Die Mieten für die A.T.U-Werkstätten sind dem Kaufinteressenten Mobivia zu hoch. Bei dem Thema hat auch die Deutsche Bank ein Wort mitzureden.

A.T.U

14.10.16
Wirtschaft

Deutsche Bank redet bei A.T.U-Übernahme mit

Der Verkauf der Werkstattkette A.T.U an den französischen Wettbewerber Mobivia hängt offenbar auch an der Deutschen Bank: Viele der Immobilien, in denen A.T.U die Werkstätten betreibt, gehören dem Bankhaus sowie einem Hedgefonds. Ohne ihre Zugeständnisse könnte der Deal platzen.

Laut Finanzkreisen wird die Deutsche Bank beim Verkauf der kriselnden Werkstattkette A.T.U zum Zünglein an der Waage: Der Bank gehören gemeinsam mit dem Hedgefonds Davidson Kempner offenbar fast die Hälfte der Immobilien, in denen A.T.U seine Werkstätten betreibt. Das berichtet die Agentur Reuters unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte Insider. Der französische Wettbewerber Mobivia will A.T.U übernehmen, im Vorfeld allerdings die Mieten drastisch senken. Diese liegen den Reuters-Quellen zufolge deutlich über dem Marktniveau und sollen mitunter sogar die doppelte Höhe des Üblichen erreichen.

Mobivia hat eine Mietsenkung zur Bedingung die A.T.U-Übernahme gemacht
. Sollte es dem A.T.U-Management nicht gelingen, die Mieten für die Filialen auf ein marktübliches Niveau zu senken, könnte Mobivia die Transaktion platzen lassen. Offenbar drängt die Zeit: Finanzkreisen zufolge soll eine Lösung noch vor Ende Oktober her, damit die Transaktion wie geplant bis Jahresende abgeschlossen werden kann. 

Auch A.T.U-Sanierer Hans-Joachim Ziems fordert Mietreduktion

Der erfahrene Sanierer Hans-Joachim Ziems, der nun für A.T.U verhandelt, soll bereits einen Kompromiss vorgeschlagen habe: Laut Reuters  habe er angeboten, die eigentlich bis Anfang 2020 laufenden Mietverträge für mehr als 270 A.T.U-Standorte um 20 Jahre zu verlängern. Im Gegenzug sollen die Eigentümer der Werkstätten die Mieten von durchschnittlich 12 auf 4 Euro je Quadratmeter senken.

Die Deutsche Bank kam durch Umschuldungen zu ihrem Mitspracherecht bei den A.T.U-Immobilien. Sie hatte den Käufern der 2005 von A.T.U-Gründer Peter Unger verkauften Immobilien ursprünglich einen 672 Millionen Euro schweren Kredit gegeben. Nach mehreren Umschuldungen übernahm die Bank schließlich selbst das Ruder. So wurde auch die Deutsche Bank in den Strudel der Dauerkrise von A.T.U gezogen. Berichten zufolge lasten immer noch 536 Millionen Euro auf den Immobilien.

Lösung der Mietprobleme ist für A.T.U überlebenswichtig

Eine Mietreduktion von 12 auf 4 Euro pro Quadratmeter, wie sie jetzt im Raum steht, wäre für die Immobilienbesitzer ein schweres Zugeständnis. Die Mieteinnahmen würden damit auf ein Drittel absinken. Es ist kaum vorstellbar, dass die Finanzkalkulation der Vermieter mit Blick auf ihren eigenen Schuldendienst dann noch aufginge.

Die Vermieter beziehungsweise deren Gläubiger müssten also womöglich ihrerseits Forderungen und eingeplante Cashflows abschreiben, um zu verhindern, dass ihr Mieter A.T.U in die Insolvenz schliddert. Dies erscheint für den Fall eines Scheiterns des Mobivia-Deals durchaus im Rahmen des Möglichen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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