bewegten sich meist in einer Größenordnung von rund 10 Prozent. Noch sieht Marsh dies aber auf einzelne Segmente beschränkt und sieht keine durchgängige Verhärtung des Marktes.

Ähnliches beobachtet der Wettbewerber Aon: Während einerseits aufgrund des starken Wettbewerbs bei manchen Anbietern noch Preissenkungen im einstelligen Prozentbereich verhandelbar seien, hätten auf der anderen Seite „einige D&O-Führungsversicherer in diesem Jahr in Einzelfällen die Preise erhöht“. Die Zeiten auf breiter Fläche sinkender Preise dürften damit vorbei sein.

Bei D&O-Versicherung droht Preissteigerung

Als Grund für die Preiserhöhungen zitiert Aon eine Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, der im vergangenen Jahr erstmals das D&O-Geschäft gesondert ausgewertet hat. Demnach lag die Schadenkostenquote im Jahr 2016 bei knapp 108 Prozent. Die Quote setzt die Kosten für eingetretene Schäden sowie die Verwaltungs- und Abschlusskosten der Versicherer in Relation zu den Prämieneinnahmen. Je geringer sie ausfällt, umso profitabler arbeitet die Versicherung. Eine Quote über 100 Prozent bedeutet einen Verlust. Um die Quote zu senken, erhöhen die Versicherer häufig die Preise.

Der Ausblick des Versicherungsmaklers für die Nutzer von D&O-Versicherungen ist negativ: Preise und Versicherungsbedingungen könnten sich verschlechtern, glaubt Aon. Schuld daran seien hohe Vergleichssummen, die zuletzt in Sammelklageprozessen vorwiegend in den USA fällig wurden. Vor allem international tätige Versicherer sind hiervon betroffen. 

D&O-Versicherer zittern vor VW-Dieselskandal

Und auch in Deutschland stehen hohe Zahlungen im Raum: „Die mutmaßlich hohen D&O-Reservebildungen im VW-Dieselskandal dürften zur Belastung des gesamten deutschen Marktes führen“, glauben die Aon-Analysten. Zudem steige mit dem neuen Gesetz zur Musterfeststellungsklage das Risiko von Sammelklagen. Auch seien zunehmend Prozessfinanzierer in Deutschland aktiv.

Wohin dies führen kann, zeigt sich in Australien: Der Anstieg professioneller Prozessfinanzierer hat dort schon zu massiven Preiserhöhungen geführt. Dennoch müssten D&O-Kunden sich in Australien auf weitere Preiserhöhungen im deutlich zweistelligen Prozentbereich sowie ein grundsätzlich zurückhaltendes Zeichnungsverhalten der D&O-Versicherer einstellen, warnt Aon.

CFOs müssen Versicherungen koordinieren

Wegen der steigenden Preise auf die Managerhaftpflicht zu verzichten, ist für Geschäftsführer und Vorstände allerdings keine Option. Durch steigende regulatorische Anforderungen drohen ihnen immer neue Haftungsrisiken, etwa im Datenschutz. Auch Cybercrime-Risiken sind eine verbreitete Bedrohung: 2017 meldeten 38 Prozent der deutschen Wirtschaft KPMG zufolge, von e-Crime-Delikten wie Computersabotage oder Datendiebstahl betroffen gewesen zu sein.

CFOs, die die wichtigsten Risiken versichern wollen, müssen häufig mehrere Policen koordinieren – und klar festlegen, welche Versicherung am Ende bei welchen Schäden einspringt. So können zum Beispiel Fake-President-Attacken in der D&O-Versicherung ausgeschlossen sein, wenn die entsprechenden Schäden über eine Vertrauensschadenpolice abgedeckt sind. Auch spezialisierte Cybercrime-Versicherungen und IT-Haftpflichtpolicen sind am Markt erhältlich.

Cyber-Versicherung könnte Milliardenmarkt werden

Für die Versicherer bieten die Bedrohungen durch Cybercrime enormes Geschäftspotential: Laut einer Aon-Prognose werden die Versicherer in dieser Sparte im Jahr 2021 weltweit 4 Milliarden US-Dollar einnehmen. In den zurückliegenden fünf Jahren wuchs der Markt demnach um 23 Prozent, schneller als jede andere Versicherungssparte.

Allerdings schauen die Versicherer bei ihren Kunden genauer hin: Einige Unternehmen erhalten ihren Cybercrime-Versicherungsschutz nur, wenn sie Auflagen in der Informationssicherheit erfüllen. Das ist eine Reaktion auf die rasant steigenden Schadenzahlen. Die Versicherer werden daher vorsichtiger und sichern größere Beträge nur noch ungern ab. „Summen von mehreren Hundert Millionen Euro sind inzwischen nur schwer zu bekommen“, beobachtet Aon.

Brexit mischt Versicherungsmarkt auf

Innerhalb der Versicherungsbranche sorgt auch ein makroökonomisches Risiko für Wirbel: Der bevorstehende Brexit könnte dazu führen, dass UK-Versicherer ihre EU-Zulassung verlieren. Sowohl Aon als auch Marsh beobachten, dass britische Versicherer daher vermehrt überlegen, ihren Standort entweder in die EU zu verlegen oder eine gesonderte europäische Einheit zu gründen.

Marsh sieht auch durch Zusammenschlüsse und  Umstrukturierungen großer Versicherer Veränderungen auf den Markt zukommen – konkrete Ergebnisse erwartet der Versicherungsmakler gegen Ende des Jahres. Für die Vorstände zieht Marsh aber zunächst ein beruhigendes Fazit: Derzeit seien daraus keine wesentlichen Einschränkungen für Kunden erkennbar.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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